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Materialtest | Phantom Alpha

Das erste komplette Bindungssystem für Hardboot-Splitboarder

19.12.2016

Wenn man sich etwas mehr mit der Materie des Splitboardens beschäftigt, stößt man zwangsläufig auf Leute, die mit Skitourenschuhen splitboarden: „The dark side of snowboarding“, so wenig Leute, dass sie praktisch eine eigene Minderheit in der eh schon kleinen Gemeinde der Splitboarder bilden.

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Phantom Splitboards

Wenn man sich etwas mehr mit der Materie des Splitboardens beschäftigt, stößt man zwangsläufig auf Leute, die mit Skitourenschuhen splitboarden: „The dark side of snowboarding“, so wenig Leute, dass sie praktisch eine eigene Minderheit in der eh schon kleinen Gemeinde der Splitboarder bilden.

 „The dark side of snowboarding“. 

Aber warum macht man das überhaupt?

Die Gründe liegen zum einen in einer verbesserten Aufstiegsperformance und zum anderen in Vorteilen bei alpinistisch orientierten Zielen. Momentan gibt es zwei entsprechende Systeme, eins von Spark R&D und das andere von Phantom Splitboard Bindings. Meine Erfahrungen mit der Phantom Alpha möchte ich in diesem Artikel mit euch teilen.

Hintergrund:

Phantom Splitboard Bindings wurde von John Keffler und Barrows Worm de Geldern in Denver, Colorado gegründet. Sie hatten zu Beginn nicht das Ziel eine Firma ins Leben zu rufen, sondern sie nutzten ihre Fähigkeiten (Erfahrung mit Snowboarden zusammen mit Know-How bezüglich Materialeigenschaften und der Konstruktion von extrem spezialisierten Bauteilen) um ein ihrer Ansicht nach dringendes Problem zu lösen. Es gab bis dahin keine gut abgestimmte Hardbootbindung für Splitboarder. Diesem Problem haben sie sich dann neben ihrem Hauptberuf mit viel Leidenschaft und Expertise angenommen. Das Ergebnis ist die Phantom Alpha.

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Adrian / aearlyup.net
terrainMiemingerkette

Die Bindung ist so konstruiert, dass sie sich auf den vorhanden Inserts eines fertigen Splitboards ohne zusätzliche Bohrungen installieren lässt. Dazu werden die beiden Dynafit Superlight Toepieces mit dazugehörenden Adapterplatten geliefert und bilden mit den restlichen Teilen ein eigenständiges und vollständiges Setup.

Tester und Testbedingungen

Ich fahre seit 1998 Snowboard und gehe seit 2007 hauptsächlich Touren. Anfangs bin ich mit Schneeschuhen unterwegs gewesen, im Januar 2011 habe ich dann mein erstes Splitboard (Burton Freebird) gekauft. Im Jahr darauf eine Spark Burner, bald mit Spark XV Boots, was (mit den Strappy Straps für besseren Seitenhalt) mein Referenz-Softboot-Setup ist. Meine Abfahrtsposition ist vorne +18° und hinten -6° bei 57 cm Abstand.

Ich fahre ungern Lift sondern laufe die meisten Höhenmeter, die ich abfahre, aus eigener Kraft den Berg rauf, durchschnittlich werden es pro Tour ungefähr 1300-1700 hm. An Schneearten war mittlerweile wirklich alles dabei, von Powder über schweren Sulz bis hin zu bockhart gefrorenen Hängen. Dabei habe ich das höhere Gewicht und den schlechteren Kantenhalt bei hartem Schnee immer mehr als Nachteil des Softbootsystems bemerkt. Deshalb habe ich im Winter 2014/2015 den Umstieg gewagt. Die Phantom Alpha (aus der Saison 14/15) bin ich bislang in Kombination mit einem modifizierten Scott Orbit II (mehr Informationen dazu hier: http://www.erstespur.de/viewtopic.php?t=6395) und auf den Snowboards Burton Freebird 162, Jones Hovercraft 160 und Amplid LabCarbon Split 162 gefahren.

Aufstiegs- und Abfahrtsverhalten

Bergauf hat man mit Skitourenschuhen, so genannten AT (alpine touring) boots, und einer Pin-Bindung nur Vorteile. Der Drehpunkt ist weiter vorne, was sich deutlich intuitiver beim Gehen anfühlt. Zusätzlich wird durch den besseren Seitenhalt der Schuhe der Druck effektiv auf die Kante übertragen, was sich besonders bei harten Schneeverhältnissen mit einem besseren Kantenhalt auszahlt. Zuletzt trägt man die Bindung auch nicht am Fuß den Berg rauf, sondern im Rucksack, und das macht sich bemerkbar: die Faustformel lautet hierbei, dass sich gesparte 100 Gramm an den Füßen ungefähr so anfühlen, als hätte man 700 – 1000 Gramm weniger im Rucksack. Die Steighilfen „Rocket Riser“ sind zweistufig, absolut minimalistisch und funktionieren perfekt. Mit den Skitourenschuhen kann man, im Gegensatz zu Softboots, vernünftig Stufen in hartem Schnee treten, stabile Steigeisen montieren und durch die steife Sohle deutlich besser im Fels klettern.

Am Gipfel angekommen, zeigt sich nun das wahre Gesicht eines AT Boot-Setups: es muss auch bergab was taugen. Die Bindungsplatte wird auf das Board gesetzt, verdreht und mit zwei beweglichen Pins an den beiden Cleats fixiert. An wenigen Tagen pro Saison merkt man dabei den einzigen Nachteil des Systems: Im Vergleich zum Voilé System ist es nicht selbst-reinigend, das bedeutet angefrorenen Schnee muss man vorher entfernen, damit die Bindung plan auf dem Topsheet aufliegt und die Pins in die Vertiefungen einrasten können. Mit einem kleinen Eiskratzer oder einer alten Scheckkarte wurde das aber bislang nie zum Problem. Die Cleats lassen sich stufenlos von -30° bis +30° Bindungswinkel verstellen. Die Phantom Alpha fixiert den Skitourenschuh bombenfest und ist schnell zu öffnen. Sie ist im Prinzip eine klassische Bügelbindung, mit den Vorteilen einer geringen Aufbauhöhe und eingebautem Canting, damit man angenehmer auf dem Snowboard steht.

Vor- und Nachteile

+ überragende Qualität der Komponenten
+ zuverlässig
+ keine brechenden Plastikteile
+ deutlich verbesserte Aufstiegsperformance gegenüber einem Softboot-Setup
+ uneingeschränkt steigeisenkompatible Schuhe
+ leichter als ein Softboot-Setup, besonders im Aufstieg

- kostenintensiv (850 USD + Versand aus USA)
- Vereisung möglich, aber leicht zu beheben
- Umstellung bei der Abfahrt nötig

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Andra Moneti
terrainChamonix

Die passenden Skitourenschuhe

Zusätzlich zur Bindung ist für die Abfahrtsperformance ein entsprechend funktionierender und passender Skitourenschuh der entscheidende Punkt. Das ist genug Stoff für einen eigenen Artikel, aber ein paar Punkte vorweg: Je leichter die Schuhe, umso weicher sind sie normalerweise. Carbon ist zwar in Mode, aber in diesem Fall kontraproduktiv, da es den Flex deutlich härter macht. Dann muss der Schuh es erlauben, dass er nach vorne flext. Hierzu muss man die Schuhe oft modifizieren, für manche Modelle wie den TLT6 gibt es super Anleitungen, auch mein letzter Mod beim Scott Orbit funktioniert gut.

Achtung: mittlerweile gibt es Schuhe wie den TLT7 oder den Arcteryx Procline, die keinen oder einen zu schmalen Sohlenrand an der Fußspitze aufweisen. Solche passen nicht in eine Bügelbindung! Generell gilt die selbe Empfehlung wie immer beim (Ski-) Schuhkauf: lass dich in einem Fachgeschäft ausführlich beraten, erkläre wofür du den Schuh verwenden willst, lass dir den Schuh anpassen und kauf ihn dann auch dort.

Fazit

Wenn der Schuh die geforderten Kriterien erfüllt und man ein paar Tage zum eingewöhnen in das neue Setup einplant, bekommt man ein funktionierendes  System. Die Phantom Alpha hat zwar einen hohen Anschaffungspreis, ist aber von Funktion, Gewicht und Qualität das Beste, was momentan auf dem Markt erhältlich ist. Nach zwei Wintern mit dem System ist für mich persönlich das Experiment geglückt, ich sehe in der Kombination aus passenden Skitourenschuhen mit einem gut abgestimmten Bindungssystem die Zukunft im Snowboardbergsteigen.

Weitere Informationen

Für weiterführende Infos empfehle ich die Website von Phantom www.phantomsnow.com sowie ein sehr empfehlenswertes, englischsprachiges Review inklusive Gewichtsangaben: http://snowboardmountaineer.com/gear-review-phantom-splitboard-bindings/.

Die beiden Splitboard-spezifischen Forenwww.erstespur.de und www.splitboard.com enthalten viele gute Informationen rund um das Thema Splitboarden. In den Foren (mein Username ist mgco3) findet ihr auch den Testbericht zum Scott Orbit als passenden Skitourenschuh für breite Füße.

Hier gehts es zu den PG Testrichtlinien

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