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Materialtest | Mammut Snowpulse Pro Protection Airbag

Freeride-und tourenalltagstauglicher Airbag-Rucksack mit gut durchdachtem Konzept

11.03.2014

Der Große Airbag-Rucksack von Mammut mit dem „Protective Airbag System“ ist für all jene Freerider gedacht, die einen etwas größeren und besonders stabilen Rucksack mit gutem Tragesystem benötigen. Wie er sich im harten Alltag schlägt, haben wir für euch getestet.

Der erste Eindruck

Beim Erstkontakt habe ich mir gleich gedacht, dass es sich um einen extrem gut durchdachten, qualitativ sehr hochwertigen und robusten Rucksack handelt. Diese Vorschusslorbeeren musste er jetzt bereits bei mehr als zwanzig Touren und zahlreichen Freeridetagen bestätigen.

Augenscheinlich könnte man zu dem Entschluss kommen, dass der Rucksack durch die aufgesetzte Safety Pocket ein wenig unförmig geraten ist. Aber diese Information ist wohl nur etwas für die Kaffeestuben- und Schirmbarlawinenairbagträger, denen der Stylefaktor wichtiger ist als die Funktion. Der Rucksack bietet Platz für 35 Liter Gepäck und kann durch vier Kompressionsriemen gut an den Inhalt angepasst werden. Der Stauraum reicht souverän für eine ausgedehnte Tagestour, inklusive Felle, Verpflegung, Trinken, Ersatzshirt, Kamera und andere Dinge. Der Hersteller empfiehlt den Rucksack auch für Mehrtagestouren, allerdings ist man dann schon eher spartanisch unterwegs bzw. hat vermutlich die Hütten mit Halbpension gebucht.

Der Rucksack ist in drei Hauptgepackfächer unterteilt. Brillenfach, Safety Pocket und das Hauptfach. Daneben gibt es eine Helmhalterung mit Schneeschutz (verstaubar), eine kleine Hüftgurttasche (Handy, Geldbeutel, Hungernotriegel etc.), diverse Befestigungsmöglichkeiten (mit Plastik oder Metallclipp), ein Skitragesystem (diagonal), eine Eispickelbefestigung (verstaubar) und ein Trinkblasenfach (im Hauptfach integriert)

Brillenfach

Das Brillenfach befindet sich ganz oben am Rucksack, hat einen großen Reißverschluss und ist mit Fleece ausgekleidet, was das Verkratzen von Brillengläsern verhindern soll. Das Fach ist meiner Ansicht nach sehr großzügig bemessen und genial, denn es passt neben der Goggle eine Sonnebrille, Letherman, Feuerzeug, Buff und anderer Tourenkleinkram hinein. Die Brillen sollten dann allerdings in einem extra Schutzsack sein, um das Verkratzen zu verhindern.

Safety Pocket

Das unfreiwillige Öffnen der Safety Tasche wird durch eine Druckknopfverbindung der beiden Reißverschlüsse verhindert. Beim Öffnen blickt man direkt auf die Notfallhinweise. Im Deckel der Tasche befindet sich eine weitere Tasche mit Reißverschluss, groß genug für eine Reepschnur, Batterien, Verschlusskappe der Patrone oder andere wichtige Utensilien. Die Größenregulierung der unteren Skiträgerschlaufe befindet sich ebenfalls in dem Fach der Safety Pocket. Die Größenregulierung lässt Spielraum für Liebhaber schmaler Pommes bis hin zu den Freaks mit den dicksten Planken. Es gibt ein Schaufelstielfach mit Kletthalterung. Letzteres ist etwas Übertrieben, da der Stiel auch so an Ort und Stelle bleibt und es ja ohnehin schnell gehen soll. Mein Schaufelstiel ist 47cm lang und der Griff 12 cm breit, hiermit wird es relativ eng beim Verschließen, geht aber trotzdem noch. Für die Sonde gibt es ebenfalls ein eigenes Fach. Das Schaufelblatt hat genug Platz vor dem Schaufelstiel und Sonde und sollte bis zu einer Breite von 25 cm und Höhe von 40 cm problemlos passen. Ansonsten finden in der Safety Pocket auch noch Kartenmaterial, ein First Aid Kit und andere kleine Dinge Platz.

Hauptfach

Zum Hauptfach bekommt man Zugang durch zwei große Reißverschlüsse an der Seite, oder durch den Zugang am Rücken. Der Zugang am Rücken kann praktisch sein, wenn Ski oder sonstiges am Rucksack montiert sind und der Zugang von der Seite somit erschwert ist. Soweit mal die Theorie des Herstellers, ich selber habe sie bisher selten gebraucht.

Oben im Hauptfach befindet sich das herausnehmbare Protection Airbag Sytem. Es erinnert ein wenig an eine kleine Brusttasche und nimmt prozentual zum Volumen des Hauptfachs kaum Platz ein. Ein Teil des Auftriebskörpers befindet sich in dieser „Brusttasche", der andere Teil erstreckt sich in den Schultergurten. Der neuartige Auftriebskörper erinnert im aufgeblasenen Zustand an die Sicherheitsbügel einer Achterbahn. Diese neue Form soll den Kopf, Nacken und den Brustbereich vor mechanischen Verletzungen schützen und für eine optimale Position in der Lawine sorgen, in dem sie den Kopf und Oberkörper an der Oberfläche hält. Entfernen lässt sich die Einheit leicht durch einen Clip und einen Reißverschluss, dieser ist gegen ungewolltes Lösen gesichert. An der Seite des Hauptfachs, durch eine Neoprenhülle geschützt, befindet sich die Kartusche, diese ist in einer Carbon- (300 g) und Stahl-Ausführung (500 g) erhältlich.

Auf der Rückenseite befindet sich eine Abtrennung für die Trinkblase (Schlauchausgang rechter Schultergurt), in der sich eine weitere Tasche befindet z.B. für Kartenmaterial oder sonstige Unterlagen. Am Rückenteil direkt ist der U-Alu Rahmen (6 mm) untergebracht, er sorgt für mehr Steifigkeit und hält den Rucksack in seiner angenehmen Trageform.

Ansonsten bietet das Hauptfach wie eingangs beschrieben jede Menge Platz für einen ausgedehnten Tagestrip, inkl.. Fotoausrüstung und Brotzeit, für eine seriöse Mehrtagestour ist dann aber ein wenig zu wenig Platz. Sollte das Hauptfach mal nicht ganz gefüllt sein, lässt es sich gut durch die Kompressionsriemen an der Seite verkleinern.

 

Tragesystem

Zum Tragesystem zähle ich alles was einen guten Sitz des Rucksack mit beeinflusst, dazu gehört das auf drei Grössen (M, L, XL) einstellbare Rückenteil aus sehr komfortablem Thermomaterial. Ich trage mit 1,85 m Körperlänge eine Einstellung zwischen L und XL. Hierzu wird der Hüftgurt dem jeweiligen Träger leicht mit Hilfe eines gesicherten Klettverschlusses in der Höhe angepasst. Ist die Größe erst mal angepasst trägt er sich sehr angenehm und bleibt auch bei den wildesten Manövern an seinem Platz. Der Hüftgurt selber wird mit zwei Metallschnallen verschlossen in die zuvor die Beinschlaufe eingefädelt wird. Die Beinschlaufe ist bei dieser Art von Auftriebskörper ein elementarer Bestandteil, denn ohne diesen kann es dir bei einem Lawinenabgang den Rucksack im schlimmsten Fall über den Kopf reißen. Da ich das einfädeln aber ziemlich mühsam finde, benutze ich einen Karabiner zum schnellen Einklinken und Verstauen.

Ich persönlich finde das Airbagssytem in den Schultergurten und die damit verbundene Starrheit ziemlich gewöhnungsbedürftig. Die Gurte sind zwar schon „anschmiegsamer" geworden, aber für mich könnte es noch besser werden. Bisher habe ich den Rucksack ja auch erst knappe 20 Tage getragen. An dem linken Schultergurt befindet sich der rote Griff zur mechanischen Auslösung. Dieser lässt sich bei nicht gebrauch einklappen und in einem Reisverschlussfach verstauen und damit sichern.

Mammut Snowpulse Auslösung from PowderGuide Team on Vimeo.

Praxistest

Da ich vorher keinen Airbagrucksack hatte, war ich sehr gespannt. An das erhöhte Gewicht habe ich mich bereits gewöhnt und auch vom Platzangebot kann ich alles verstauen, was ich sonst auch dabei hatte. Das Konzept ist super durchdacht und alles findet seinen Platz und ist schnell zugänglich. Einzig der Gurt für das Skitragesystem sollte nicht über den Reißverschluss der Safety Pocket gehen, denn damit wird ein schneller Zugriff unnötig verzögert. Die Helmträger unter euch stellen sich eventuell die Frage, wohin mit dem Helm, wenn die Skier daran befestigt sind. Hier hat es immer noch keine Lösung für eine Topmontage gegeben, Helm irgendwo aussen dranhängen, auf dem Kopf lassen, Halterung selber bauen oder eine Mütze statt Helm tragen wären hier die Alternativen.

 


Von der Qualität bin ich überzeugt, wenngleich bereits erste kleine Verschleißerscheinungen zu erkennen sind (Nähte, Rückenteil, Hüftgurt), die ich beobachten und gegebenenfalls mitteilen werde. Ebenfalls ist mir der Reißverschluss des Protection Airbag Systems bereits schon unfreiwillig aufgegangen.

Fazit

Wer noch keinen Airbag-Rucksack hat, dem kann ich diesen anhand meiner bisherigen Erfahrung empfehlen. Er bietet alles was das (mein) Freerider-/Tourengeherherz sich wünscht, ist sehr variabel, robust und angenehm zu tragen. Ein Manko ist allerdings, dass durch den neuartigen, kopfbeschützenden Auftriebskörper (Bügelförmig) im aufgeblasenen Zustand die Sicht eingeschränkt wird. Der Skifahrer kann sich dadurch weniger (im Vergleich zu anderen Airbagsystemen) ein Bild von den Geschehnissen hinter sich machen. Bei Snowboardern ist die Sicht sowohl nach vorne als auch nach hinten eingeschränkt.

Vor- & Nachteile

+ Variables Platzangebot
+ Viele variable Befestigungsmöglichkeiten
+ Qualität
+ Mechanische Auslösung (eine mögliche Fehlerquelle weniger im Vergleich zu dem Sprengkapselsystem)
+ Größenanpassung
+ Sitzt gut
+ Dezente Farben, keine große Werbung
- Relativ hoher Preis, je nach Variante (Carbon/Stahlkartusche) bis zu 800,-- EUR
- Sichteinschränkung bei aufgeblasenem Airbag

Details

Protection Airbag System: Trauma Protection, Head on Top & herausnehmbar
Sicherheitsbeinschlaufe
Rückenlängenanpassung 3-stufig
U-Rahmen Alu 6 mm, anpassbar
Thermogeformter Rücken für hohen Tragekomfort
Rückseitiger, kompletter RV-Zugang ins Hauptfach
Seitliche Kompressionsriemen
Fronttasche für Lawinensicherheitsausrüstung
Diagonale, verstaubare Skibefestigung
Snowboardhalterung abnehmbar
Helmhalterung mit Schneeschutz, verstaubar
Pickel-Stockhalterung verstaubar
Sehr große gefütterte Kopftasche
Hüftgurttasche
Diverse Innenfächer
SOS-Label mit Notfallhinweisen
Trinksystem kompatibel

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