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Materialtest | Mammut RescYou

Das "All-In-One" Werkzeug zur Spaltenbergung

26.04.2017

Ist man in vergletscherten Gegenden unterwegs, muss man sich zwangsläufig mit dem Thema Spaltenbergung auseinandersetzen. Das Mammut RescYou bietet dabei eine Komplettlösung an, die schnell einzurichten und leicht zu bedienen ist. Das RescYou richtet sich vor allem an Freerider und Tourengeher, die mit der Spaltenbergung noch wenig vertraut sind und ein kompaktes Gerät für den Fall der Fälle suchen.

Die beiden Seilklemmen stoßen aneinander. add_circle
Adrian Sauter
terrainParc National des Ecrins
Die beiden Seilklemmen stoßen aneinander.

Ist man in vergletscherten Gegenden unterwegs, muss man sich zwangsläufig mit dem Thema Spaltenbergung auseinandersetzen. Das Mammut RescYou bietet dabei eine Komplettlösung an, die schnell einzurichten und leicht zu bedienen ist. Das RescYou richtet sich vor allem an Freerider und Tourengeher, die mit der Spaltenbergung noch wenig vertraut sind und ein kompaktes Gerät für den Fall der Fälle suchen.

Tester und Tesbedingungen

Ich bin 23 und gehe seit 5 Jahren Skitouren, Hochtouren waren bis vor kurzem allerdings Neuland für mich. Die letzten Monate konnte ich allerdings das RescYou regelmäßig einsetzen. Getestet wurde in der Kletterhalle, am Fels, in der WG, und die letzten Wochen auch in Schnee und Eis. Anmerkung: Beim Test sind keine Gletscherspalten zu Schaden gekommen, der Ernstfall wurde so realistisch wie möglich simuliert.

Erster Eindruck

Das RescYou kommt in einer robusten kleinen Tasche, die mit einem Minikarabiner am Gurt zu befestigen ist. Dieser passte leider nicht an jeden Klettergurt, da der Schlaufendurchmesser aufgrund des Plastikschutzes am Gurt manchmalzu groß ist. Halb so schlimm, wichtiger ist es zusätzlich den großen Karabiner am Gurt zu sichern. Zum einen baumelt das Teil dann nicht so tief rum und die Gefahr des Verlustes ist gebannt.
In einer kleinen Seitentasche befindet siche eine wasserabweisende Gebrauchsanweisung, welche die Bedienung anschaulich illustriert. Das Gerät selbst ist relativ leicht und handlich. Es besteht aus zwei Seilklemmen, die durch einen 6 zu 1 Flaschenzug verbunden sind. Die Einzelteile machen einen recht hochwertigen und robusten Eindruck. Insgesamt wiegt das Teil 400 Gramm und ist somit unwesentlich schwerer als ein Set aus Karabinern oder einzelnen Seilklemmen.

Die Bedienung ist ziemlich simpel und intuitiv. Jeder, dem ich das RescYou zum ausprobieren in die Hand gedrückt habe, war innerhalb kurzer Zeit mit der Funktionsweise vertraut und konnte einen Gestürzten hochziehen. Fällt ein Mitglied der Seilschaft in die Spalte, ist das Gerät sehr schnell einsatzbereit, was ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Systemen ist.

Spaltensturz! Was nun?

Im besten Fall war der Kollege angeseilt und der Sturz konnte gehalten werden. Nachdem man einen soliden Anker gebaut hat, stellt sich die Frage, wie man den Gestürzten wieder ans Tageslicht holt. Mit dem Mammut RescYou ist das denkbar einfach. Zuallererst wird der Karabiner mit der ersten Seilklemme in die Bandschlinge des Ankers eingehängt. Dann wird die erste Seilkemme ins gespannte Seil eingehängt. Durch das Ausziehen des Flaschenzuges lässt sich die zweite Seilkemme am Seil vorschieben und blockieren. Durch Zug an der Schnur des RescYous lässt sich nun mit Leichtigkeit das Seil, an dem der Gestürzte hängt, einziehen, bis die Klemmen wieder am Anschlag sind.

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Danach darf nicht vergessen werden das Seil durch die zweite Klemme manuell durchzuziehen um es zu blockieren, sonst lässt man die gewonnenen Zentimeter beim Lösen der ersten Seilklemme wieder ab. Beim Lösen dieser Klemme wird die Spannung auf das Hauptseil transferiert und dadurch geht, unter anderem durch die Seildehnung, etwas gewonnenes Seil verloren. Man sollte sich vergewissern, dass das Seil immer vollständig weitergezogen wird, sonst erfährt sowohl der Gestürzte als auch der Anker bei jedem Lösen der Klemme einen kleinen Ruck. Der Vorgang des Ein-und Ausziehens des Flaschenzuges wird solange wiederholt bis der Gestürzte aus der Spalte gerettet ist. Auch über Bremsknoten hinweg kann hochgezogen oder selbst aufgestiegen werden und ein lästiges Entlasten des Seils entfällt. Auch falls man wieder etwas Seil geben möchte, ist im Notfall ein Wiederabseilen Schritt für Schritt möglich. Ganz praktisch, wenn man den Gestürzten zu weit in den Spaltenrand reingezogen hat und man sich etwas Freiraum schaffen möchte.

Der Flaschenzug selbst hat eine 6:1 Übersetzung und ist nicht verkleinerbar. Das heißt es müssen immer 6m Seil gezogen werden um 1m Seil einzuholen. Der Kraftaufwand ist allerdings auch um ein Sechstel kleiner und so kriegt man auch einen Ohnmächtigen mit Sack und Pack aus der Spalte gezogen. Die hohe Übersetzung kam gerade bei Testerinnnen gut an. Sicherlich reicht für manche Situationen auch ein 3:1 Zug, jedoch ist es der Kraftaufwand dann deutlich größer und eine Erweiterung erfodert schon etwas mehr Vorwissen.

Das 3,5 mm starke, orangene Zugseil hält einiges aus und erzeugt so gut wie keine Dehnung bei Belastung. Beim Einziehen ist es einmal vorgekommen, dass sich das orangene Zugseil so stark verdreht hat, das es nicht mehr sauber durch die Rollen lief. Aufwändiges entzwirbeln war die Folge. Verhindern kann man dies indem man das Gerät immer sorgfältig einpackt und die Schnur aufwickelt. Am besten geht das, indem man die beiden Seilklemmen so nah wie möglich aneinander heranzieht, und dann das gesamte Seil herumwickelt. Im Dauerbetrieb fiel außerdem auf, dass die Flaschenzugrollen relativ viel Reibung erzeugen. Gerade beim Auseinanderziehen erschwert dies den Vorgang unnötig, da mit einer Hand nachgeholfen werden muss. Auch der verschiebbare Haltegriff ist eigentlich nur mit beiden Händen blockierbar, denn die Schnur muss erst noch um zwei Rillen herumgewickelt werden. Etwas zeitraubend, aber dafür hält der Griff dann gut und liegt angenehm in der Hand. Einige verzichten gänzlich auf den Griff und ziehen direkt an der Schnur, was ebenfalls funktioniert. Ein Pluspunkt ist auch, dass selbst mit dicken Handschuhen das RescYou ohne Probleme bedient werden kann.

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Fazit

Bin ich im Ernstfall dazu in der Lage einen funktionierenden Flaschenzug aufzubauen? Ohne Übung ist dies in einer Stressituation nicht so einfach. Durch das Gerät werden genaue Kenntnisse zum Aufbau eines Flaschenzuges überflüssig. Meiner Meinung nach ein Vorteil für Leute, die sich nicht viel mit der Materie beschäftigen wollen oder können. Allerdings ist man damit auch abhängig von der Funktionstüchtigkeit des Geräts und steht bei Versagen eventuell dumm da. Auch kann man nicht situationsabhängig reagieren und hat nur diese eine Rettungsmethode durch das RescYou zur Verfügung. Diese funktioniert dafür wirklich gut. Das Mammut RescYou ist schnell und ohne großes Nachdenken einsatzbereit. Es ist robust und man kann sowohl bei der Selbst-als auch bei der Fremdrettung nicht viel falsch machen. Bremsknoten stellen kein Problem mehr dar und insgesamt gefällt die Bedienung sehr gut. Im Ernstfall ist man mit dem RescYou auf jeden Fall gut bedient.

Vor- & Nachteile

+Leicht und kompakt
+größtenteils gute Verarbeitung
+schnell einsatzbereit
+Intuitive Bedienung
-fast ausschließlich zu Spaltenbergung geeignet
-langwierig, andere Systeme sind manchmal effektiver
-weitere Kenntnisse werden überflüssig

Details

UVP €120.-
Gewicht 400g
Inklusive Safety Card mit Kurzanleitung zur Spaltenrettung
Zertifiziert nach EN 567 (Steigklemme)

Besuchen Sie die Website von Mammut mit weiteren Informationen, hier könnt ihr das RescYou bei unserem Partnershop Bergzeit.de kaufen.

Dieses Produkt wurde PowderGuide vom Hersteller kostenfrei als Test-Artikel zur Verfügung gestellt. Wie wir testen erfahrt ihr in unserem Test-Statement.

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