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Materialtest | K2 Catamaran

Der neue Powder Ski von K2

07.12.2017

Mit dem Catamaran stellt K2 einen weiteren asymmetrischen Backcountry Ski neben dem bereits vergangene Saison erschienenen Marksman vor. Der Ski mit 120mm Mittelbreite ersetzt damit den Shreditor 120 (Pettitor) in der Kategorie verspielter Powder Ski. Wie auch beim Marksman war Freeski-Legende Pep Fujas bei der Entwicklung federführend. Was die komplette Neuentwicklung zu bieten hat und wie er sich im Vergleich zu den Vorgängern und Konkurrenzmodellen schlägt, erfahrt ihr hier im Test.

10 Jahre Unterschied - links der Catamaran im Vergleich zu K2's erstem gerockerten Powderski Hellbent (jeweils rechts) add_circle
10 Jahre Unterschied - links der Catamaran im Vergleich zu K2's erstem gerockerten Powderski Hellbent (jeweils rechts)

Mit dem Catamaran stellt K2 einen weiteren asymmetrischen Backcountry Ski neben dem bereits vergangene Saison erschienenen Marksman vor. Der Ski mit 120mm Mittelbreite ersetzt damit den Shreditor 120 (Pettitor) in der Kategorie verspielter Powder Ski. Wie auch beim Marksman war Freeski-Legende Pep Fujas bei der Entwicklung federführend. Was die komplette Neuentwicklung zu bieten hat und wie er sich im Vergleich zu den Vorgängern und Konkurrenzmodellen schlägt, erfahrt ihr hier im Test.

Wer testet was wird genau getestet?

Ich bin 189cm groß und 80kg schwer, fahre gern überall und eher verspielt, springe viel und fahr auch gerne mal schnell. Zerfahrener Schnee im Skigebiet stört mich nicht, weiche Landungen sind mir wichtiger.

Zum Ski:

  • Länge: 191cm (gemessen Tip->Tail: 192cm)
  • Bindung: Marker Jester Demo, ca. -3,5cm hinter True Center (weiter vor ging mit der montieren Bindung leider nicht) sowie ein paar Runs auf dem gleichen Ski mit Marker Kingpin auf -1,5cm hinter True Center
  • Schuhe: Dalbello Lupo 130C (Testbericht folgt)

Erster Eindruck

Zehn Jahre ist es nun her, dass ich mir den ersten K2 Hellbent besorgt habe - einen Ski, der nicht nur für mich ein ziemlicher Augenöffner hinsichtlich der potenziellen Möglichkeiten auf Ski war. Plötzlich ließen sich die Bretter mit minimalstem Aufwand durch den Tiefschnee bewegen und der Fokus während des Skifahrens rückte von „wie fahr ich“ zu „wo fahr ich hin“ und „was mach ich da für einen Trick“. Nach diesem Pionier-Ski hat sich einiges getan. Bei K2 gab es noch eine weitere Hellbent Auflage, diese wurde nun (leider) mit dem genialen Powderski für tiefe Tage Powabunga (Shreditor 136) eingestellt. Bei den moderateren Mittelbreiten spalteten sich irgendwann der Obsethd in eine direktionalere Pinnacle/Annex Modellreihe, sowie in die freestyle-lastige Pettitor Serie mit 102er, 112er und 120er Mittelbreite auf.

Der letzte Saison vorgestellte Marksman (106mm Mittelbreite) und der neue Catamaran treten nun in die Fußstapfen der Shreditor Serie. Das Konzept unterscheidet sich ein wenig von den Vorgängern, spricht aber wahrscheinlich trotzdem eine ähnliche Zielgruppe an. Darüber hinaus richtet es sich aber auch an SkifahrerInnen, die die Shreditor Modelle bisher als zu verspielt und nicht ernst zu nehmen, da viel zu weich, angesehen haben.

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Ski-Test in Action add_circle
Tobias Huber
Lucas Mangold
terrainZillertal
Ski-Test in Action

Flext man den Catamaran mit der Hand, wirkt er nicht sonderlich weich. Hier biegt er sich aber hauptsächlich an den weicheren Enden von Tip und Tail durch. Der Ski (in der 191er Länge) fährt sich deutlich härter und wirkt stabiler als seine Vorgänger. Dies sorgte sowohl bei mir als auch bei einigen K2 Teamfahrern für überraschte Gesichter. Ich mag eigentlich weichere Ski, am besten mit symmetrischem Flex, der zu den Tips hin progressiv noch weicher wird. Diese Art von Ski mit fast mittig montierter Bindung fahre ich am liebsten. Der Catamaran entspricht dem auch in etwa, nur dass er keine Nudel ist und unter der Bindung durchaus härter als manche seiner Vorgänger. Das Skidesign orientiert sich am Flex des Skis, so deutet der weiße Bereich den eher harten Teil an, während die Farbabstufungen zu den Tips hin für den progressiv weicher werdenden Flex stehen könnten.

Der Ski fühlt sich leicht an und sieht sauber verarbeitet aus. Er wirkt K2-typisch massiv, hat jedoch im Tip-und Tailbereich eine Semi-Camp Konstruktion. Dieser etwas filigran wirkende Aufbau weist aber auch nach längerem Testeinsatz keine Mängel auf. Zusätzlich verwendet K2 zwei verschieden harte und schwere Hölzer für den Kern, was eine leichte Gewichtsersparnis bei weiterhin guter Torsionssteifigkeit und gutem Kantengriff bietet.

Für mich persönlich sind die Länge und die Mittelbreite des Skis ideal für den allround-Einsatz. Da ich in den vergangenen Jahren ausschließlich auf breiteren, noch längeren oder schmäleren, kürzeren Ski unterwegs war, habe ich mich sehr auf einen Ski mit dieser Mittelbreite und Länge gefreut und natürlich wollte ich schauen, wie sich der Nachfolger meines damals geliebten Hellbent so fährt!

Test

Glücklicherweise gab es letzten Spätwinter gegen Ende April/Anfang Mai doch noch etwas Neuschnee, so dass ich den Ski sicherlich über 10 Tage bei Powder und Frühjahrspowder einsetzten konnte. Dazu kommen noch Slush, normaler Schnee und ein bischen eisige Kunstschneepisten diesen Herbst. Den Catamaran für den Kunsteis-Saisonstart am Gletscher herzunehmen hat zwei Gründe: Zum einen hat er von all meinen Skiern noch die schärfsten Kanten, zum anderen fährt er sich für einen Ski dieser Breite wirklich sehr gut auf der harten Piste und es macht mir viel Spaß ihn zu carven. Durch die Vorspannung unter dem Bindungsbereich hat er guten Grip und lässt sich je nach dem wieviel Kraft man in einen gecarvten Turn setzt auch auf verschieden großen Radien bewegen. Der Übergang von Camber zu Rocker verläuft graduell, so dass man bei Bedarf und mit genug Kraftaufwand noch etwas mehr effektive Kantenlänge rausholen kann. Man kann sich während des Schwungs aussuchen ob man ihn über das Tail zu Ende fährt, oder das Tail freigibt. Der Übergang zwischen gecarvten, kraftvollen Schwüngen zu gedrifteten, surfigeren Schwüngen ist bei dem Ski sehr fließend und so man hat zu jeder Situation den richtigen Schwung parat.

Der Ski hat mehr Early Taper als seine Vorgänger, und während man bei diesen das Buttern, querstellen und übers Tail wegschmieren eher über den weichen Flex abgerufen hat, macht das der Catamaran, weniger über den Flex als mit Hilfe seiner Wendigkeit durch den Early taper vorne und hinten. Die Tips und Tails sind eher schmal und auch beim Catamaran kaum viel breiter als bei seinem kleinen Bruder Marksman, dadurch „sticht“ der Ski überall durch, bremst nicht und man bleibt beim Querstellen auch nirgends hängen. Durch die dünneren Schaufeln und der weit zur Skimitte hin versetzten breitesten Stelle des Skis fährt der Catamaran auch eher durch den Schnee und schwimmt erst bei zunehmender Geschwindigkeit immer mehr auf. Dies steht im Gegensatz zum Hellbent/Pettior typischeren oben schwimmen, das sicherlich in manchen Situationen seine Vorteile, aber auch eine Bremsende Funktion hatte.

Semi-Camp an Tip und Tail - die Konstruktion hält gut und scheint die Tips gut zu schützen add_circle
Semi-Camp an Tip und Tail - die Konstruktion hält gut und scheint die Tips gut zu schützen

Als weiteren Beitrag zur Gewichtsersparnis verbaut K2 Carbon Einlagen, was dem Ski auch ordentlich Pop verleiht. Den dürfte der Ski vermutlich auch etwas länger behalten, da carbonhaltige Ski meiner Erfahrung nach in dieser Hinsicht ziemlich gut sind. Hat man sich z.B. mit dem Pop des Skis in die Luft befördert, wirkt dieser dank seines nicht allzu schweren Gewichts und der zentralen Schwungmasse sehr angenehm an den Füßen. Beim Landen muss man sich keine Sorgen machen - die schon erwähnten, etwas dünneren Tips und Tails lassen trotzdem sichere Powder Landungen zu und man profitiert außerdem vom strafferen Flex in der Skimitte, wenn es ums Weiterfahren geht. Die Gefahr, einen Wheelie zu machen, ist nicht mehr so hoch.

Ich bin den Catamaran sowohl auf -3,5 mit der Testbindung als auch auf -1,5 mit K2 Teamfahrer Lucas Mangolds eigenem Ski mit Kingpin gefahren und fand beides gut. Viel weiter hinten würde ich die Bindung persönlich nicht montieren. Der Ski ist auch auf einen zentralen Stance hin entwickelt worden und das nicht nur für die Performance in der Luft und beim switch Fahren/Landen, sondern auch beim ganz normalen vorwärts Fahren.

Zu guter Letzt möchte ich noch auf die Asymmetrie, die Sidecut und Early Taper des Skis kennzeichnet, eingehen. Für mich sind die bereits genannten Punkte hinsichtlich der Weiterentwicklung des K2 Freestyle Powderskis entscheidender als die Asymmetrie. Wenn man so will, hat man auf den Innenkanten einen dem Shreditor sehr ähnlichen Sidecut mit längerer effektiver Kantenlänge und etwas größerem Radius, während die Außenkanten eher an die Pinnacle/Annex Serie erinnern und mit einer kürzeren effektiven Kantenlänge, etwas kleinerem Radius und mehr Early Taper ausgestattet sind. Das soll das Aufkanten des Innenskis, das bei Ski mit großer Mittelbreite physiologisch etwas schwieriger ist, ein wenig erleichtern bzw. ausgleichen. Der Innenski dreht leichter und braucht weniger Belastung, um den gleichen Radius zu fahren wie der Außenski. Es mag sein, dass dies dem Ski zu Gute kommt, denn er carvt auf der Piste wirklich sehr gut und ist im tieferen Schnee, wenn die Schaufeln und damit der Early Taper eigentlich erst zum Einsatz kommen, sehr wendig, drehfreudig und agil. Vertauscht man testweise den linken und rechten Ski, kann man immer noch ganz normal Ski fahren, aber der Radius wirkt beim carven ein wenig seltsam. Aber im weichen Schnee ist der Catamaran verkehrt herum immer noch wendig und gut zu fahren. Ich würde die Asymmetrie eher als „nice to have“ Feature ansehen als etwas, das den Ski deutlich von anderen Ski dieser Kategorie abhebt. Marketingmäßig vielleicht vergleichbar mit dem HorizonTech Schiffsbug vom Atomic Bentchetler.

Diese Spezialfeatures außer Acht gelassen, fährt sich der Catamaran sehr vergleichbar zu letzterem oder auch einem DOWN Throwdown 125. Mir fällt nichts ein, das man mit dem einen Ski machen könnte und mit den anderen nicht und umgekehrt.

Fazit

Der Catamaran gefällt mir ausgesprochen gut. Er ist sehr agil, lässt sich in hartem und weichem Schnee hervorragend bewegen, weist sehr gute allround-Eigenschaften auf und ich hatte eigentlich immer das Gefühl, gerade den richtigen Ski dabei zu haben. Natürlich ist er konstruktionsbedingt kein extrem laufruhiger, gedämpfter Ski für den gröbsten Schnee, aber selbst bei hohen Geschwindigkeiten im Zerfahrenen fühlt man sich darauf noch sicher. Das relativ leichte Gewicht für einen Powderski dieser Dimensionen ist angenehm in der Luft und eine gute Grundlage um eine Tourenbindung zu montieren. Dennoch verfügt der Ski über genug Masse um den Fahrspaß nicht negativ zu beeinflussen, wie das bei (zu) leichten Skiern der Fall sein kann. Die Haltbarkeit ist bisher sehr gut, bis auf einen kleinen Chip am Topsheet sieht der Ski noch fast neuwertig aus. Die Asymmetrie ist interessant und nett zu haben, aber wäre für mich kein zwingendes Kaufargument. Die überwiegend sehr gute Performance des Skis bei allen erdenklichen Bedingungen schon eher!

Vor- & Nachteile:

+ Drehfreudigkeit
+ Sehr gut zu carven für einen Ski dieser Breite
+ "Pop"
+ Haltbarkeit
+ Gewicht (für einen Ski dieser Art)
- die Möglichkeit bei einer lädierten Kante diese als Außenkante zu fahren ist beschränkt
- teuer trotz made in China

Details:

Länge(cm): 191 (Verfügbare Längen: 177, 184, 191)
Sidecut:136/120/131, Asymmetrisches Tip & Tail
Radius: 23m
Gewicht pro Paar: 5170g
Vorspannung: Camber + Powder Rocker
Konstruktion: Holzkern (Double Barrel Fir-Aspen Core)
UVP: 699,95 €

Hier geht es zur Website von K2 mit weitern Informationen, hier könnt ihr den K2 Catamaran bei unserem Partnershop bergzeit.de kaufen.

Dieses Produkt wurde PowderGuide vom Hersteller zum Testen zur Verfügung gestellt. Wie wir testen, steht in unserem Test-Statement.

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