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Materialtest | K2 Annex 118 – Seth Morrison Pro Model

Ein Freeride-Allround-Talent für Fortgeschrittene und Könner

24.02.2014

Ist der K2 Annex 118 Pro Model: ein "one ski fits all?". Für mich ist der Ski als ein gelungenes Allround-Talent: mit einer ausgewogenen Abstimmung von Torsionssteifigkeit und fehlerverzeihendem Charakter. Er bietet genug Auftrieb im hüfttiefen trockenen Powder und ausreichend Wendigkeit in engen Couloirs, gleichzeitig gleitet er unbeschwert durch (nahezu) alle Schneearten.

Testsetup

  • K2 Annex 118 (Pro-Model)
  • Länge: 188 cm
  • Sidecut: 147/118/135
  • Bindung: Marker FT 12 EPF (Montagepunkt: +2,5 cm)
  • Pre-Cut K2 Felle

Zum Tester

Größe: 181 cm / 85 kg, ambitionierter Geländefahrer, ca. 30 Skitage pro Saison und zusätzlich einige reine Skitourentage.Ich persönlich empfinde die K2 Ski allgemein als sehr vielseitig und gut abgestimmt für einen breiten Einsatzbereich. Sei dies nun das Gelände oder die verschiedenen Schneebeschaffenheiten. „No-Pros", wie ich, müssen überwiegend mit dem Schnee zurechtkommen, der an Wochenenden zu finden ist. Ehrlich gesagt besitze ich heute nur noch K2 Skier, weil ich deren weites Einsatzspektrum schätze. Ich gebe ach gerne zu, dass ich die Designs der Skier überwiegend Klasse finde, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Doch das Design alleine ist noch lange nicht ausschlaggebend für ein hervorragendes Freeride-Allround-Talent, da braucht es schon mehr ...

Die wichtigsten Produkteigenschaften

K2 Skis hat in der aktuellen Saison 2013/14 sein Ski-Portfolio überarbeitet. Die Backside-Serie wurde in eine Freeride- und Backcountry-Serie aufgesplitet. Der K2 Annex 118 (ehem. SideSeth) ist das aktuelle Pro Model von Seth Morrison in der Freeride-Serie. Genauer gesagt zählt der K2 Annex 118 zur "Freeride-Directional" Serie. Dies bedeutet, dass die Schaufel breiter ist als das Skiende (ähnlich dem PON2OON) und gibt dem Ski dadurch optimale Performance beim vorwärts Fahren. Er hat zu 50% einen Powder Rocker, ein leicht erhöhtes Kick Tail und zu 50% Vorspannung unter der Bindung. Mit dieser Abstimmung bietet der Ski genug Auftrieb im tiefen trockenen Powder und ausreichend Wendigkeit in engen Couloirs. Bei der Skikonstruktion handelt es sich um eine metallfreie Torsions-Box. Um das Fiberglas mit dem Holzkern zu verbinden, verwendet K2 das Triaxial Braiding. Hierbei wird der Holzkern mit vorgeflochtenen Fiberglassträngen umwickelt. Genau mit dieser Methode konstruiert K2 Skier mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Solche Ski besitzen eine sehr gut abgestimmte Torsionssteifigkeit und einen fehlerverzeihenden Charakter. Trotzdem muss dabei nicht auf die Dynamik und den Flex des Holzkerns verzichten werden. Der Holzkern ist eine Kombination aus Fichte, Espe und Ahorn.

Abfahrtseigenschaften

Der K2 Annex 118 ist nach meiner Ansicht ganz klar für abfahrtsorientierte Skifahrer entwickelt worden. Er verlangt eine saubere Skiführung und Erfahrung im Geländefahren. Meine erste Abfahrt war im verspurten aber noch weichem Schnee. Hier zeigte der Annex sofort, dass er eine gute Balance in der Abstimmung zwischen stabil und trotzdem verspielt vorweisen kann. Auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten war es eine Freude bei diesen Bedingungen zu cruisen. Ich fuhr mit dem Ski und nicht er mit mir! An Tagen mit tiefem Powder – mit fluffigem und trockenem Schnee – bekommt man deutlich die Vorteile eines Powder-Rocker zu spüren. Dieser Powder-Rocker „nudelt" bei weitem nicht so wie bei manch anderen TwinTips. Er ermöglicht eine zentrale Körperhaltung über dem Ski, was das Powder-Vergnügen enorm erhöht. Dies hat den angenehmen Nebeneffekt, dass die Kraftspeicher in der Beinmuskulatur weitaus langsamer aufgebraucht werden. Bei normalem und auch hohem Tempo war dies wirklich ein Genuss. Allerdings, vor allem bei „straight lines" über längere Fahrabschnitte mit sehr hohem Tempo im Powder wurde der Ski unruhig und ich musste die Geschwindigkeit zur Kontrolle des Skis wieder reduzieren. Das leicht erhöhte Kick Tail unterstützt die Drehfreudigkeit. Dies zeigt sich in engen sehr steilen Couloirs oder auf der Piste im Vergleich zu einem Flat-Tail, wie dies bis dato die Backside Serie hatte. Die Leichtigkeit wie beispielsweise beim Obsethed oder beim Pettitor werden meines Erachtens allerdings nicht erreicht. Der Ski ist in puncto Agilität und Spritzigkeit nicht ganz so spielerisch und leichtgängig wie andere vorab erwähnte K2 Modelle. Nach meinem Empfinden erfordert der Annex daher eine gefestigte Skitechnik in allen Schneearten, um sein Potenzial vollständig nutzen zu können.

Aufstiegseigenschaften

Für diese Skimaße wurde bestimmt versucht ein optimales Gewicht, ohne große Einschränkungen, zu erzielen. Seis drum, der Annex ist kein Leichtgewicht und für längere Touren nur bedingt geeignet, da es doch merklich an den Kraftspeichern zehrt. Die Marker F12 EPF hat mich bei meinen Unternehmungen nie enttäuscht. Aufstiege von mehreren hundert Höhenmeter sind durchaus machbar. Doch ist sie eben eine Rahmentourenbindung und demnach auch kein absolutes Leichtgewicht. Mit einer Techbindung ist sicher noch eine ordentliche Gewichtsreduktion – im Vergleich zu meinem Setup – zu erzielen. Zur Fellbefestigung empfinde ich als sehr komfortabel, dass die vorgebohrten Löcher mit einer Kappe versehen sind, die so viel Luft bietet, um den Fell-Endhaken easy anzubringen. Ein Herausschrauben der Verschlüsse (beim Tip und Tail), wie bei den Vorgänger-Modellen (z.B. SideStash, Coomback usw.) ist nicht mehr notwendig. Die Pre-Cut Felle von K2 sind eine perfekte Ergänzung zum Ski. Die Befestigung und der Abzug der Felle ist ruck-zuck erledigt. Besonders positiv ist mir der Kleber der Felle in Erinnerung geblieben. Er hält außerordentlich gut, trotzdem benötigt das Abziehen kaum Kraftaufwand, was beispielsweise bei Fellen anderer Hersteller nicht immer der Fall ist. Die Skier bieten zusätzlich noch Funktionen, die im Notfall die Selbsthilfe unterstützen; unter anderem kann ein Rettungsschlitten oder ein Schneeanker damit konstruiert werden.

 

Fazit

Der K2 Annex 118 ist wie „customized" ausschließlich für meine Ski-Bedürfnisse. Ich empfinde ihn als optimal abgestimmt, nicht zu hart und nicht zu weich, nicht zu störrisch und nicht zu fehlerverzeihend. Unangenehm empfand ich, dass er bei sehr hohen Geschwindigkeiten dazu neigt auszubrechen. Den Titel Vollgasplanke kann ich diesem Ski deshalb nicht verleihen. Trotz dieser Einschränkung habe ich jede Menge Spaß mit dem Annex, unabhängig von Gelände- und der Schneebeschaffenheit. Er glänzte im hüfttiefen trockenen Powder aber auch im zerfahrenen Gelände und ebenso in Sulzschnee. Ein vielseitiger Ski, der ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Und ganz nebenbei erwähnt, lässt er sich auch recht wendig auf der Piste cruisen. Der K2 Annex 118 ist für mich ein „backcountry ski for almost all conditions!".

Vor- & Nachteile

+ Fokus ist klar das Gelände, aber er macht auch auf der Piste eine gute Figur
+ sowohl bei langen als auch bei kurzen Radien fühlt er sich wohl
+ einfache und schnelle Befestigung/Abzug der Pre-Cut K2 Felle
- kein Ski für Einsteiger
- unruhig bei sehr hohen Geschwindigkeiten (v.a. im Powder)
- kräftezehrend bei längeren Aufstiegen (> 1200 Hm oder mehr als 4 h)

Details

  • Powder Rocker und leicht erhöhtes Kick Tail
  • multifunktionale Bohrungen (Tip und Tail) zum Befestigen der Pre-Cut K2 Felle
  • „Freeride-Directional" – breitere Schaufel und schmaleres Skiende
  • Progressiver Sidecut: 147/118/135
  • „Hybritech Sidewall" – Kombination einer Seitenwangen- und einer Cap-Konstruktion

 

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