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Materialtest EVOC Patrol (40+5L) | Vorstellung der EVOC Snow-Neuheiten

Erstmals ohne Rückenprotektor, aber mit gewohnt vielen Funktionen

20.05.2013

Für die Wintersaison 2013/2014 haben sich die Macher von EVOC für eine deutliche Erweiterung ihres Winterrucksacksortiments entschieden. Zum ersten Mal wird es nun auch in der Wintersportlinie von EVOC Rucksäcke ohne Rückenprotektoren geben – die Performance Backpacks. Wir stellen euch die wesentlichen Neuheiten der EVOC-Snow-Abteilung kurz vor und haben ihren ersten (richtigen) Tourenrucksack, den EVOC Patrol (40+5 Liter) für euch getestet.

Rucksäcke mit und ohne Rückenprotektoren – EVOC erweitert das Sortiment deutlich

Integrierte Rückenprotektoren sind bei Freeride-Rucksäcken mittlerweile kaum mehr wegzudenken. Bei den beiden EVOC-Modellen FR Guide (30 L) und FR Pro (20 L), die sich in den letzten Jahren durch hohe Funktionalität und sehr durchdachtes Handling bewehrt haben, kann man schon fast von Klassikern auf dem Freeride-Rucksack-Markt sprechen. Von diesen Modellen wird es in der nächsten Saison jeweils drei verschiedene Farben geben und der FR Guide wird an ein paar Stellen bezüglich Haltbarkeit des Materials überarbeitet. Die Frauen-Version, der FR Pro Women (20 L), wird in alter Güte in zwei neuen Farbgebungen präsentiert. Mit dem neuen EVOC FR Day (16 L) wird nun ein dritter Volumenbereich abgedeckt, der den Ansprüchen eines Eintages-Freeride-Trips gerecht wird. Bis auf das kleinere Hauptfach ist der FR Day mit allen Features ausgestattet, die auch die größeren Versionen mitbringen (vertikale Snowboard-, diagonale oder vertikale Skihalterung, gefüttertes Brillenfach, Lawinenausrüstungsfach, Befestigungsschlaufen für ein bzw. zwei Eispickel, isolierte Schlauchführung im Schultergurt, Fach für Trinksystem bis drei Liter, Kartentasche). Wie gewohnt beinhalten alle diese Rucksäcke den EVOC Liteshield Back Protector, der nach Belieben auch entfernt werden kann. Vom FR Pro wird es auch wieder eine Zip-On-Version (600 g) für die ABS-Basiseinheit (Vario Line) geben – diesmal sogar in drei verschiedenen Farben.

Die größte Rucksack-Neuerung zum Winter 2013/2014 stellt die Einführung der Performance Backpacks dar, deren Fokus auf Tragekomfort und Gewicht gelegt wird und die deswegen auch ohne Rückenprotektor konzipiert wurden. Jeden der drei vorhandenen Rucksäcke (Patrol 40+5 L, 1800 g; Line 28 L, 1140 g; Slope 18 L, 880 g) wird es jeweils in zwei verschiedenen Farben geben. Das neue Tragesystem der Performance Backpacks besticht durch große Ventilationskanäle und einem ergonomisch geformten Hüftgurt, der bei Patrol und Line mit einer Materialschlaufe zum Anbringen von Kletterutensilien ausgestattet ist. Beim Patrol ist dieser sogar komplett abnehmbar. Zukünftig werden alle EVOC Rucksäcke im Schultergurt eine isolierte Schlauchführung für das Trinksystem enthalten. Vom EVOC Patrol wird genau wie beim FR Pro ein ABS-kompatibler (ABS Vario Line) Aufsatz (880 g) in zwei Farben hergestellt.

Auch in Sachen Reisegepäck und Ausrüstungsaufbewahrung wird bei EVOC eine breitere Produktpalette präsentiert. Erwähnenswert sind hier vor allem die innovativen Neopren Board bzw. Ski Covers und die leichten Board und Ski Bags zum schnellen Transport von jeweils einem Sportgerät. Weiterhin im Programm sind die sehr robusten Snow Gear Roller, das Helmet Bag und die Boot Bag. In Sachen Protektoren gibt es weiterhin die Protector Vest, die Protector Vest Air+ (Damen- und Herrenmodell), die Crashpants und außerdem ein paar nützliche Accessoires à la Safe Pouch Set, Raincover Sleeve, der für alle Rucksäcke kompatible Helmet Holder und ein optional isoliertes Trinksystem.

Erster Eindruck vom EVOC Patrol – Design, Funktion und Trockentest

Das Design vom Patrol kommt, wie man das bei EVOC gewohnt ist, sehr ansprechend daher. Wir hatten die dezentere von den beiden Farbkombination (schwarz/grau/hellblau) – wer es lieber EVOC-bunt treibt, wird vermutlich die rot-gelbe Tönung bevorzugen. Was gleich auffällt: Es ging nicht alleine darum einen leichten Tourenrucksack zu produzieren, sondern es wurde auch wieder viel Wert auf Funktionalität und Robustheit gelegt. Und dafür liegt das Gewicht mit 1.8 Kilogramm erstaunlich niedrig. Das Außenmaterial macht wie bei den bisherigen Rucksäcken einen soliden Eindruck und die Gurtbänder und Verschnürmöglichkeiten scheinen den üblichen Anforderungen an einen Tourenrucksack leicht gerecht zu werden. Alle Reißverschlüsse haben jetzt große T-Halter, die dafür sorgen sollen, dass man auch mit Handschuhen richtig zupacken kann.

Weiterhin fallen die vielen Bänder und Verschlüsse am Rucksack auf. Hinten auf dem Rucksack befinden sich die beiden waagerechten Bänder (z.B. zur Snowboard- oder Ski-Befestigung), die mit den robusten Aluschnallen geschlossen werden, und zwei neuartige Pickelhalterungen, die mittels Klickschnallen funktionieren. An der rechten (aus Trägersicht) Seite sind die beiden Standardverschnürsysteme (zum Ski befestigen, Verschnüren, usw.) angebracht; die obere davon kann man mittels Klickschnalle komplett öffnen, die untere nur weiter und enger verschnüren. Auf dieser Seite befindet sich auch ein Highlight des Patrol: Eine Seitenöffnung, die schnell und unkompliziert fast bis ganz unten mittels Doppelreiß- und Klettverschluss geöffnet werden kann. Auf der linken Seite befindet sich eine aufgenähte Tasche, die separat verschnürt werden kann (z.B. für eine Trinkflasche).

Im Hauptfach sind keine Kleinfächer zu finden, außer der dünnen Trennwand hinter der man das Trinksystem an der vorgesehenen Halterung fixieren kann. Ein Ausgang für den Schlauch befindet sich nur am rechten Trageriemen. Die beiden Fächer im Deckel (vorderer und hinterer Reißverschlusseingang) sind mit Fleece ausgestattet, damit man sich nicht über Kratzer auf Sonnen- bzw. Skibrille ärgern muss. Im kleineren von beiden (auf der Rückenseite) sind noch zwei kleine Netzfächer und eine Schlüsselhalterung angebracht. Auf der untere Seite (innen) des Deckels befindet sich ein großes, wasserdichtes Fach. Der Deckel lässt sich in der Höhe anpassen, so dass die zusätzlichen fünf Liter Packvolumen erreicht werden können.

Lawinenfach: Sicherheitsausrüstung am richtigen Platz und schnell zugänglich

Das Lawinenfach ist nach oben hin größer als bisher und bietet einen sehr leichten und schnellen Zugriff auf seine wichtigen Inhalte – vermutlich auch dann, wenn im Ernstfall alles sehr schnell gehen muss. Dafür sorgen zum einen die beiden T-Halter an den Reißverschlussschlitten, die bis ganz unten gezogen werden können, und der geräumige Platz im Inneren. Einziges Zeit-Manko: Wenn man die Aluminiumschnallen der beiden waagerechten Halterungen auf der Rucksackrückseite (zur Board- oder Skibefestigung) geschlossen hat, stören diese beim Öffnen und müssen erst entfernt werden oder der Reißverschluss umständlich unten drunter geöffnet werden. Klappt man den Deckel beim Öffnen komplett nach unten, erscheint der EVOC’sche Notfallplan und eine kleine Netztasche (z.B. für die Brotzeit). Bei mir hat in diesem Fach Schaufel, Sonde, (kleine) Erste-Hilfe-Tasche, Brotzeit und Sonnencreme locker Platz.

Praxistest – Tragekomfort sehr gut, Funktionalität wie immer herausragend

Während einer kompletten Saison konnte ich den Rucksack für alle Facetten des Skisports nutzen: Variantenskifahren, Freeriden mit kurzen Aufstiegen, Ein- oder Mehr-Tages-Skitouren – nur Pistenskifahren hab ich weggelassen. Entweder voll bepackt oder nur halb bepackt, mit oder ohne Photoausstattung (Spiegelreflexkamera mit zwei Objektiven). Bei strahlendem Sonnenschein, nassestem Neuschnee oder trockenstem Kanadischem Pulverschnee.

Komfort des neuen Tragesystems

Gerade bei Mehrtagestouren mit hochalpiner Ausrüstung kommen Tourenrucksäcke normalerweise an ihre Komfort-Grenzen. Das neu konzipierte Tragesystem scheint perfekt zu funktionieren. Auch bei voller Beladung und langen Tagen leidet der Tragekomfort nicht. Das prominente Kissen für den unteren Rücken ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber mit der Zeit lernt man es lieben. Auch beim Hüftgurt wurde nicht an Gewicht gespart und der Fokus auf Funktionalität gelegt. Ein wichtiges und sinnvolles Feature gerade bei alpinistischen Ausflügen stellt die Materialschlaufe am Hüftgurt dar. Beim Skitouren eher nicht zweckmäßig ist die Möglichkeit den Hüftgurt komplett herauszunehmen – ohne Hüftgurt wird der Rucksack wohl eher im Alltagsgebrauch genutzt als beim Skitourengehen. Die Luftkanäle an der Rückenpartie sorgen für eine gute Belüftung und gerade bei Frühjahrstouren kommt einem das zu Gute. Die aufgenähte Tasche auf der linken Seite eignet sich perfekt für eine Trinkflasche (während dem Aufstieg), allerdings kann man das auch gut für Steigeisen nutzen, damit diese endlich mal schnell griffbereit sind. Beim Abfahren nutzte ich die Tasche immer für das benutzte Fell. Der Tragekomfort leidet auch nicht, wenn man mal die Ski am Rucksack befestigen muss. Die Befestigung ist beim Patrol als A-Frame oder hinten auf dem Rucksack möglich. Bei Letzterem merkt man dann die recht weite Ausladung nach hinten deutlich und für längere Aufstiege sollte man besser die Alternative wählen.

Besonderes Highlight – schneller und unkomplizierter Seitenzugriff

EVOC Rucksäcke bestechen seit der ersten Generation durch ein hohes Maß an Funktionalität und der Patrol stellt da keine Ausnahme dar. Im Großen und Ganzen handelt es sich bei den Halterungen und Verschnürmöglichkeiten dabei um die gleichen wie bei anderen Rucksackmodelle und da auf PG.com schon ein paar Rucksäcke im Test waren (EVOC Freeride Pro, EVOC Freeride Guide, EVOC ABS-Element Freeride Pro, EVOC CP Kamerarucksack), möchte ich mich hier auf die neuen Bestandteile konzentrieren. Die Funktionsweise der anderen Features wurde ausgiebig beschrieben (und getestet) und auch beim Patrol sind diese nicht zu beanstanden. Die neuartige Pickelhalterung funktioniert bestens. Der Pickelstil wird durch eine dünne Gummikordel oben am Rucksack gehalten und die Pickelhaue wird in wie üblicherweise in einer Öffnung verstaut. Durch einen Klickverschluss kann dies dann gesichtert werden. Der Pickel ist damit wesentlich schneller verstaut als mit der herkömmlichen Halterung.

Der Seitenzugriff in das Hauptfach ist mein absolutes Highlight am Patrol. Wesentlich schneller als mit dem bekannten Kordelschnürsystem hat man Zugriff auf das Hauptfach und kann dies auch viel besser organisieren als wenn nur die obere Öffnung zur Verfügung steht. Eine zusätzliche Öffnung zum Hauptfach ist eigentlich essentiell bei jedem größeren Rucksack und da könnten sich einige Rucksackhersteller eine Funktionsscheibe vom Patrol abschneiden. Der Doppelreißverschluss ist mit einer Art Griff verbunden und muss nicht einzeln geöffnet werden. Im Gegenteil: Sogar mit Handschuhen ist der Seitenzugang ist Sekundenschnelle geöffnet. Der Klettverschluss am oberen Ende zum Sichern funktioniert ebenfalls gut, könnte aber ein bisschen größer ausfallen, damit beim sauberen Schließen weniger Gefriemel bzw. Zeit vonnöten ist. Durch den Seitenzugang eignet sich der Patrol sehr gut als Fotorucksack mit einfacher Kameraausstattung. EVOC arbeitet im Moment an einem weiteren Kamerablock (drei verschiedene sind schon im Sortiment), der dann perfekt in den Rucksack eingesetzt werden kann. Jede andere Kameratasche tut es natürlich auch; ich hab eine einfache Fototasche verwendet und Body plus zwei Objektive passen da perfekt rein. Durch den schnellen und einfachen Seitenzugang kann man mit ein bisschen Übung beim Fotografieren auch nur aus einem Schulterriemen heraus schlüpfen, den Rucksack vor die Brust ziehen und durch die Öffnung die Kamera erreichen (Tipp: Kamera gleich richtig herum reinlegen). Dadurch spart man eine Menge Zeit und kann immer schnell auf spontane Fotomotive reagieren.

Kleine Abzüge in der B-Note

Die Öffnung zu den Deckelfächern ist ein wenig klein geraten – vor allem wenn der Rucksack voll bepackt ist, ist das beladen mit einer Skibrille etwas mühsam. Dafür ist der Platz des größeren ausreichend für eine Skibrille mit Ersatzglas. Das kleinere Fach ist bei voller Beladung allerdings nicht für mehr als Geldbeutel, Schlüssel und Sonnenbrille zu haben – wurde vermutlich aber auch nicht für was anderes konzipiert. Ein kleines, aber etwas nerviges Detail – welches übrigens auch bei anderen Skitourenrucksäcken aufgefallen ist – im waagerechten Gelände bleibt der Patrol nicht stehen, sondern kippt aufgrund des ungeraden Bodens um. Insofern nicht ganz so schlimm, weil oft über den Seitenzugang das Hauptfach verwendet wird. Bei voller Bepackung lädt der Rucksack recht weit aus und in steilen Aufstiegen bzw. beim Klettern stört er etwas, wenn man den Kopf (vor allem mit Helm) in den Nacken legt. Ebenso ist Ausladung nach hinten recht groß und damit der Schwerpunkt im Vergleich zu andern Rucksäcken etwas weit hinten, aber beides ist bei einem Rucksack dieses Packmaßes kaum besser realisierbar. Ein Tipp an die Hersteller: Die Klickschnallen sollten von unterschiedlicher Größe sein. Dann werden Verwechslungen vermieden (z.B. Seitenverschnürung und Deckelfach).

Alle Bilder in der Galarie

 

Vor- und Nachteile

+ guter Tragekomfort
+ hohe Funktionalität
+ sinnvoller Eingriff durch Seitenöffnung
+ großes Fach für Lawinenausrüstung und Erste-Hilfe-Set
- bleibt auf Unterseite im waagerechten Gelände nicht stehen
- bei voller Beladung sehr hoch aufbauend
- recht enge Öffnung zu den Deckelfächern

Produktinformationen

Testprodukt: EVOC Patrol Rucksack Packvolumen: 40+5 L Gewicht: 1800 g Maße: 30x68(75)x20 cm Material: Nylon 210/D Ripstop PU coated, N420/D PU coated, N840/D PU coated, Air mesh, Spandex, Atilon PE Foam UVP: 200,00 Euro
- Nach oben verlängerbares Hauptfach (+5 L Volumen) mit seitlichem Schnellzugriff
- Höhenverstellbares Top-Aufsatzfach mit wasserdichtem Reißverschluss und integriertem, wasserfestem Kleinteilfach mit transparentem Deckel
- Snowboard-/Schneeschuh-Halterung mit Aluminiumschnallen (verstaubar)
- Ski-Befestigungssystem (vertikal)
- Lawinenfach mit Schnellzugriff und Notfallplan
- Breiter, ergonomisch geformter Hüftgurt (abnehmbar) mit integrierten Last-Stabilisierungsgurten
- Neuartiges Eispickel-/Skistock-Befestigungssystem
- Verstärkte Befestigungsschlaufen für Kletterausrüstung (Karabiner, Expressen, usw.) am Hüftgurt
- Großes, verstellbares Seitenfach
- Vier seitliche Kompressionsriemen + ein variabler Top-Kompressionsriemen mit Aluminiumschnalle
- Gurtbandschnallen zum äußeren Befestigen von zusätzlicher Ausrüstung
- Fleece-gefüttertes Schneebrillenfach
- Fach für Trinksysteme bis drei L Volumen mit Seitenausgang

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