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Materialtest | Dynafit TLT7 Performance

Weiterentwicklung des Dynafit Leichtgewichts

18.02.2017

Zu dieser Saison hat man seitens Dynafit die extrem erfolgreiche TLT Serie kräftig überarbeitet und setzt mit dem TLT7 im Vergleich zum TLT6 noch einmal einige Innovationen drauf. Dadurch wird nicht nur das sowieso schon sehr geringe Gewicht weiter reduziert, sondern auch die tolle Aufstiegsperformance weiter verbessert. Wie sich der Schuh im eher freeridelastigen Gebrauch schlägt, haben wir für euch getestet.

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Lea Hartl
TLT 7 Performance
terrainLechtaler Alpen

Zu dieser Saison hat man seitens Dynafit die extrem erfolgreiche TLT Serie kräftig überarbeitet und setzt mit dem TLT7 im Vergleich zum TLT6 noch einmal einige Innovationen drauf. Dadurch wird nicht nur das sowieso schon sehr geringe Gewicht weiter reduziert, sondern auch die tolle Aufstiegsperformance weiter verbessert. Wie sich der Schuh im eher freeridelastigen Gebrauch schlägt, haben wir für euch getestet.

Erster Eindruck

War der TLT6 eher eine Überarbeitung beziehungsweise Optimierung des Vorgängers TLT5, ist der TLT7 ein praktisch komplett neuer Schuh. Daher wirkt er für mich, obwohl ich schon den TLT5 und TLT6 genutzt (und hier bzw. hier getestet habe), doch noch anders und ungewohnt. Das liegt vor allem an der von Dynafit „Speed-Nose" genannten Schuhspitze, welche komplett ohne Schnabel ausgeführt ist. Dies ermöglicht, selbst im Vergleich zu den Vorgängermodellen, noch einen weiter hinten liegenden und damit optimierten Drehpunkt. Wie bei TLT 5 und TLT 6 kann auch der TLT 7 nicht mit Rahmenbindungen genutzt werden. Beim TLT 7 können zudem leider keine Automatiksteigeisen verwendet werden, was im Skitourenbereich ja durchaus üblich wäre. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist die jetzt fest verbaute Zunge. Damit diese im Aufstieg nicht stört, ist sie wesentlich weicher ausgeführt als die herausnehmbaren Zungen bei den Vorgängern. Dies führt, zusammen mit der deutlich sparsameren Verwendung von Carbon am Schaft, zu einer geringeren Steifigkeit des Schuhs im Vergleich zum TLT6 Performance. Die Passform würde ich als etwas anatomischer und vermutlich massentauglicher bezeichnen.

Am Schuh fällt gleich auf, dass es nur noch eine Doppel-Schnalle oben am Schaft gibt. Diese verschließt den Schuh über ein Kabelzugsystem auch unten und steuert wie bei den Vorgängermodellen auch das Umschalten in den Geh- oder Skimodus. Zusätzlich gibt es einen Strap, der allerdings mit einer Klemme anstatt eines Klettverschlusses ausgeführt ist. Dadurch ist der Schuh sehr schnell (2 Handgriffe) vom Aufstiegsmodus in den Abfahrtsmodus (oder umgekehrt) umgebaut.

Der Innenschuh ist eher dünn und einfach ausgeführt, so hat er etwa keine Schnürung, sondern lediglich einen Klettverschluss. Er ist thermoformbar, allerdings tut sich wegen der geringen Dicke des Schuhs da eher wenig. Natürlich werden auch beim TLT7 Performance die neuen Dynafit Master-Step In Inserts verbaut, die einen noch leichteren Einstieg in die Bindung ermöglichen.Wie die beiden Vorgänger-Modelle gibt es auch den TLT7 in einer günstigeren Version in der kaum Carbon verbaut wird. Der TLT7 Expedition ist vom Gewicht her ähnlich, allerdings deutlich weicher als der TLT7 Performance.

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Lea Hartl
Lorenzo Rieg
terrainLechtaler Alpen
Tester und Testbedingungen

Ich bin 183cm groß und wiege etwa 75kg. Ich habe recht normale Füße ohne größere Problemstellen und trage den Schuh in Größe 27.5, was in der Länge noch gerade so geht (minimal länger wäre etwas besser). In der Breite dürfte es für mich gerade im Vorderfußbereich nicht mehr sein. Ich habe den TLT7 in Verbindung mit einer Dynafit Radical 2.0 und einem DOWNSKIS LowDown 102 ausschließlich auf Skitouren getestet. Ich hatte ihn an fast allen Skitouren in der laufenden Saison in Gebrauch, womit auch verschiedenste Schneebedingungen abgedeckt wurden. Vom tiefen Powder Anfang Januar über Bruchharsch, Pisten und gesetzten Schnee. Einzig Firn war bisher noch nicht dabei.

Testbericht

Geht das Umschalten von Geh- auf Skimodus (und vice versa) wirklich schnell, kann man das vom Schuhanziehen nicht behaupten. Zunächst muss hier das Kabel unten am Schuh ausgehängt werden, damit ich überhaupt hineinkomme. Dann wieder einhängen, den Klett am Innenschuh und die Schnalle schließen. Dabei sollte man nicht vergessen, die kleine Lasche einzufädeln, die den Strap in Position hält. Dann den Strap zumachen. Auch zum Aufsteigen lässt man den einen Teil der Doppelschnalle geschlossen (man macht sie eigentlich nur zum Anziehen auf). In die Bindung steigt es sich dank den Dynafit eigenen Inserts sehr gut ein. Schon kann es losgehen!

Beim Gehen bemerkt man natürlich das extrem geringe Gewicht des Schuhs, besonders bei längeren Touren. Aber auch der optimierte Drehpunkt und das angenehme Gehgefühl fallen positiv auf. Wie bei den Vorgängermodellen ist ein besonders großer Unterschied zu den meisten anderen Skitourenschuhen beim Gehen ohne Ski zu bemerken. Hier ist es wirklich so, dass manch ein solider, steigeisenfester Bergstiefel nicht nur unbeweglicher, sondern eben auch schwerer ist.

Das Umbauen von Aufstieg auf Abfahrt (und umgekehrt) verläuft sehr schnell. Gamasche der Hose nach oben, dann zwei Handgriffe (Schnalle und Strap), Gamasche wieder nach unten und fertig.

Beweisen muss sich der Schuh dann beim Abfahren. Hier ist zunächst anzumerken, dass sich der Flex für einen Tourenskischuh sehr gleichmäßig und progressiv verhält, vor allem wenn Strap und Schnalle richtig geschlossen sind. Allerdings ist der Flex nicht gerade hart. Insgesamt verfügt der Schuh leicht über genug Abfahrtsperformance, um auch breite Ski in Powder zuverlässig zu steuern. Man merkt allerdings schon, dass man sehr leichte Schuhe am Fuß hat. Auch in gleichmäßigem, hartem Schnee funktioniert das Ganze gut.

Sobald der Schnee aber schwieriger wird, zeigt sich ein anderes Bild. Bei Bruchharsch, ausgefahrenen Bedingungen oder harter und unregelmäßiger Schneeoberfläche (z.B. Aufgrund von Wind) wird das Abfahren mit dem recht weichen Schuh schnell ganz schön anstrengend.

Generell fährt sich der TLT7 bei gutem Schnee etwas harmonischer als die Vorgänger TLT5 und TLT6, ist insgesamt aber weniger tempostabil und gerade bei schwierigen Schneebedingungen, zumindest in Kombination mit recht breiten Freeride oder Freetouring-Ski, nicht ganz optimal. Mit schmalen und leichten Tourenski ist der Schuh sicher generell ausreichend, ganz optimale Abfahrtsperformance darf man in der Schuhklasse um 1kg Gewicht natürlich auch nicht erwarten.

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Fazit

Im Vergleich zum Vorgänger nochmals reduziertes Gewicht und verbesserte Aufstiegsperformance, dazu vereinfachte Bedienung, was vor allem schnelleres Umbauen von Aufstieg auf Abfahrt erlaubt. Mir persönlich ist das nicht so wichtig, dafür vermisse ich etwas von der erstaunlichen Abfahrtsperformance des TLT5 und TLT6. Zusammen mit der fehlenden Möglichkeit, Automatiksteigeisen zu montieren, orientiert sich der Schuh damit etwas weg von ernsthaften alpinen Unternehmungen und mehr in den trendigen „Speed-Touring" Bereich.

Vor- & Nachteile

+Ultraleicht
+Hohe Beweglichkeit im Aufstieg mit und ohne Ski
+Sehr ergonomisches Gehen mit und ohne Ski
+Sehr schnelles umschalten zwischen Aufstiegs- und Abfahrtsmodus
-dünner Innenschuh kann zu kalten Füßen führen
-Abfahrtsperformance etwas unter den Vorgängermodellen
-Nicht mit Automatiksteigeisen nutzbar

Details

UVP €700.-
Gewicht: 1010g
Schale: Grilamid und Titanex
Ultra-lock 3.0 Schnalle
Einstellbare Vorlage (15° oder 18°)
Formula Pomoca Climb Sohle
60° Schaftrotation
Custom Light Innenschuhe
Master-Step in Insert

Hier geht es zur Website von Dynafit mit weiteren Informationen, hier könnt ihr den Schuh bei unserem Partnershop Bergzeit.de erwerben.

Der Schuh wurde PowderGuide für den Zeitraum des Testes vom Hersteller Leihweise zur Verfügung gestellt. Wie wir testen erfahrt ihr in unserem Test-Statement.

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