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Materialtest | Dynafit TLT 6 Performance

Gewichtswunder für Skitourengeher und Skibergsteiger

01.01.2014

Der Dynafit TLT6 Performance ist einer der leichtesten Skitourenschuhe, die nicht für Skitourenrennläufer entwickelt wurden. Doch nicht nur das Gewicht, auch der Gehmodus mit größtmöglicher Schaftrotation und die kurze Sohlenlänge versprechen tolle Aufstiegseigenschaften. Der sehr steiffe Carbonschaft ist zudem auch abfahrtstechnisch vielversprechend.

Im Aufstieg punktet der TLT6 Performance mit niedrigem Gewicht und großer Schaftrotation add_circle
Lea Hartl
Lorenzo Rieg, Rosa
terrainArlberg
Im Aufstieg punktet der TLT6 Performance mit niedrigem Gewicht und großer Schaftrotation

Der Dynafit TLT6 Performance ist einer der leichtesten Skitourenschuhe, die nicht für Skitourenrennläufer entwickelt wurden. Doch nicht nur das Gewicht, auch der Gehmodus mit größtmöglicher Schaftrotation und die kurze Sohlenlänge versprechen tolle Aufstiegseigenschaften. Der sehr steiffe Carbonschaft ist zudem auch abfahrtstechnisch vielversprechend.

Zum Schuh

Verfügbare Größen: 22.5 – 30.5
Getestete Größe: 28.0
Gewicht: 1210g (!) (in Größe 27.5 laut Hersteller, bei Verwendung des CL Innenschuhs nur 1050g)
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Zum Tester

184 cm, 75 kg, relativ fit, aber nicht gerade ein Muskelprotz, kommt überall runter. Meine Füße haben eigentlich keine Problemstellen und sind eher schmal (nicht extrem schmal). Generell habe ich keine allzugroßen Probleme Skischuhe zu finden in denen ich skifahren kann, allerdings habe ich oft keinen perfekten Halt bzw die Kraftübertragung ist eben aufgrund zu weiter Schuhe nicht optimal.

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Bei der Abfahrt ist der gute Halt und die direkte Kraftübertragung bemerkbar add_circle
Lea Hartl
Lorenzo Rieg
terrainTuxer Alpen
Bei der Abfahrt ist der gute Halt und die direkte Kraftübertragung bemerkbar

Testbedingungen

Ich habe den Schuh seit November auf Skitouren in den Alpen ausgiebig getestet. Insgesamt bin ich den Schuh wohl knapp 20 Tage gefahren. Genutzt wurde er hauptsächlich in Kombination mit einem Downskis Countdown 6 sowie einem Völkl Explosiv in 190 cm, also keine Ultraleicht-Tourenski, sondern auf Abfartsperformance ausgelegte Freerider.

Der Schuh

Schale
Die Schale baut natürlich auf der des Vorgänges TLT5 auf, allerdings gibt es doch einige, teilweise gravierende, Unterschiede. So wurden nicht nur die Schnallen verbessert und griffiger ausgeführt, die untere Schnalle ist jetzt auch zumindest leicht durch einen Plastikwulst vor Beschädigungen geschützt. Die entscheidenderen Unterschiede sind aber erstens das weglassen des ungeliebten Acti-Flex beim TLT6 im Vergleich zum TLT5, sowie eine Veränderung des Leistens dahingehend, dass der Schuh im Vorderfußbereich jetzt einige Millimeter breiter ist, was die Passform für den Durchschnittsnutzer mit Sicherheit verbessert. Gleichzeitig ist die Änderung so gering, das auch schmale Füße nicht vom TLT6 ausgeschlossen werden.

Wie der TLT5 ist auch der TLT6 ausschließlich zur Verwendung mit Tech-Bindungen gedacht, der Schnabel vorne am Schuh ist lediglich zur Verwendung mit Steigeisen, nicht für die Verwendung mit Rahmenbindungen geeignet. Dies ermöglicht eine sehr kurze Sohlenlänge, was vor allem beim Gehen ohne Ski von Vorteil ist. Natürlich werden auch beim TLT6 die Dynafit-eigenen Quick-Step Inserts verwendet, die das Einsteigen in Tech-Bindungen deutlich erleichtern.

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Lorenzo Rieg
Dynafit TLT6 Performance

Das besondere am TLT6 Performance im Unterschied zur Version TLT6 Mountain ist der Schaft, welcher komplett aus Carbon gefertigt ist. Dadurch wird der Schuh zwar nicht leichter, erreicht bei gleichem Gewicht aber eine wesentlich höhere Steifigkeit im Schaftbereich. Der Schuh kommt ausserdem mit zwei Zungen. Dabei ist die härtere, schwarze Zunge wirklich recht hart und so konzipiert, dass sie vor der Abfahrt eingesetzt wird und den Aufstieg am oder im Rucksack verbringt, während die deutlich weichere, grüne Zunge auch beim Aufstieg im Schuh verbleiben kann. Natürlich kann der Schuh auch komplett ohne Zunge gefahren werden.

Innenschuh

Der Innenschuh (hier getestet die CR Variante, die CL Variante entspricht eher dem Innenschuh des alten TLT 5) wurde im Vergleich zum TLT5 deutlich verbessert. Er macht nicht nur einen wesentlich stabileren Eindruck, er ist auch etwas dicker und damit komfortabler sowie vermutlich auch zumindest etwas wärmer. Der Innenschuh ist anpassbar, auch wenn sich da aufgrund des wenigen verfügbaren Materials nicht allzuviel tut, und verfügt über eine handelsübliche Schnürung. Weiterhin werden beim TLT6 zwei optionale Einlegesohlen für den Innenschuh mitgeliefert, die eine Anpassung an die persönlichen Bedürfnisse ermöglichen.

Anpassen

Das Anpassen des Innenschuhs hat wunderbar nach altbekannter Methode funktioniert. Als weiter Anpassungsmöglichkeiten gibt es die Microadjustierung der beiden Schnallen sowie das Versetzen der Schnalle am Schaft.

Qualität

Obgleich der Schuh einen sehr leichten und nicht unbedingt ultrastabilen Eindruck macht, hatte ich dank der Erfahrungen mit dem TLT5 keinerlei Bedenken bezüglich der Haltbarkeit. Der Schuh ist zudem mittlerweile sehr ausgereift, Qualitätsprobleme würde ich keine erwarten. Mein Hauptkritikpunkt am TLT5 war der doch sehr mäßige Innenschuh. Der Innenschuh des TLT6 ist definitiv verbessert worden.

Test

Aufstiegseigenschaften
Hier gibt es eigentlich keine Unterschiede zum Vorgängermodell, welches ja bereits absolut genial zum Aufsteigen war. Durch sein unvergleichlich niedriges Gewicht und die große Schaftrotation in Kombination mit der kurzen Sohlenlänge schlägt der TLT 6 auch die üblichen bei Freeridern beliebten Skitourenschuhe wie den Scarpa Maestrale RS oder den Dynafit Vulcan um Längen. Es geht sich mit dem Schuh wie mit keinem anderen (außer dem Vorgängermodell TLT5 und den kaum abfahrtstauglichen Rennmodellen) - einfach eine Klasse für sich!

Auch das Umstellen von Aufstieg auf Abfahrt erfolgt sehr schnell. Zungen reinschieben, zwei Schnallen und Powerstrap schließen, fertig. Sind die Schnallen zunächst etwas gewöhnungsbedürftig und hakelig, hat man es bald so raus, sodass man sie ähnlich schnell bedienen kann wie bei anderen Schuhen.

Abfahrtseigenschaften

Durch den Carbon-Schaft ist der Schuh wirklich steif. Vor allem in Kombination mit der härteren Zunge ist er mir eher zu hart als zu weich. Allerdings ist der Flex des Schuhs nicht mit einem Alpinschuh zu vergleichen. Der Schuh gibt zunächst nur sehr wenig nach, je mehr Druck man jedoch auf die Schaufel aufbaut und je weiter man den Schuh nach vorne flext, umso mehr gibt er nach. Vor allem für jemanden wie mich, der am liebsten 3-teilige Skischuhe mit sehr progressivem Flex fährt ist das recht ungewohnt.

Dazu kommt noch der sehr aufrechte Vorlagewinkel des Schaftes, welche vor allem in Kombination mit nicht allzubreiten Ski bei weichem Schnee dazu führt das man nur äußerst wenig Druck auf die Schaufel geben darf, denn sonst tauchen die Skispitzen schnell weg. Die zentrale Position über dem Ski ist gerade bei den beschriebenen Bedingungen schwer zu halten, recht schnell landet man im Backseat.

Insgesamt überwiegt der positive Eindruck jedoch deutlich. Die Schuhe erlauben auch hohe Geschwindigkeiten auf breiten Ski. Gerade auch bei schlechten Bedigungen ist der Ski sehr direkt zu steuern. Vor allem auf hartem aber ebenen Schnee (Firn, Piste) spielt der Schuh hier seine Stärken aus und steht kaum einem anderen Tourenschuh nach. Bei wirklich gutem Schnee, also bei Powder oder gesetztem aber noch weichem, älterem Schnee ist der Schuh praktisch nicht von anderen, deutlich abfahrtsorientierteren Modellen zu unterscheiden. Selbst bei breiten Ski ist hier an der Kontrolle über den Ski wirklich nichts auszusetzen.

Im stark zerfahrenem Schnee oder in der Buckelpiste ist mir einerseits die Kraftübertragung fast etwas zu direkt, auch die Beweglichkeit im Sprunggelenk ist durch den äußerst harten Schaft ein wenig eingeschränkt. Natürlich kommt man mit den TLT6 auch hier gut runter, das Tempo muss aber dann doch ein wenig gedrosselt werden.

Abschließende Anmerkungen

Ich benutze den Schuh stets mit der harten Zunge, mit der weicheren büßt er dann doch etwas von seiner Abfahrtsperformance ein. Man sollte das Einbauen der Zunge am Gipfel also in Kauf nehmen, auch da der Schuh mit eingebauter Zunge in den Aufstiegseigenschaften unnötig eingeschränkt wird.

Vor allem bei sehr tiefen Temperaturen bemerkt man auch das der Schuh etwas weniger warm ist als ein übliches Skitourenmodell. Wenn ich mich eine Weile nicht bewege und im Schnee stehe, werden die Füße doch langsam kalt, was bei mir sonst eigentlich nicht vorkommt. Allerdings hat sich der Schuh auch hier im Vergleich zum TLT5, bei dem kalte Füße häufig aufgetreten sind, stark verbessert.

Fazit

Sehr guter Schuh, natürlich vor allem für aufstiegsorientierte Touren, aber mittlerweile auch durchaus allroundtauglich. Genial bei gutem Schnee! Selbst breite Ski können gut gemeistert werden. Die Abfahrtseigenschaften müssen sich vor keinem anderen Schuh verstecken (auch wenn hier die „Freeride" Modelle doch noch Vorteile haben) und machen den Schuh zusammen mit dem tollen Gehmodus und niedrigen Gewicht so richtig interessant!

Vor- & Nachteile

+ extrem leicht
+ exzellenter Gehmodus
+ für das Gewicht fast schon unglaubliche Abfahrtsperformance
+ äusserst direkte Kraftübertragung
- recht teuer
- etwas fummelige Bedienung, vor allem mit Handschuhen (besonders beim Einbauen der Zunge)
- nur ein (eher flacher) Vorlagewinkel einstellbar

Details

Perfekt für schnelle Aufstiege, Kletterpassagen und technische Abfahrten
Flex kann durch die verschiedenen Zungen angepasst werden
Ohne Zunge ideal für Training und kurze Skitourenrennen
Perfekt für die Verwendung mit Steigeisen
Sehr hohe Schaftrotation
Schneller Wechsel zwischen Ski- und Walk-Mode

Hier gibt's mehr Information vom Hersteller...

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