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Materialtest | Black Diamond Factor MX

Neu konstruierter Nachfolger des fast schon legendären Factor

25.02.2014

Mit dem Factor MX hat Black Diamond seinen etablierten Freeride Skischuh komplett überarbeitet. Die Kombination aus Triax Pro Schale mit der Verbindungstechnologie zwischen Schale und wechselbaren Sohlen – MX Dircet Connect – und dem Inneschuh FMx Power Liner soll sowohl Verbesserungen in den Abfahrtseigenschaften als auch beim Aufstieg bringen.

Features:
- Gewicht**: 4,6 kg mit Tourensole mit Tech Inserts (Herstellerangabe: 4 kg [Größe 27.5]
- Flex*: 130
- Beweglichkeit Schaft im Tourenmodus*: 40 Grad
* Herstellerangabe
** beim Testmodell Größe 29,5 gemessen

Schale:
- Traix Pro Technologie für hohe axiale Kraft und steifen Flex
- Überlappende Konstruktion angelehnt an Renn-Alpinskischuhe
- Einstellmöglichkeiten für Vorlage, Kantwinkel und Spoiler im Wadenbereich
- Wechselbare Sohle Direct Connect Alpine und Direct Connect AT (separat erhältlich)

Inneschuh - FMx / SMx Strom Liner:
- 100 mm, V-förmige Leiste soll „Out-of-Box-fit" schaffen
- Variabler Schnürmechanismus
- Kunststoff- Zunge
- Integrierte Knickzonen für Komfort beim Aufstieg
- Metallisierte Folie in der Sohle als reflektierende Wärmesperre
- 2-Wege-Stretch Zehen

Der erste Eindruck

Im Vergleich zu seinem über die Jahre doch etwas arriviert wirkenden Vorgänger, macht der Factor MX einen ansprechenden ersten Eindruck. Die Verarbeitung wirkt hochwertig und das Design ist puristisch ohne großen Schnickschnak. Auf den ersten Blick am auffallendsten sind die neuen, deutlich breiteren und zugleich flacheren Schnallen sowie der neue Innenschuh. Bei diesem bemerkt man sofort, dass auf das früher verbaute Boa System zur Schnürung verzichtet wurde. Mit dem einfach zu Bedienenden Hebel für die Aktivierung des Gehmodus (dieser wirkt auch deutlich robuster als der bis dato verbaute Mechanismus) sind die primären Funktionen auf das Wesentliche beschränkt.


Der Innenschuh

Der „FMx Strom Liner" ist ansprechend verarbeitet und passt auch relativ gut ohne Thermoanpassung. Die optionale Schnürung kann bei Verwendung nur einer Öse auf Schnelligkeit oder alternativ bei Verwendung aller Ösen auf Kraftübertragung ausgelegt werden. Aber auch wenn man die Schnürung zur Gänze weg lässt kommt weder bei der Abfahrt noch beim Aufstieg lockeres Gefühl im Schuh auf. Auf das Boa Schnürsystem, eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal des alten Factor, wurde laut Black Diamond verzichtet, weil das System durchaus auch negatives Feedback hervorgerufen hat.Die neu verbaute Kunsttoffzunge soll den Druck vom Schienbein verteilen und für einen ebenen Flex nach vorne sorgen. Auf Grund der ebenfalls völlig neu konstruierten Schale kann eine Verbesserung alleine auf Grund der Sohle schwer beurteilt werden. In jedem Fall wirkt die Druckverteilung nach vorne gleichmäßig und es sind keine Druckstellen (z.B. von den Schnallen) spürbar.

Der Tragekomfort des Innenschuh entspricht dem, was man sich von einem Schuh in dieser Preiskategorie erwartet. Richtig kalte Tage waren in diesem Winter bisher ja Mangelwahre. Wie warm der Innenschuh hält, ist daher schwer zu beurteilen und ohnehin sehr subjektiv.

Schale, Wechselsolen und Einstellmöglichkeiten

Ist die Direct Connect AT Sole einmal moniert, funktioniert der Wechsel problemlos. Die erste Montage ist jedoch etwas aufwändig und sollte auf jeden Fall zuhause erledigt werden und nicht am Parkplatz, kurz vor Beginn des Aufstieges. Es sind nämlich noch Dichtungen in den Führungslöchern der Schrauben zu durchstoßen und jeder Fersenteil muss zuerst aus 3 Teilen zusammengesetzt werden. Im Sinn des Alrounder Konzept ist es, dass man die Vorlage des Schuh verstellen kann. Sind auf Grund von Schneemangel einige Pistentage absehbar, hilft etwas mehr Vorlage beim Schuh dabei, nicht auf Grund seinen hinten hängenden Position, sofort als Freerider auf Abwegen geoutet zu werden. Der Kantwinkel kann ebenfalls wie die Länge Micro Schnallen angepasstwerden. Details zu den Einstellmöglickeiten findet ihr auf der Produktseite des Herstellers

 


Praxistests

Schlüpft man in den Schuh, stellt sich das Gefühl ein, dass er etwas weiter geschnitten ist als sein Vorgänger. Im Test wurde daher ein um eine Nummer kleinerer Schuh verwendet. Bei den ersten Schwüngen kommt sofort der Eindruck auf, dass der Schuh nicht so steif ist wie der Factor 130 aus den Vorjahren. Vor allem der Flex nach vorne scheint deutlich weicher. Wenn man aber an die Intention der neuen Konstruktion denkt, relativiert sich dieser Eindruck etwas. Die Charakteristik des Flex wurde dahingehend geändert, dass ein dosiertes Aufbauen des Drucks nach vorne, also auf die Schaufel des Skis, ermöglicht wird. In Kombination mit dem daraus resultierende Response, kann ein dynamischeres Fahren erreicht werden.Der Factor MX fühlt sich beim Freeriden daheim. Die Abfahrtseigenschaften sind dementsprechend deutlich über denen aufstiegsorientierter Freerider einzuschätzen. Generell ist er aber als Allrounder einzustufen. Auch mit Alpin Rennski lassen sich ambitionierte Schwünge fahren. Und wer im Herbst oder Frühjahr auch einmal gerne ein zwei Runs im Park macht, der kann das mit etwas offeneren Schnallen auch ohne Bedenken tun. Die Aufstiegseigenschaften sind für einen Freerider gut. Die erhöhte Schaftbeweglichkeit im Vergleich zum Vorgänger ist merklich spürbar.

Langzeittest

Der Schuh wurde von Dezember bis Februar während ca. 35 Skitagen eingesetzt. Die Bandbreite reichte dabei vom Skitouren und Skibergsteigen über Variantenfahren und Park bis hin zu Pistentagen und Kinderskikursen mit Anfängern. Für keinen der Bereiche hat sich der Schuh als gänzlich ungeeignet erwiesen. Wie aber schon die ersten Praxistests zeigten, liegen seine Stärken im Variantenfahren und bei Freeridetouren. Hier muss man auch noch eine Unterscheidung zum Vorgänger machen. Konnte man diesen noch uneingeschränkt für kompromisslose Big Mountain Lines empfehlen, ist die Performace beim Factor MX in diesem Bereich, auf Grund des anders konzipierten Flex, sicher zurückgegangen. Touren bis ca 1000 hm können mit dem Schuh bei durchschnittlicher Fitness (bezogen auf aktive Skifahrer) problemlos bewältigt werden. Oben angekommen ist man mit Skiern mit einer Mittelbreite über 105mm dann froh, einen abfahrtsorientierten Schuh an den Füßen zu haben. Für Touren über 1000 hm ist der Factor MX mit seinen gut 4 kg pro Paar dann doch recht schwer.

Wie die recht gut wirkende Verarbeitung beim ersten Betrachten des Schuh's annehmen ließ, sind nach ca. 35 Tagen kaum Gebrauchsspuren zu sehen. Einzig der Kunststoff rund um die Tech Inserts an der Ferse wirkt etwas in Mitleidenschaft gezogen. Es im Gebrauch weder zu Fehlfunktionen oder Beschädigungen gekommen. Es fällt aber auf, dass die Schnallen deutlich fester geschlossen werden müssen als in den ersten Skitagen, um ein ähnlich festes Gefühl zu erhalten. Da der Thermoinnenschuh aber bis zu 3 mal gebacken werden kann, sollte es Möglich sein, dieser Entwicklung durch nochmaliges Aufbacken entgegenzuwirken.

Fazit

Die Überarbeitung des „Freeride Klassikers" Factor ist gelungen. Der Schuh wird durch die sehr gute Abfahrtsperformace und die guten Aufstiegseigenschaften seinem Ruf als abfahrtsorientierter Allrounder gerecht. War beim Vorgänger der Flex (wie immer gefühlt, da es für den Flex keine Norm gibt) noch einer der härtesten am Markt, kommt dieses Gefühl beim aktuellen Modell nicht mehr so deutlich auf. Hier liegt auch die Schwäche des aktuellen Modells. Es gibt vom Flex vergleichbare Allrounder am Markt, die leichter sind, und Freeride- oder Alpin Rennschuhe, die deutlich härter, aber nur unwesentlich schwerer sind. Sucht jemand aber nicht den bockharten BigMountain-Schuh und ist sich bewusst, dass Abfahrten auf breiten langen Skiern mit einem aufstiegsorientieren Schuh deutlich weniger Spaß machen, ist der Factor MX eine sehr gute Wahl.