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Materialtest | BCA Tracker 3

Schnelles 3-Antennen-LVS mit markantem Sound

11.02.2016

Die Tracker-Serie des zum K2-Konzern gehörenden US-Unternehmens Backcountry Access ist seit Jahren eine feste Größe am LVS-Geräte-Markt. In Europa sind die Tracker zwar nicht so verbreitet wie in den USA, dennoch werden die Tracker von ihren Besitzern auch in der alten Welt für ihre einfache Bedienung und Schnelligkeit geschätzt. Mit dem Tracker 3 hat BCA seit letzter Saison ein aktuelles 3 Antennen LVS am Markt, das wieder mit den bewährten Eigenschaften und einigen Erweiterungen glänzen soll. Wir haben uns vom Tracker 3 im ausgiebigen Praxistest einen Eindruck verschafft und seine Stärken schätzen gelernt, aber auch einige Schwachpunkte gefunden.

Der erste Eindruck

Die äußere Überarbeitung des Trackers scheint gelungen. Die bei den Modellen 1 und 2 verwendeten Farben gelb und rot sind verschwunden, schwarz ist nun die dominierende Farbe. Form und Design sind schlicht, aber ansprechend. Die Haptik stimmt: Die Oberflächen fühlen sich gut an und die beiden Bedienelemente (Ein- & Umschalter und Optionentaste) lassen sich einfach bedienen. Das sehr schlicht gehaltene Display besteht aus einigen wenigen Symbolen und zwei 7-Segment-Anzeigen. Ein Nachteil dieses Displays besteht allerdings darin, dass nur vordefinierte Symbole und Zahlen angezeigt werden können, jedoch keine beliebigen Grafiken. Der Vorteil ist, dass Ziffern und Symbole aktiv leuchten und nicht, wie bei vielen anderen Displays, nur eine passive Anzeige ohne aktives Leuchten erfolgt. Dieses rote Leuchten hebt sich gut von der schwarzen Umgebung ab und kann auch bei starker Sonneneinstrahlung gut erkannt werden.

 

Das mitgelieferte Tragesystem des Trackers ist sofort verständlich und einfach zu handhaben. Mit einigen Verstellmöglichkeiten lässt es sich an tragende Person anpassen. Im Vergleich zu anderen Tragesystemen (z.B. gepolsterte Stofftasche der alten Pieps Modelle) wirkt es etwas puristischer, da es nur aus Gewebegurten und einer simplen Tasche besteht. Die Verarbeitung ist aber gut und alle Schnallen und Gurte wirken robust. Die geringelte Verbindungsschnur zwischen Tragesystem und LVS ist einfach anzubringen und abzunehmen (z.B. um das LVS z.B. einmal in der Hosentasche zu verstauen). Sie ist lang genug um bei der Feinsuche ausreichend Spielraum zu haben, wenn man das LVS vom Körper weg bewegen muss.

Vorsicht ist beim ersten Einschalten geboten. Die Töne des Tracker 3 sind schrill und erinnern an den Soundtrack von Computerspielen aus den 80iger-Jahren. Das hat natürlich keinerlei Auswirkung auf die Funktion und im Notfall wird man dies gar nicht wahrnehmen. Entlockt einem die Tonfolge beim Einschalten zu Beginn meist noch ein Lächeln, kann sie aber nach einiger Zeit doch etwas nervig werden. Die verblüfften Blicke am Parkplatz sind einem mit diesen Tönen aber sicher (Hinweis: mit einem Softwarupdate kann das Sounddesign des Trackers ab 2016 auch angepasst werden).

Zum Wechsel der drei AAA Batterien muss das Fach auf der Rückseite des Tracker 3 mittels Schlitzschraubendreher geöffnet werden. Leider lässt sich die Schraube nicht mit einer Münze öffnen. Der schnelle Wechsel in der Gondel oder in der Hütte fällt damit aus. Praktisch ist die Funktion, dass der Tracker nach einigen Stunden ein Warnsignal abgibt, falls man vergisst ihn Abends abzuschalten. Ein Softwareupdate kann beim Tracker 3 über eine im Web verfügbare Software und ein Mini USB Kabel selbst durchgeführt werden.

Praxistest

Der Tracker 3 sitzt mit dem Tragesystem gut. Eine deutliche Verbesserung aufgrund der vom Hersteller angepriesenen kleinen Größe ist im Vergleich zu anderen sich am Markt befindenden LVS allerdings nicht zu bemerken. Trägt man sein LVS lieber in der Hosentasche (wichtig, diese darf dann aber nicht nur aufgenäht sein, sondern muss in der Hose liegen, sonst besteht die Gefahr, dass die Tasche mit dem LVS in einer Lawine von der Hose gerissen wird!), ist das auch kein Problem. Hier fällt die etwas flachere Bauweise dann positiv auf. Auch mit Handschuhen lässt sich das mit einem Schieber gesicherte Optionsrad noch gut bedienen, wenn auch etwas schwerfälliger als bei anderen Geräten am Markt.

Bei der Suche spielt der Tracker 3 wieder die bewährten Stärken der Tracker Reihe aus. Das Umschalten von Senden auf Suche erfolgt sehr schnell und auch die Aktualisierung von Distanzanzeige und Richtungspfeilen erfolgt gewohnt schnell. Die Änderung des Suchmodus von Grob- auf Feinsuche ist durch eine Änderung der Töne bemerkbar. Die Töne sind wie schon beim Einschalten sehr schrill aber laut und gut hörbar. Die Reichweite ist mit anderen 3-Antennengeräten am Markt vergleichbar. Bei guter Koppellage (als Koppellage wir die Ausrichtung der Antennen der beiden LVS Geräte zueinander bezeichnet) konnten wir im Test erste Signale bei deutlich über 40m Abstand empfangen. Bei schlechter Koppellage immerhin noch bei ca. 25 m Abstand. Damit lässt sich eine Einfachverschüttung (entsprechende Übung wie bei allen LVS Geräten vorausgesetzt) schnell durchführen. Bei der Suche nach mehreren Verschütteten geht BCA einen eigenen Weg.

Eine Mehrfachverschüttung wird zwar im Display durch eingene Symbole (Mehrfachverschu?ttetensymbol) angezeigt es wurde aber keine "klassische Markierfunktion" verbaut. Stattdessen gibt es einen "Signalunterdrückungsmodus" (ähnlich einer Markierfunktion) und einen U?bersichtsmodus (könnte man mit der Funktion analoger LVS Geräte vergleichen, bei denen alle empfangenen Signale als unterschiedlich lauter Piepton "angezeigt" werden).

Zur Erklärung der beiden Modi ziehen wir die Beschreibung des Herstellers heran:
Der Signalunterdru?ckungsmodus unterdru?ckt bei einer Mehrfachverschu?ttung das sta?rkste Signal und zeigt dem Suchenden das zweitsta?rkste Signal nebst Richtungspfeilen an. Bleiben Sie bei der Suche nach dem ersten Verschu?tteten immer im Standardsuchmodus. Sobald der erste Verschu?ttete gefunden wurde und die Feinsuche abgeschlossen ist, ko?nnen Sie den Signalunterdru?ckungsmodus (dieser wird über Drücken der Optionstaste aktiviert und durch das blinkende Mehrfachverschu?ttetensymbol angezeigt) verwenden. ... Das sta?rkste Signal wird fu?r etwa eine Minute unterdru?ckt, damit sich der Suchende von diesem Signal entfernen und nach dem na?chsten VS-Gera?t suchen kann. Der Tracker 3 schaltet nach einer Minute vom Signalunterdru?ckungsmodus automatisch wieder in den Standardsuchmodus. Im Standardsuchmodus ho?rt das Mehrfachverschu?ttetensymbol auf zu blinken und der Tracker 3 sucht wieder nach dem sta?rksten Signal.

Der U?bersichtsmodus (im Englischen Big Picture Mode genannt und daher mit BP abgekürzt) zeigt die Entfernungen und Richtungen aller sendenden VS-Gera?te an, die sich innerhalb der Reichweite befinden. Der BP Modus ermo?glicht rasch eine ungefa?hre Richtungs- und Distanzu?bersicht der weiteren Verschu?tteten. Der Übersichtmodus ist aktiviert, solange die Optionstaste gehalten wird. Wird die Optionstaste im BP losgelassen kehrt der Tracker 3 in den normalen Suchmodus zuru?ck.
Signalunterdru?ckungsmodus und U?bersichtsmodus werden auch im folgenden Produktvideo von BCA erklärt.

Beide Modi funktionieren in der Praxis wie beschrieben und erleichtern die Suche nach mehreren Verschütteten. Um in der Hektik einer Notsituation diese Funktionen auch als Unterstützung nutzen zu können, bedarf es jedoch sicher noch mehr Übung als mit einer klassischen Markierfunktion, sonst besteht leider die Gefahr, dass man durch die zusätzlichen Modi den Überblick verliert. Hat man Übung und versteht die beiden Modi auch unter Stress korrekt einzusetzen, kann man damit aber auch eine Mehrfachverschüttung meistern.

Hinweis/Ergänzung:
Mehrfachverschüttungen lassen sich natürlich auch mit analogen LVS meistern und so mancher "alter Hase" der Bergrettung wird vielleicht mit seinem analogen Gerät auch noch schneller sein als ein Anfänger mit einem 3-Antennengerät und Markierfunktion. Vorraussetzung ist aber in jedem Fall die entsprechende Übung mit dem jeweiligen Gerät und da der Tracker 3 hier von der "Quasi-Norm" Markierfunktion abweicht, möchten wir hier nochmals auf die erforderliche Auseinandersetzung mit Signalunterdru?ckungsmodus und U?bersichtsmodus hinweisen!

 

Zusätzlich verfügt der Tracker 3 über einen automatischen Umschaltmodus. Im automatischen Umschaltmodus schaltet der Tracker 3 automatisch zuru?ck in den Sendemodus, wenn das Gera?t eine Minute lang nicht bewegt wird, oder wenn sich der Suchende bewegt, aber la?nger als fu?nf Minuten im Suchmodus bleibt. Dieser Modus muss bei jedem Einschalten des Geräts durch eine Tastekombination aktiviert werden.

Fazit

Der Tracker 3 von BCA hat die positiven Eigenschaften seiner Vorfahren geerbt. Er ist schnell und in der Einfachsuche leicht zu bedienen. Das Design kommt ohne viel Schnickschnack aus und die Verarbeitung ist gut. Die ergänzten Modi zur Mehrfachverschüttung funktionieren und stellen eine gute Erweiterung zu den Vorgängern dar. Es bedarf jedoch Übung um diese Modi in einer Notsituation auch gekonnt anzuwenden. Im Langzeittest hat der Tracker 3 keine Schwächen gezeigt. Nimmt man sich regelmäßig Zeit für das erforderliche Training, hat der Tracker 3 alle Voraussetzungen um fester Bestandteil der persönlichen Sicherheitsausrüstung beim Freeriden zu werden.

Hier könnt ihr den Tracker 3 bei unserem Partnershop Bergzeit.de kaufen, hier geht es zur Website von BCA mit weiteren Informationen.

Technische Daten

Frequenz: 457 kHz
Batterien: Drei AAA/LR03 Alkalibatterien
Batterielebensdauer: mindestens eine Stunde im Suchmodus nach 200 Stunden im Sendemodus (250 Stunden im reinen Sendemodus oder 50 Stunden im reinen Suchmodus)
Suchstreifenbreite: 50 Meter
Gewicht: 340g mit Tragegurt und Batterien (gemessen)
Abmessungen: 11.6 cm x 7,1 cm x 2,3 cm
Mindesttemperaturbereich (bei 66,7 Prozent Batteriekapazita?t):
Sendemodus: -20°C bis 40°C
Suchmodus: -20°C bis 40°C