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Materialtest | BCA Float 32 Airbagrucksack

Der „Underdog“ unter den Airbagrucksäcken

15.04.2013

Obwohl in Europa relativ unbekannt, stellt die amerikanische Firma Back Country Access seit mehreren Jahren Lawinenairbagrucksäcke her. Dieses Jahr ist der für Freerider konzipierte Rucksack als Float 22 und Float 32 in zwei Größen erhältlich. Wir haben den Float 32 für euch getestet.

Erster Eindruck

Im Vergleich zu den ersten BCA Airbagrucksäcken von vor ein paar Jahren macht der Float 32 einen stark verbesserten und insgesamt sehr guten Eindruck.

Der Rucksack ist eher schmal geschnitten und schränkt die Bewegungsfreiheit dadurch praktisch nicht ein. Er verfügt über ein Hauptfach, ein Fach für die Notfallausrüstung und zwei kleinere Fächer sowie eine Tasche am Hüftgurt. Sämtliche Fächer und Taschen sind über großzügige, stabile und gut mit Handschuhen bedienbare Reissverschlüsse hervorragend zugänglich. In einem größeren, separaten Fach im oberen Teil des Rucksacks ist der Airbag untergebracht, die Patrone befindet sich seitlich im Hauptfach. Wie viele Airbagrucksäcke verfügt der Float 32 lediglich über ein diagonales Skitragesystem, welches aber gut funktioniert. Eine Snowboardhalterung fehlt leider, ist aber als Zubehör erhältlich.

Sonstige Befestigungsmöglichkeiten außen am Rucksack sind allerdings eher spärlich vorhanden, lediglich eine gut verstaubare Helmbefestigung und eine Pickelhalterung sind zu finden. Die Träger sowie Hüft- und Brustgurt sind gut einstellbar, der Rucksack sitzt sehr gut am Körper und lässt sich durch seitliche Kompressionsriemen auch gut im Volumen einstellen.

Airbagsystem

Die gesamte Float-Serie verfügt über ein innerhalb der Serie austauschbares Airbagsystem mit einem Airbag oben am Rucksack. Erfreulicherweise können die mit Druckluft gefüllten Patronen an vielen Stellen (z.B. Taucherläden) günstig wiederbefüllt werden (ich habe einmal 8.- Euro bezahlt!).

Wird das System ausgelöst, füllt sich der Airbag äußerst schnell.

Der Auslösegriff für den Airbag ist gut plaziert und leicht zu erreichen, von Vorteil ist, dass er je nach belieben rechts oder links montiert werden kann. Auch der Ein-, Aus- und Umbau des Airbagsystems funktioniert recht gut.

Praxiseinsatz

In der Praxis funktioniert der Float 32 prinzipiell gut. Er ist auch für ausgedehnte Tagestouren geräumig genug – oder für Leute wie mich, die immer viel Zeug dabei haben. Trotzdem ist er klein genug, um beim Freeriden im Skigebiet nicht deplatziert zu wirken. Für mich wäre er für lange, hochalpine Touren bei denen einiges an zusätzlicher Ausrüstung (Seil, Gurt, viel Essen, Trinken) mit muss, etwas zu klein, allerdings tendiere ich eben dazu, viel dabei zu haben und habe auch immer eine DSLR im Rucksack.

Wird der Rucksack wirklich bis zum Anschlag vollgepackt, treten auch zwei weitere, mit einander zusammenhängende Probleme auf. Die Schnalle am Hüftgurt des Rucksacks ist nämlich leider alles andere als genial. Sie hält den Hüftgurt zwar sehr zuverlässig geschlossen und den Rucksack damit am Körper, allerdings ist es gar nicht so einfach, die Schnalle mit Handschuhen zu bedienen. Zudem stellt sich der Hüftgurt permanent weiter, was zusammen mit dem eher leichten Rucksack mit weichem Rückenteil dazu führt das fast keine Last auf die Hüften übertragen wird, sondern alles auf den Schultern liegt. Gerade in Kombination mit dem im Vergleich zu einem Rucksack ohne Airbag bereits höheren Gewicht, führt dies gerade bei langen Touren dann doch zu einem nicht optimalen Tragegefühl bzw. schmerzenden Schultern. Der Rucksack liegt durch den permanent lockeren Hüftgurt auch nicht allzu fest am Rücken an, was sich aber eigentlich nur bei Sprüngen negativ bemerkbar macht. Diese beiden Punkte würden sich definitiv mit einer besseren Schnalle am Hüftgurt beheben lassen, der Austausch der Schnalle wäre meine nächste Maßnahme...

Persönliche Meinung

Trotz geringfügiger Schwächen (die großteils durch eine bessere Schnalle am Hüftgurt beseitigt werden sollten) ein empfehlenswerter Airbagrucksack. Leichter und günstiger als die meisten Konkurrenzprodukte, allerdings stehen im Moment auch nur wenige Modelle, in denen der austauschbare Airbag eingesetzt werden könnte, zur Verfügung. Besonders interessant für mich wäre ein größeres Modell mit etwas stabilerem Tragesystem sowie mehr Möglichkeiten um Sachen außen am Rucksack zu befestigen. Solch ein Modell in Kombination mit dem Float 22 fürs Freeriden im Skigebiet wäre wohl für viele perfekt und würde nahezu alle Einsatzgebiete abdecken. Da BCA ja kürzlich von K2 übernommen worden ist, wird sich im Bereich der verfügbaren Rucksäcke wahrscheinlich schnell einiges ändern bzw. verbessern.

 

Fazit

Guter, geräumiger und verhältnismäßig leichter sowie preisgünstiger Lawinenrucksack.

Vor- & Nachteile

+ austauschbare Airbageinheit
+ wiederbefüllbar
+ gute Passform
+ geräumig
+ geringes Gewicht
+ verstaubare Helm- & Pickelhalterung
+ Preis
- fummelige & sich öffnende Bauchschnalle
- kaum Befestigungsmöglichkeiten
- Snowboardhalterung nur als Zubehör

Details

UVP: 549,95 € ohne Zylinder, 135,- € Zylinder
Farbe: Black/Red
Gewicht: 2.9 kg inkl. Kartusche, 1.5 kg ohne Airbag
Grösse: 32 L - 58x29x17 cm
Rückenlänge: 46-58 cm
150 L single Airbag, austauschbar
186 bar Kartusche, wiederbefüllbar
Hauptfach, Schaufel- und Sondenfach, Goggle-Fach & Gurttasche
Helmhalterung, verstaubar
Eispickelhalterung
diagonale Skihalterung

Zu den Produktinformationen des Herstellers