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Marktübersicht Lawinenairbags Saison 2012/13

Der Markt wird voller – Eine Übersicht über die aktuellen Modelle bei den Lawinenairbags

17.01.2013

Lawinenairbags gelten inzwischen als nützliche Zusatz-Sicherheitsausrüstung. Die Marktübersicht 2012/13 hilft bei der Entscheidung.

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Baschi Bender
Totti Lingott

Lawinenairbags gelten inzwischen als nützliche Zusatz-Sicherheitsausrüstung. Die Marktübersicht 2012/13 hilft bei der Entscheidung.

Jahrelang war da nur ABS – seit einigen Jahren bewegt sich der Markt um die Lawinenrucksäcke mit einem erfreulichen Nebeneffekt für den Nutzer: Qualität und Preis werden durch die natürlichen Kräfte der Marktwirtschaft nach oben bzw. unten getrieben! Dies bedeutet aber auch, dass der Markt unübersichtlicher wird und sich der Käufer vorher besser informieren will. Wir haben uns die Mühe gemacht und nach allen aktuellen Lawinenrucksäcken gesucht, um euch eine Übersicht über die aktuell verfügbaren Modelle zu geben. Zukünftig versuchen wir diese Marktübersicht jährlich zu aktualisieren und hoffen euch bei einer schweren Entscheidung behilflich sein zu können.

Lawinenrucksäcke als zusätzlicher Sicherheitsspielraum

Ein Artikel über Lawinenrucksäcke darf jedoch nicht ohne folgenden Hinweis verfasst werden: Lawinenrucksäcke können sicherlich helfen, Leben zu retten und haben als zusätzliche Sicherheitsausstattung absolut ihre Berechtigung! Aber mit einem Lawinenairbag kann man keine Lawine vermeiden und keinen Kameraden aus der Lawine befreien! Deswegen gilt als oberste Priorität zur Vermeidung von Lawinenunfällen die Prävention mit den modernen Methoden der Lawinenkunde und zur effektiven Rettung das regelmäßige Üben der Kameradenrettung. Und wer aufgepasst hat, wird gleich drauf kommen: Nur wenn eine anerkannte Risikostrategie angewandt wird und die gängige Lawinengrundausstattung (LVS, Schaufel, Sonde) auch an Bord ist, darf über die zusätzliche Sicherheitsausstattung Lawinenrucksack nachgedacht werden.

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MAMMUT Snowpulse - test from Baschi Bender on Vimeo.

Die Großen nach oben, die Kleinen nach unten

Vornehmlich das Schweizer Schnee- und Lawinenforschungsinstitut SLF hat dazu beigetragen, dass man heutzutage deutlich mehr über Lawinen Bescheid weiß. Und viele der modernen Geräte wurden zusammen bzw. auf Ansinnen von ihnen entwickelt. So wissen wir heute zum Beispiel auch, dass die meisten Lawinen nicht fließen wie Wassser und die Körper darin nicht abhängig von ihrer Dichte schwimmen oder eben nicht. Die Lawine bzw. die Bewegung der Schneemassen kann am besten beschrieben werden wie die inverse Segregation eines granularen Mediums. Klingt hoch kompliziert und dabei kennen wir es doch alle...

Der Effekt in einem solchen Medium wird mithin auch als Müsli- oder Paranuss-Effekt genannt. Rüttelt man eine Schüssel Müsli (mit verschieden großen Bestandteilen) dann werden die größeren Teile immer weiter nach oben gebracht. Allerdings nur deshalb weil die kleinere Bestandteile in die entstehenden Löcher am Boden fallen und sich somit aktiv nach unten bewegen. Etwas Ähnliches passiert mit einem menschlichen Körper in einer Lawine; die meisten Schneebestandteile sind kleiner und der Körper wir nach oben wandern. Dies kann natürlich durch verschiedene Effekte beeinflusst werden, z.B. wirken Ski und Stöcke wie Anker und diese sollte man im Falle eines Lawinenabgangs gegen jegliche materielle Wertschätzung so schnell wie möglich von sich stoßen. Auch ohne Lawinenairbag gelten diese physikalischen Gesetze, aber mit den aufgeblasenen Auftriebskörpern (normalerweise zwischen 150 und 170 Liter) ist man eben noch ein bisschen größer.

Fünf verschiedene Airbagsysteme und ein Fülle an verschiedenen Rucksäcken

Aktuell gibt es im Moment fünf verschiedene Lawinenairbagsysteme auf dem Markt: ABS, Snowpulse/Mammut, BCA, Wary (Avi-Vest) und Mystery Ranch. Die drei letztgenannten Produkte wurden alle in den USA entwickelt und spielen mitunter auf dem nordamerikanischen Markt eine nicht unerhebliche Rolle, werden aber in Europa kaum verkauft. BCA war bisher in Europa auch schwer zu kriegen, aber durch die kürzliche Übernahme von K2 werden wir diese Produkte in Zukunft sicherlich präsenter wahrnehmen. Deswegen konzentrieren wir uns bei der folgenden Übersicht auf die Rucksäcke bzw. Airbagsysteme von ABS, BCA, Mammut und Snowpulse.

ABS, Mammut und Snowpulse beherrschen (bisher) den Europäischen Markt

Von ABS werden seit Mitte der Achtziger Jahre Lawinenrucksäcke hergestellt und verkauft. Das Unternehmen hatte dann knapp zwei Jahrzehnte das Monopol auf dem Markt bis vereinzelt andere Hersteller sich dem Thema Lawinenrucksäcke widmeten. Das ABS-Sytem hat heutzutage zwei separate Ballons, die an den Seiten des Rucksacks aufgeblasen werden. Mit 170 Litern besitzen diese Ballons das größte Auftriebsvolumen. Eine bisher nur von ABS angebotene Funktion ist die Airbagauslösung per Funk. Dies ist von nicht zu verachtender Bedeutung, da in der Stresssituation eines Lawinenabganges manche Skifahrer die Auslösung des Airbags nicht zustande bringen und mitsamt dem nicht ausgelösten Lawinenrucksack verschüttet werden. Analog zu LVS & Co. Benötigt auch ein Airbag – wie jede Sicherheitsausrüstung – intensives Training, um ihn im Ernstfall blind und effizient bedienen zu können. Bei ABS kauft man sich eine Basiseinheit (Vario oder Powder) und kann dann zwischen vier bzw. zwei verschiedenen ABS-Rucksack-Aufsätzen wählen. Diese werden einfach mit Reißverschluss verbunden. Zusätzlich gibt es mittlerweile auch von Arva, Dakine, Dynastar, Evoc, Millet und Rossignol kompatible Aufsätze, welche in manchen Fällen auch als eigenständige Rucksäcke benutzt werden können (dann ohne Airbagsystem). Daneben wurden mittels Lizenzkooperationen von Salewa, The North Face und Ortovox (ab 2013) eigene Rucksäcke entwickelt, in denen das ABS-Airbagsystem eingebaut ist.

Im Jahr 2006 wurde Snowpulse in der Nähe von Verbier gegründet. Seit dem werden Lawinenrucksäcke entwickelt und seit Mitte 2011 gehört das Unternehmen zur Mammut Sports Group. Das Unternehmen Snowpulse und deren eigene Produkte bleiben aber weiterhin auf dem Markt. In den Snowpulse Rucksäcken wird das Lifebag-System (nicht wechselbar; sechs Rucksäcke und eine Weste) verbaut und in den Mammut-Lawinenrucksäcken das auswechselbare R.A.S.-System (removable airbag system; neun verschiedene Rucksäcke). Neben dieser Funktion ist die Form der Auftriebskörper zwischen R.A.S. und Lifebag der größte Unterschied. Letztere werden hinter dem Kopf an der Oberseite des Rucksacks aufgeblasen und vergrößern sich rechts und links neben dem Kopf bis vor die Brust. Dadurch können mechanischen Verletzungen des Kopfes und Oberkörpers während eines Lawinenabganges vermutlich unterbunden werden {L. Meier, S. Harvey, Feldversuche mit Lawinen-Notfallgeräten Winter 2010/2011, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos, 2011.}. Das R.A.S.-System wird an der gleichen Stelle ausgelöst, die Ballons bleiben aber neben bzw. hinter dem Körper. Neben Mammut werden auch von den Herstellern Ferrino und Scott Lawinen-Rucksäcke mit dem R.A.S.-System angeboten. Mit dem R.A.S.-System kann man sich verschiedene Rucksäcke kaufen und dazu einmal den Lawinenairbag, da alle Modelle kompatibel sind.

Bemerkungen zu den Übersichtstabellen
Alle Angaben in den Übersichtstabellen sind Herstellerangaben und grundsätzlich wurden die Gewichte ohne die Kartuschen angegeben. Bei vielen Modellen ist nicht klar zu erkennen, ob die Volumenangaben exklusive oder inklusive des Airbagsystems sind. Vorsicht: Meistens wird das Volumen der Auslöseeinheit aber nicht abgezogen und die Rucksäcke sind schlussendlich viel kleiner! Alle Angaben ohne Gewähr.

Oberstes Ziel bei einer Lawinenauslösung ist es nahe an der Oberfläche liegen zu bleiben, denn dann erhöht sich die Überlebenswahrscheinlichkeit durch eine schnelle Rettung deutlich. Tests deuten daraufhin, dass dies durch die Benutzung eines Lawinenrucksackes der Fall ist – es konnte nachgewiesen werden, dass sich die Verschüttungstiefe mit ausgelösten Auftriebskörpern verringert {L. Meier, S. Harvey, Feldversuche mit Lawinen-Notfallgeräten Winter 2010/2011, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos, 2011.} und der aufgeblasene Airbag in der Regel eine schnelle optische Ortung erlaubt. Dies alleine sollte Grund genug sein sich neben der gängigen Lawinenausrüstung auch noch einen Lawinenrucksack zu beschaffen. Eins ist aber auch klar: Die zum Teil infame Werbung mit einer irreführenden Darstellung von Statistiken führt auch dazu, dass eine nicht tragbare, überzogene Sicherheit durch einen Lawinenairbag erwartet wird. Unsere Empfehlung: Ja! Aber nur, wenn Prävention, Rettung und Grundausstattung genug Aufmerksamkeit geschenkt wurde! In einem Folgeartikel in einigen Wochen werden einzelne Lawinenrucksäcke aus der Übersicht mit Erfahrungsberichten der PG-Redaktion näher vorgestellt.

Die meisten der vorgestellten Lawinenairbags gibt's bei unserem Partner Bergzeit im Shop

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