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Marktübersicht Freerideskischuhe

Freeride-Skischuhe Marktübersicht

13.11.2009

"Boots are made for walking" stimmt ein bekanntes amerikanisches Countrylied an. Aber nicht alle Skischuhe sind dazu geeignet, mit ihnen zu auf Touren zu gehen. In der PowderGuide-Marktübersicht lest ihr, welche aktuell erhältlichen Schuhe Freeride-Ansprüchen genügen.

Verschiedenen Hersteller, sowohl aus der Skischuh- als auch aus der Skitouren-Industrie drängen in diesen stark wachsenden (Nischen-)Markt und versuchen immer bessere Produkte für Freerider anzubieten. Tourenschuh-Hersteller versuchen ihre Stiefel steifer und mit eine abfahrtstauglichen Position auszustatten. Alpinskischuh-Hersteller versuchen gegenteilig ihre Hartplastikbomben leichter und bequemer für die Laufbewegung zu machen. Aber Vorsicht: einige Mogelpackungen versprechen "Freeridetauglichkeit", sind aber nichts weiter als umgelabelte stinknormale Ski- oder Tourenschuhe, die in fancy Design mit sattem Aufpreis angepriesen werden.

Die Kandidaten

Wir stellen in der PowderGuide Marktübersicht alle aktuell im deutschsprachigen Raum erhältlichen Modelle vor. Unsere Aufnahmebedingung: die Modelle müssen für aufstiegs- und abfahrtsorientiertes Freeriden geeignet sind. Umgelabelte Standardschuhe, die in einer der Standarddisziplinen zuhause sind, werden hier explizit nicht gelistet. Maßgeblich zur Aufnahme war ein relativ harter Flex und damit eine abfahrtsorientierte Auslegung des Schuhs. Gleichzeitig muss zumindest eine Profilsohle vorhanden sein, beziehungsweise die Möglichkeit eine solche zu montieren. Ob gekrümmte Sohle mit DIN-Freigabe für Tourensohlen oder Alpinsohle mit leichtem Profil an einigen Stellen war kein K.O Kriterium.

 

Die Flexangaben orientieren sich an der Skala des Marktführers Salomon und sind nicht gemessen, eher gefühlt. Sie stellen daher keinen absolut verlässlichen Wert dar, ermöglichen aber eine sinnvolle Einordnung und einen Vergleich der Modelle verschiedener Hersteller (Diskussion zu den Härteangaben im PowderGuide-Forum).

 

Der harte Minimaltourer

Die Modelle mit einem Flex von deutlich über 100 haben das Gewicht, die Festigkeit und den klassischen Aufbau mit einer zweiteiligen Schale von sportlichen Alpinschuhen. Sie stehen diesen dadurch in Sachen Kraftübertragung wirklich in nichts nach. Sie sind Freeridern zu empfehlen, die größten Wert auf die Performance bei der Abfahrt legen und sich in jeder Situation hundertprozentig auf ihre Schuhe verlassen wollen. Sie müssen dafür allerdings bereit sein die mäßige Bequemlichkeit der Schuhe im Aufstieg in Kauf zu nehmen. Die Modelle von Garmont Shaman und Astral (Frauenmodell) sowie Scarpa Hurricane verfügen nicht einmal über einen Gehmechanismus, aber auch die Modelle von Lange Blaster pro und Superblaster sind bei längeren Aufstiegen mit Fellen eher etwas für Hartgesottene. Der hauptsächliche Einsatzbereich dieser Schuhe dürfte im Bereich der kurzen Hikes zu Fuß durch felsiges Gelände und kürzerer Aufsteige mit Fellen, sowie bei der Befahrung extrem schwieriger und technischer Linien liegen. In Kombination mit einer Marker Duke erreicht man eine Stabilität wie mit einer Alpinausrüstung ¬– bei entsprechend hohem Gewicht.

 

 

Die wandlungsfähigen Alleskönner

Die Modelle mit einem Flex von 90-100 können von der Härte und damit der Kraftübertragung mit den härtesten Modellen nicht ganz mithalten. Sie vermitteln beim Fahren eher das Gefühl in Tourenschuhen zu stecken. Dafür sind Ihre Eigenschaften im Aufstieg wirklich deutlich besser. Sie verfügen über einen ausgereiften Gehmechanismus und vor allem bei den Modellen mit Inserts für Tech-Bindungen von Dynafit oder G3 lässt sich auch kräftig Gewicht sparen. Trotzdem steht die Abfahrtsperformance hier noch klar im Vordergrund und gerade mit dem Dynafit Titan und dem Black Diamond Factor sind auch noch durchaus harte Schuhe vertreten. Diese Schuhe können wirklich überall eingesetzt werden, vom kurzen Aufstieg über den Tag auf der Piste bis hin zur Tagestour. Der Benutzer muss hier selbst entscheiden ob ihm etwa die Performance eines weicheren Schuhs auf der Piste genügt, oder ob er mit einem relativ schweren und harten Schuh längere Touren gehen möchte.

 

Das sensible Leichtgewicht

Modelle mit einem Flex von etwa 80 waren bis vor kurzer Zeit das Härteste, was man an Tourenschuhen bekommen konnte. Heute können sie in diesem Bezug kaum noch vorn mithalten. Sie bieten dem tourenaffinen Freerider ein relativ niedriges Gewicht und recht komfortable Aufstiegseigenschaften, da sie meist auch weniger Vorlage und einen niedrigeren Schaft haben als die härteren Schuhe. Ihr Einsatzbereich liegt hauptsächlich bei langen Aufstiegen sowie Tages- und Mehrtagestouren, wobei die Abfahrtsperformance ein wenig in den Hintergrund rückt, vor allem wenn man die Bequemlichkeit im Aufstieg besonders schätzt. Nicht vergessen sollte man hier, das auch mit diesen Schuhen steile Nordwände, enge Couloirs und eisige Pisten problemlos befahren werden können, ausreichendes Skikönnen vorausgesetzt.

Wie immer gilt beim Ski- und Tourenskischuhkauf, dass eine persönliche Anprobe sowie gegebenenfalls Beratung und ein Anpassen der Schuhe unbedingt erforderlich sind. Blind im Internet kaufen hat beim Skischuhkauf erfahrungsgemäß in den wenigstens Fällen zu glücklichen Ergebnissen geführt.

 

Are you ready boots? Start walkin'! (Nancy Sinatra)

PowderGuide-Tipp

Ab Mitte Januar gibt es in den meisten Shops noch fast alle Modelle zur Auswahl – meist sind zu dieser Zeit auch mittlere bis große Preisrabatte bereits möglich.

 

 

Haftungsausschluss

- Nicht in der Auflistung ist der Salomon Quest. Sobald Informationen zu diesem Modell vorhanden sind, werden diese nachgereicht.

- Lange Blaster Pro und Superblaster werden je nach Land auch Banshee Pro bzw. Superbanshee bezeichnet.

- Der Salomon Flex Index gibt die Nachgiebigkeit des Skischuhs an. Je höher der Wert, desto härter der Schuh. Der Wert 100 wird im allgemeinen als "hart" bezeichnet. Die Skala beginnt für Erwachsenenschue bei etwa 40 und endet bei ~150 für frei im Handel erhältliche Ski- und Tourenschuhe.

- Leider war bei den Damenmodellen keine Einordnung bezüglich der Flexhärte möglich, da die Füße der Autoren beim besten Willen nicht hineinpassen und die Schuhe neu und wenig verbreitet sind. Der Flex steht aufgrund des geringeren Gewichts der weiblichen Freerider in Relation zum entsprechenden Herrenmodell.

 

Text & Grafiken: Lorenzo Rieg, Marius Schwager