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Langzeittest | Salomon Guardian WTR 16

Freeridebindung mit Tourenfunktion

29.03.2014

Ich habe die Salomon Guardian nun schon über eine Saison Zeit im Einsatz und es ist Zeit ein Fazit zu ziehen. Von Andermatt bis Alaska und von Bruchharsch bis bodenlosen Powder hat die Bindung einiges mitzumachen gehabt und ich will darüber berichten…

Angefangen beim Unwichtigsten, dem Aussehen, und dem schwer zu Bewertenden, dem Material:  Ob da nun rosa Elefanten drauf sind oder nicht, ist mir und den Meisten im Gelände egal, aber sie sieht nicht nur funktionell aus, sondern ist auch durchdacht. Wobei einige Plastikteile auffallen, die dem Salomon S916 und S920 oder STH Fahrer spanisch vorkommen könnten. Aber der Mangel an Metall hat sich bis dato nicht negativ bemerkbar gemacht und das Satte geliebte Klacken der Salomon Bindungen ist auch hier vorhanden. Die Gewichtsersparnis ist bei einer Bindung mit Aufstiegsfunktion natürlich wichtig, geht aber hier nicht zu Lasten des Freerideeinsatzes. Konkurrenz muss die Techbindungsfraktion beim Thema Gewicht natürlich nicht befürchten, aber das war ja auch nie der Plan bei der Guardian.

Fahrverhalten und Auslösefunktion

Ich habe mich vorher gefragt ob man die geringere Standhöhe im Vergleich zur alten Duke bemerken würde oder nicht, und muss sagen: Ja, genau wie bei der Dynafit ist tiefer stehen auch im mm-Bereich deutlich bemerkbar und äußert sich, rein subjektiv, in einem besseren Fahrverhalten beim Freeriden. Da hier Geschmäcker verschieden sind, kann meine Einschätzung keine Allgemeingültigkeit beanspruchen.

Die Bindung fährt sich solide und macht jeden Schnee und jede Geschwindigkeit mit. Dadurch vermittelt sie Vertrauen, was man bei Pin-Bindungen meiner Meinung nach (ich spreche hier aus Erfahrung) nur im geschlossenem Modus oder (möglicherweise) mit der neuen Beast bekommt. Es ist also möglich das STH16 bzw. S916 Gefühl mit Aufstiegsfunktion zu bekommen.

Die Aufstiegsfunktion

Was für Bergenthusiasten ein Ausschlusskriterium wäre, ist natürlich das Gewicht der Bindung. Aber mit einer Bindung wie der Guardian steigt man im Normalfall auch keine 2000 Höhenmeter auf,  sondern unternimmt Freeridetouren mit Liftunterstützung und normale Touren bis knapp über 1000-1200 hm. Und die kann man guten Gewissens in Angriff nehmen. Die Aufstiegsfunktion funktioniert einwandfrei und auch das Verstellen der Steighilfe funktioniert problemlos mit einem Skitock. Einzig die zwei Stufen könnten etwas mehr und/oder steiler sein. Bemerkenswert praktikabel ist der Wechsel vom Aufstiegs in den Abfahrtsmodus, der auch bei viel Schnee und klebrigem Schnee ohne Abschnallen möglich ist wenn man kurz den Ski  hoch hebt, gegen die Bindung „klappert" und dann mit Gewicht „einsteigt". Keine eisigen Finger mehr beim Hebel umlegen!

Problematisch bei feuchtem Schnee im Aufstieg ist die Ansammlung von Schnee unter dem Vorderfuß. Ich habe vorsorglich bei einigen Touren ein, zwei Mal während des Aufstiegs den Schnee entfernt, weil das nach einem großen Hebel und eventuell herausgerissenen Schrauben aussieht, wenn man sich dann hinten drauf stellt. Dies ist nicht nur bei wirklich feuchtem Schnee zu beobachten gewesen, sondern auch bei normalem Powder. Hier besteht noch Nachbesserungsbedarf.

Fazit

Alles in Allem eine ernsthafte Alternative auf dem Markt der Freeridebindungen, mit der man fast die eierlegende Wollmilchsau bekommt. Freeridende Gewichtsfetischisten greifen wohl tief in den Geldbeutel und holen sich die Dynafit Beast. Allen Anderen ist mit einem Freeridesetup mit der Guardian und einem Tourensetup wohl eher geholfen, weil man da auch jeweils einen optimalen Ski unter die jeweilige Bindung packen kann.

 

Vor- & Nachteile

+ niedrige Standhöhe
+ tolles Fahrverhalten
+ gute Haltbarkeit durch Metallverarbeitung
- hohes Gewicht
- Schneeansammlung unter dem Vorderbacken
- nicht empfohlen für die Verwendung mit Tourensohlen (lediglich für Alpinsohlen und die Salomon eigenen WTR-Sohlen)

Details

Freeski-Stopper vermeiden das Hängenbleiben bei Switch-Landungen
Schnelles Umschalten zwischen Hike- und Ride-Modus
Chassis mit niedrigem Profil für höhere Stabilität und besseres Feedback vom Gelände
Oversized-Plattform für maximale Kraftübertragung
Kompatibel zu WTR-Sohlen und Alpinsohlen
Automatische Einstellung der Seitenflügel
Hohe seitliche Impulsübertragung für mehr Präzision und Kontrolle

Hier geht's zur Website des Herstellers mit mehr Informationen und hier geht's zu unserem Partnershop wo ihr die Bindung kaufen könnt.

 

Kommentare
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baroncznary 06.04.2014 | 11:58 Uhr

Das Auslaiern hatte ich bis dato nicht. Bei ca. 35 Tagen. Habe ich aber bereist von einigen gehört.

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Booster 04.04.2014 | 14:23 Uhr

Das wichtigste an der Guardian ist der Unterschied Standhöhe vorne/ hinten = Ramp Angle/ Bindungsdelta: von 5mm (wie Jester oder PX18). Duke & Adrenalin haben hier etwa 0mm, der Grund warum viele das Fahrgefühl der Duke nicht mögen. Btw. Beast hat im Dynafit Schuh umgerechnet ca. 2-3mm Delta (wie Tyrolia und Salomon Bindungen).
Flach gehen ist mit der Guardian sehr unangenehm, da die Steighilfe unter der Bindung liegen muss, so dass sie nicht einrastet und hat so immer einen gewissen Steigwinkel. Das können Duke und Adrenalin besser. Auch das Verstellen der Steighilfe kann die Konkurrenz besser.
Wie alle Freeridebindungen "leiert" die Guardian entsprechend der Einsatzhäufigkeit aus und bietet eine immer weniger direkte Verbindung mit dem Ski.