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Langzeit-Test Snowpulse Lawinenairbag Lifebag Modell 2009/10

Der Lawinen-Airbag-Rucksack im Freeride-Test

16.02.2012

Auf dem Lawinen-Airbag-Markt hat sich viel getan. Das ist gut so! Neben ABS sind nun auch von BCA, Mammut und Snowpulse-Airbagrucksäcke verfügbar. Letztere haben das Interesse unseres Testers German Wehinger geweckt. Er nimmt seinen Snowpulse Lifebag unter die Freeride-Testlupe.

Es tut sich was auf dem Lawinen-Airbag Markt! Seid der Präsentation des ersten ABS auf der ISPO 1985 sind nun mehr als zwei Jahrzehnte vergangen. Erst 2008 kommt so wirklich Bewegung in den Nischenmarkt. Bis dahin war ABS der einzige ernstzunehmende Anbieter. Nach und nach versuchen immer mehr Anbieter sich ein Stückchen vom Freeride-Sicherheitsausrüstungs-Marktpotential zu sichern. Mit der Einführung des „Lifebag System“ von Snowpulse (mittlerweile zu 100% von Mammut übernommen) wurde ein neuer Ansatz präsentiert. Snowpulse bewirbt besonders das Lifebag System mit der Head on Top Technology und dem Schutz vor mechanischen Verletzungen im Kopfbereich. Neben diesem innovativen Ansatz verfolgt der Anbieter dasselbe Ziel, wie alle anderen: eine Verschüttung durch eine Lawine aktiv zu verhindern bzw. im Falle einer Verschüttung vor allem die Verschüttungstiefe zu reduzieren.

Das Lifebag System in der Praxis

Der Airbag ist in den Trägern verstaut und kann nach dem Auslösen unter Berücksichtigung der Falttechnik (Anleitung) sehr schnell und einfach wieder versorgt werden. Die Auslösung funktioniert über einen Seilzug, der mit der Patrone verbunden ist. Das Anbringen des Seilzuges ist völlig unkompliziert. Sobald der Auslösemechanismus gezogen wird, durchsticht eine Nadel die Patrone und der Airbag füllt sich nach ca. 3 Sekunden (Selbsttest) zur Gänze. Der Griff kann ebenfalls im Träger verstaut werden, was aber ein furchtbares „Gefummle“ ist, bis der Auslösegriff ausgepackt oder verstaut ist. Hier verspricht der neue Griff (ab Modell 2011) eine Verbesserung. Ich habe mir diesen nachgerüstet. Der erste praktische Einsatz war aber nicht berauschend. Der neue Auslösehebel ist meiner Ansicht nach zu steif und er verdreht sich während dem Fahren, aber trotzdem ist eine Verbesserung im Vergleich zum alten. Wenn der Reißverschluss nicht zur Gänze geöffnet wird, ist der Griff so gut fixiert, dass es akzeptabel ist. Die Skier können seitlich oder diagonal befestigt werden. Weiters besitzt er eine Halterung für einen Eispickel (ein weiterer wäre von Vorteil), eine Schlaufe für Karabiner am Bauchgurt und eine abnehmbare Helmhalterung. Am Bauchgurt ist links eine kleine Tasche. Die Tasche ist mittels Klettverschluss fixiert unter der die Beinschlaufe verstaut wird. Diese Fixierung ist suboptimal gelöst, da sie sich lockert und die Beinschlaufe immer wieder rausfällt.

Die Innenorganisation des Airbags

Der Airbag hat zwei große Fächer. Das vordere Fach ist für Schaufel und Sonde. Das Fach hat dafür spezielle Einschubtaschen. Hier können auch noch die Felle und wenn noch Platz ist, nasse Kleidung verstaut werden. Das große Stauchfach ist puristisch ausgestattet mit Fächern wie Trinkbeutelvorrichtung und ein Reißverschlussfach für kleinere Sachen (Brille, Geld, Riegel...) die schnell im Zugriff benötigt werden sowie einer Möglichkeit die Skibrille zu verstauen.

Die verstaute Airbag in den Trägern stört nur zu Beginn, da es ein ungewohntes Gefühl ist. In der Benützung (ca. 100 Tagen) wurden von mir keine Nachteile festgestellt. Die verschiedenen Straps an den Trägern und dem Brustgurt ermöglichen eine feine Abstimmung an die eigenen Bedürfnisse.

Die offensichtlichen Gebrauchsspuren

Nach meinem subjektiven Empfinden ist der Materialverschleiß überdurchschnittlich hoch. Ich vergleiche es u. a. mit meinem Heli Dakine Pro oder dem Deuter Bike Rucksack, der Schlamm und Dreck ausgesetzt ist, aber immer noch besser ausschaut, als mein Snowpluse, der „nur“ Wind, Schnee und Regen ausgesetzt war. Auch der Schutz gegenüber den Skikanten ist unterdimensioniert. Meine Straps sind schon angeschnitten und am Rucksack sind mehrere gut erkennbare Reibstellen. Die abgenützten Stellen sind nach Aussage des Herstellers "normal". Dies ist bei einer solchen Beanspruchung zu erwarten.

Das ausgelöste Lifebag System

Bei aufgeblasenem Airbag ist die Kopffreiheit eingeschränkt, aber das Blickfeld ist groß genug, um nach vorne Gas zu geben. Meine persönlichen Erfahrungen sind, dass einem bei einer Lawine die Skier regelrecht weggezogen werden und es nur wenig Möglichkeit gibt der Lawine zu entkommen – die sofortige Auslösung ist in den meisten Fällen die einzige Lösung. Weiters ist mir unangenehm aufgefallen, dass sich die Bauchverschlussschnalle über den Tag lockert. Beim Service von Snowpulse wurde mir versichert, dass es keine Beanstandung an der Schnalle und Gurt gibt und alles in Ordnung ist. Leider sieht die Praxis anders aus und der Gurt lockert sich immer wieder, was etwas nervig ist.

Stärken

- Kopf ist stabil gesichert - Reduktion der mechanischen Verletzungen
- auf Bauchlage keinen direkten Schneekontakt mit dem Kopf

Schwächen

- verschweißte Nähte bekommen Risse (lt. Hersteller werden zukünftige Modell keine mehr besitzen)
- schneller Materialverschleiß bei beanspruchten Stellen
- keine Mehrzweckverwendung (Sommer/Winter) des Rucksacks

Übersicht der Merkmale

Volumen: 150 l
Material Rucksack: Kodra 500 et 1000 deniers
Material Airbag: Polyamid 6.6
Größe: L ab 175 cm und größer
Reißverschluss: YKK, wasserfest
Fächer: 2 Fächer, davon eines für feuchtes Material (Felle, Schaufel. . .). Platz für das
Trinksystem
Innentasche: 1 gepolsterte Aufbewahrungstasche für Brillen, Schlüssel, Brieftasche…
Zubehör: Kompressionsgurte. Stockhalterung. 1 abnehmbarer Gurt erlaubt das Befestigen
eines Snowboards (frontal) und/ oder Skiern (diagonal oder seitlich). Abnehmbares
Tragenetz für Helm. Integrierte Führung für Trinksystem in den Trägern. Eine Tasche am Bauchgurt.
Gewicht: 2.900 (+/- 50g) inkl. lt. Hersteller

Fazit

Das Lifebag System ist eine Bereicherung für den Markt und die Kunden. Die Head on Top Technology eine neue Methode zum Schutz vor mechanischen Verletzungen im Kopfbereich. Die Qualität des Material hat mich jedoch nicht vollständig überzeugt. Hier besteht meiner Ansicht noch Entwicklungspotential. Für den Preis von ca. 800 EUR darf man als Kunde meiner Meinung nach diesen Punkt betreffend mehr erwarten. Das 30 Liter Modell eignet sich optimal für Tagestouren und Slackcountry-Skiing. Für größere Unternehmungen oder mehrtägige Skitouren ist er jedoch zu klein.