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ISPO Report 2017 | Lawinensicherheitsausrüstung

Neues LVS von Mammut, leichte Kartuschenairbagsysteme von BCA und Alpride

05.02.2017

BCA und Alpride haben nun ähnlich leichte und kleine Airbagysteme wie die anderen Hersteller. Manche Firmen, die bisher Airbagsysteme für ihre eigenen Rucksäcke zugekauft haben, nehmen diese nach umsatzschwachen Wintern komplett aus dem Programm. Von Mammut gibt es vollständig überarbeitete Barryvox LVS Geräte - eines im mittleren Preissegment und ein High End Gerät.

BCA Float 2.0 add_circle
BCA Float 2.0

BCA und Alpride haben nun ähnlich leichte und kleine Airbagysteme wie die anderen Hersteller. Manche Firmen, die bisher Airbagsysteme für ihre eigenen Rucksäcke zugekauft haben, nehmen diese nach umsatzschwachen Wintern komplett aus dem Programm. Von Mammut gibt es vollständig überarbeitete Barryvox LVS Geräte - eines im mittleren Preissegment und ein High End Gerät.

Airbags - Kartuschensysteme

Ortovox, Mammut und Arva haben bereits letztes Jahr ihre neuen, leichteren Airbagsysteme präsentiert. Von Mammut gibt es dieses Jahr ein zusätzliches Rucksack Modell mit dem R.A.S. System (Flip, 22l). Arva hat das Reactor Sortiment ebenfalls erweitert (diverse Modelle zwischen 15l und 40l) und die Rucksäcke etwas überarbeitet (z.B. Trägersystem).

BCA: Float 2.0
Auch BCA haben ihr bewährtes Float System nun überarbeitet und einer Diät unterzogen. Das neue Airbagsystem wiegt (ohne den Rest des Rucksacks) laut Angabe von BCA nur noch 637 Gramm – damit zieht BCA hier in etwa gleich mit anderen Herstellern, die sich bereits letztes Jahr auf der ISPO einen Wettkampf um das leichteste Airbagsystem geliefert haben und dieses Jahr nur kleine Änderungen präsentieren. Der Float 2.0 Speed 27 Rucksack wiegt komplett etwa 2.5 Kilo. Die Kartuschen sind wie bisher mit normaler Atemluft befüllt. 

Die Gewichtsersparnis beim Float 2.0 System wurde vor allem durch ein effizienteres Gebläse erreicht, was es möglich macht bei gleicher Leistung eine kleinere Kartusche zu verwenden. Das Float 2.0 System passt vollständig, also inklusive der Kartusche, in das separate Airbag Fach. Der restliche Stauraum im Rucksack bleibt frei, das heißt man muss nicht mehr um die Kartusche herum packen und das Volumen ist besser nutzbar. Der Float 2.0 Speed 27 ist ein eher minimalistischer Rucksack - auch die sonstige Ausstattung wurde gegenüber den nach wie vor erhältlichen Float 1.0 Rucksäcken abgespeckt. Das Float 2.0 System kann, wie auch die Vorgängerversion, komplett ausgebaut werden, wenn man mal noch etwas mehr Gewicht sparen möchte. 

Alpride: Alpride ist ein Airbagsystem, das bei verschiedenen Rucksackherstellern verbaut wird, ohne dass Rucksäcke unter dem eigenen Label angeboten werden. Das Alpride System wurde ebenfalls überarbeitet und ist nun in der Version 2.0 kleiner, leichter und kompakter im Rucksack unterzubringen. Das Gewicht des Airbagsystems bewegt sich mit 690 Gramm in der gleichen Liga wie bei den anderen Herstellern. Von Scott gibt es einen 20l und einen 30l Rucksack mit dem Alpride 2.0 System. Millet verbaut ebenfalls Alpride, genauso wie Ferrino und die neue Firma Integrated Avalanche System (siehe unten).

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Integrated Avalanche System add_circle
Integrated Avalanche System

Airbags - Elektronische Systeme

Pieps/ Black Diamond – Es gibt ein Softwareupdate für alle Jetforce Rucksäcke. Dieses kann in den Jetforce Service Centern vorgenommen werden. Unter anderen wird durch das Update die Motorkontrollle verfeinert. Außerdem gibt es mit dem Update nun einen speziellen, energiesparenden Lagerungsmodus. (Um sicherzustellen, dass der Motor beim Anschalten schnell hochfährt, sind die Jetforce Rucksäcke auch im eigentlich ausgeschalteten Zustand nicht komplett aus und verbrauchen ein wenig Strom.)

Arc'teryx – keine Neuerungen am letztes Jahr präsentierten Voltair.

Kombisysteme Airbag und Atemhilfe

Die italienische Firma Ferrino produziert wie gehabt Rucksäcke, die sowohl über ein Airbagsystem (Alpride) verfügen, als auch über ein Avalung-ähnliches Atemsystem (Airsafe) und einen Recco Reflektor. Im einen Rucksackgurt ist der Atemschlauch verbaut, im anderen der Airbaggriff. Die Rucksäcke sind in 20l und 30l Versionen erhältlich.

Ferrino bekommt nun Konkurrenz von Integrated Avalanche System. Auch hier wird das Alpride System verwendet, das Atemsystem ist eine Eigenentwicklung. Im Gegensatz zur Avalung und dem bei Ferrino verwendeten Airsafe befindet sich das Ventil hier direkt am Mundstück. Dadurch wird erstens der tote Raum verringert, durch den die Luft gesaugt werden muss, andererseits spart man sich die etwas sperrige Ventilbox an der Schulter des Rucksackgurts (dafür ist der Griff ein wenig umfangreicher). Außerdem werden bei Integrated Avalanche System Airbag und Atemsystem mit der gleichen Bewegung aktiviert – man zieht am Griff und steckt ihn dann in den Mund. Die Entwickler halten es für unrealistisch, dass irgendjemand bereits mit dem Schlauch im Mund losfährt. Diese Handhabung wird bei der Avalung und von Ferrino empfohlen.

Derzeit gibt es einen 24l Rucksack von Integrated Avalanche System für den der UVP bei 850€ liegen soll. Bis zur Saison 2017/18 sollen noch ein kleineres und ein größeres Modell dazu kommen. Bevor die Rucksäcke im Handel erhältlich sein werden, ist ein Presale geplant, bei dem man sie zu etwas günstigeren Preisen vorbestellen kann. 

Airbags Sonstiges

Aerosize Konzept. add_circle
Aerosize Konzept.

Das polnische Startup Aerosize existiert seit ganzen 4 Monaten und präsentierte auf der ISPO erstmals seine neue Airbag Idee: die bisher noch etwas unförmig wirkenden Airbags werden nicht komplett durch Druckluft in einer Kartusche aufgeblasen, sondern verfügen über eine Art Rahmen. Dieser wird mit der Kartusche aufgeblasen und spannt den Rest des Ballons auf. Um diesen prall aufzublasen, wird Luft irgendwie von außen angesaugt (?). Man verspricht sich so ein insgesamt wesentlich kleineres, leichteres System. Da man nicht den ganzen Ballon aufblasen muss, reicht eine kleinere Kartusche. Durch das geringe Volumen soll es möglich sein, das System nicht nur in Rucksäcken unterzubringen, sondern auch in Westen und einer Art Brustgurt, der unter beliebigen Rucksäcken getragen werden kann.

 

Einige Firmen, die in den letzten Jahren Airbagsysteme für ihre eigenen Rucksäcke zugekauft haben, haben ihre Airbaglinien komplett aus dem Programm genommen. Deuter und Vaude haben keine Airbags mehr, da man damit offenbar keine Gewinne mehr erzielen konnte. Auch den POC Jetforce Rucksack gibt es nicht mehr. Evoc hingegen produziert weiterhin Zip On Aufsätze für das ABS System.

Mammut Barryvox und Barryvox S (rechts) add_circle
Mammut Barryvox und Barryvox S (rechts)

LVS Geräte

Von BCA, Arva und Ortovox gibt es keine Neuerungen. Von Pieps gibt es das erste Softwareupdate für das letztes Jahr vorgestellte Pieps Micro. Mit dem Update wird die angegebene Suchstreifenbreite auf 50 erhöht und es können Lithiumbatterien verwendet werden. Bei Pieps merkt man an, dass man die angegebene Suchstreifenbreite nicht aus der Leistung der Antennen theoretisch ausrechnet, sondern mittels Schachbrettversuchen im Gelände ermittelt. Außerdem gibt es das Pieps Micro jetzt in verschiedenen Farben.

Mammut: Barryvox S
Mammut bringt eine neue Version des Barryvox heraus und zwar in zwei Varianten: Das Barryvox (UVP 280 €) und das Barryvox S (UVP 380 €). S steht für Super. Die Neuentwicklung wurde nötig, da man mit den alten Pulse und Element Geräten an Grenzen im Bereich der Hardware gestoßen war, die mit Softwareupdates nicht mehr zu überwinden waren. Bei beiden neuen Geräten werden drei Punkte betont: 1. höhere Leistung, 2. einfacheres Handling, 3. schnellere Rettung, da einfacher zu bedienen.

Beide Geräte verfügen über alle der mittlerweile zum Standard gehörenden Features - von der Markierfunktion bis zum Gruppencheck Modus. Die Suchstreifenbreite wird mit 70 Metern angegeben. Außerdem wird betont, dass die Y Antenne nun mehr oder weniger ebenso stark ist, wie die X Antenne, wodurch das Empfangsfeld kreisförmig wird. Gleich oder ähnlich starke Antennen verringern den Einfluss ungünstiger Koppellagen auf die Empfangsreichweite.

Die Knöpfe zum ein- und ausschalten sowie zum Markieren sind sehr orange und heben sich farblich deutlich vom restlichen Gerät ab, was der Sinn der grellen Farbe ist. Das Barryvox hat keine weiteren Knöpfe. Das Barryvox S hat zusätzlich an der Seite unauffälligere Scroll-Knöpfe, mit denen man durch das Menu navigieren kann. Das Menusystem zum Scrollen ist an Handy-Menus angelehnt, für möglichst simple Bedienbarkeit.

Das Display beim Barryvox und Barryvox S ist deutlich größer als bei den älteren Modellen und offenbar auch mit polarisierten Brillengläsern gut lesbar. Beim Barryvox S ist das Display noch etwas größer als beim Barryvox ohne S und kann auch etwas mehr. Die Smart Search Funktion beinhaltet einen Richtungspfeil, der sich nicht nur dreht, wenn man sich bewegt, sondern sich auch ums Eck krümmt, wenn man in die falsche Richtung läuft. Unterschiedliche Pieptöne weisen zusätzlich darauf hin, wenn man nicht richtig dem Pfeil folgt. Für jede Suchphase werden am Display schematisch Handlungsanweisungen angezeigt. Die Auto Guidance Funktion überbrückt Phasen, in denen man etwa durch Signalüberlagerungen das richtige Signal verliert und schickt einen trotzdem in die richtige Richtung.

Das große Ziel der neuen Barryvox Geräte ist es, das Handling einfacher und die Suche intuitiver zu gestalten. Auch und eigentlich gerade für Einsteiger wird das teurere Barryvox S empfohlen, da es auf dem Display mehr Unterstützung bei der Suche gibt. Die Daseinsberechtigung des kleinen Bruders ohne S sieht Mammut darin, dass sich mancher kein teures Gerät leisten kann. Das Barryvox ohne S verfügt über die gleiche Hardware und damit Such- und Empfangsleistung wie das Barryvox S. Für den geringeren Preis muss man auf gewisse Extras verzichten. Das kann und soll durch etwas mehr Üben ausgeglichen werden. Speziellere Funktionen des Barryvox S, wie etwa unterschiedliche Profile je nach Anwendungsbereich, verstellbare Autorevertfunktion u.ä. sind eher für den professionellen Bereich und die organisierte Rettung interessant.

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ABS Snowboard Auslösesystem Griff (wie bei P.Ride) add_circle
ABS Snowboard Auslösesystem Griff (wie bei P.Ride)

Weiteres sonstiges

Ortovox haben ihre Schaufeln und Sonden überarbeitet. Die Sonden wurden mit zusätzlichen Farbmarkierungen versehen, durch die man besser erkennen soll, wenn man plötzlich weniger tief sondiert, also z.B. statt auf den Boden auf einen Verschütteten sondiert hat. Es gibt zudem eine Schaufel mit im Griff integrierter Säge und Schaufeln mit Hackfunktion. Die Schaufelblätter und Griffe sind unter den verschiedenen Modellen kompatibel.

Pieps bietet die i-probe jetzt endlich auch in 300cm Länge an. Die bereits bekannten Schaufelmodelle (mit Säge, mit Hackfunktion, mit geschwungenem Griff, usw.) gibt es nach wie vor, ebenso Zubehör wie den Pieps Checker und den Hangneigungsmesser 30° Plus.

ABS präsentiert gemeinsam mit der Firma Avalanche Float statt einem neuen Airbagrucksack dieses Jahr ein System, das Snowboardbindungen im Falle einer Lawine von den Füßen löst. Über den Airbaggriff am Rucksack wird per Bluetooth ein an die Bindung angebrachtes System („Resero") gezündet, das an den Bindungsstraps installierte Pins löst (?), so dass diese aufgehen. Das System löst nicht sofort aus, wenn der Griff gezogen wird, da man zu diesem Zeitpunkt ja vielleicht noch fährt und eine Chance hat, aus der Lawine auszufahren, sondern erst wenn ein „Sturzsensor" meldet, dass man hingefallen ist. Das System ist mit normalen Softbootbindungen (Straps, Highback) kompatibel. Es wird sowohl einzeln als auch in Kombination mit den P.Ride Airbags erhältlich sein. Einzeln liegt der UVP bei 400€. Das System ist auf die P.Ride Technik aufgebaut - diese letztes Jahr präsentierte Erfindung von ABS erlaubt es, Airbags von anderen Personen mittels Funkverbindung auszulösen.

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Recco hat die großen Empfänger für die Suche aus der Luft (Wasserball große Kugeln, die an einem Tau unter dem Hubschrauber hängen) verkleinert und leichter gemacht. Sie wiegen nun ca 60kg und sind 40cm hoch. Die Empfänger haben einen Footprint von etwa 200m. Das ermöglicht das Absuchen von einem Quadratkilometer in 3 bis 6 Minuten aus dem Hubschrauber. 4 dieser Empfänger sind bereits in den Westalpen im Einsatz, 11 weitere sollen über die Alpen verteilt folgen. Die 60 Kilo Kugeln sind natürlich nicht zu verwechseln mit den kleinen, inzwischen wirklich recht handlichen Empfängern für Skifahrerlawinen, bei denen es nicht darum geht, mehrere Quadratkilometer abzusuchen.

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