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ISPO News 2020 | Lawinensicherheitsausrüstung

Neue LVS Geräte von BCA und Arva, ABS erfindet sich neu, interessanter Schneedeckenscanner

26.01.2020

BCA und ARVA bringen nächste Saison jeweils ein neues LVS-Gerät, wobei es sich eher um generalüberholte Versionen bekannter Modelle handelt als um grundlegende Neuerfindungen. Die verschiedenen Airbagsysteme bleiben unverändert und werden lediglich in neue Farben verpackt. Gänzlich neu scheint nur ein Mikrowellenscanner, der "Schneeprofile" aufnimmt.

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BCA Tracker 4

BCA und ARVA bringen nächste Saison jeweils ein neues LVS-Gerät, wobei es sich eher um generalüberholte Versionen bekannter Modelle handelt als um grundlegende Neuerfindungen. Die verschiedenen Airbagsysteme bleiben unverändert und werden lediglich in neue Farben verpackt. Gänzlich neu scheint nur ein Mikrowellenscanner, der "Schneeprofile" aufnimmt.

BCA – Neu: Tracker 4

Backcountry Access (BCA, gehört zu K2) stellt die vierte Generation des Tracker vor. Der Tracker 2 gehört mittlerweile endgültig der Vergangenheit an und ist offiziell nicht mehr in der Produktpalette vertreten. Die LVS Palette von BCA besteht nun aus Tracker S, Tracker 3 und dem neuen Tracker 4, wobei der Tracker S eine preisgünstigere, funktionell leicht abgespeckte Version des bisherigen Topmodells Tracker 3 ist. Mit dem Tracker 4 gibt es nun ein neues Highend Modell, dass mit diversen Updates und verbesserten Features ausgestattet ist, sich bezüglich Handling und Design aber bewusst an den Vorgängermodellen orientiert: „Wer einen Tracker 3 bedienen kann, soll den Tracker 4 wie gehabt benutzen können, ohne sich umgewöhnen zu müssen.“

Kernstück der Neuerungen beim Tracker 4 ist ein schnellerer Prozessor, der auch bei Mehrfachverschüttungen das „Real Time Display“ am laufen hält. Die Reichweite ist gleich wie beim Tracker 3. Abgesehen vom Prozessor Update hat der Tracker 4 verglichen mit dem Tracker 3 ein helleres Display und die Pieptöne sind lauter und deutlicher. Zudem gibt es eine optional aktivierbare Autorevert Funktion. Eine App fürs Geräte Management ist aktuell in Arbeit, wird aber voraussichtlich erst 2022 fertig.

Bei den BCA Float Airbagrucksäcken gibt es neue Farben aber keine wesentlichen Änderungen.

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Arva Neo Pro add_circle
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Arva Neo Pro

ARVA – Neu: Neo Pro

Bei Arva werden die Modelle Evo 4 und 5 wie gehabt weiter geführt, das Axio gibt es hingegen nicht mehr. Als Grund für den Abschied vom Axio wurde die teure Herstellung genannt und die Problematik, dass man bei Arva zwar in Frankreich fertigt, aber die benötigten elektronischen Kleinteile auf dem asiatischen Markt bezieht, der auf deutlich größere Bestellmengen ausgelegt sei, als man bei Arva benötigt. Stattdessen hat man nun mit dem Neo Pro ein neues Gerät, das in enger Kooperation mit den Pisteurs von Tignes von Val D'Isere entwickelt wurde und sich in einigen Details an deren Wünschen orientiert. Da man so einige Hundert garantierte Abnehmer hat, rechnet sich das offenbar.

Die wichtigste Neuerung ist die Möglichkeit, flexibel per Knopfdruck in den Analogmodus umzuschalten. Die Überlegung dahinter ist, dass die Signalsuche im Analogmodus weniger anfällig Geistersignale ist. Hat man im Ernstfall nicht sofort ein Signal, kann man also – so die Empfehlung – im Analogmodus mit der Signalsuche anfangen und in den digitalen Modus umschalten, wenn ein deutliches Signal vorhanden ist. Jederzeit einfach und schnell zwischen den Modi wechseln zu können, war wohl ein konkreter Wunsch der Pisteurs. Dass dies für den durchschnittlichen Anwender wohl weniger interessant ist, sieht man ein: Das Neo Pro ist das hochpreisige Modell der Arva LVS Palette und richtet sich gezielt an professionelle Anwender. Zum Vergleich: Bei Mammut findet die Signalsuche ohne Zutun des Benutzers zunächst im Analogmodus statt. Bei der weiteren Suche kann bei Bedarf in den Analogmodus geschaltet werden, wenn auch nicht ganz so einfach wie beim Arva Neo Pro. Bei Pieps muss man den Analogmodus zunächst mit der App aktivieren und kann dann ebenfalls bei Bedarf hin und her schalten.

Ansonsten verfügt das Neo Pro über die bei High End Modellen inzwischen üblichen Features, sowie über eine Autorevert Funktion, einen „Stand By Mode“, und die Möglichkeit, bei Mehrfachverschüttungen ein bestimmtes Opfer auszuwählen. Für das Neo Pro wird ähnlich wie beim Axio eine Suchstreifenbreite von 70m angegeben und „etwas mehr im Analogmodus“. Wie bei allen Geräten ist es hier bestimmt sinnvoll, einen Praxistest zu machen, um zu überprüfen, wie es sich bei schlechter Koppellage mit der Reichweite verhält. Im Analogmodus sucht bekanntlich nur eine Antenne.

Das Reactor-Airbagsystem von Arva hat sich nicht verändert. Es gibt nun zusätzliche Rucksackmodelle mit Wechselaufsätzem und entsprechender Base Unit, eine Art Weste mit eingebautem Minirucksack und spezielle Modelle, um Sprengstoff zu transportieren. Letztere haben grell orange Aufsätze (sonstige Unterschiede zu den anderen Modellen haben sich mir nicht erschlossen) und werden ebenfalls in erster Linie für die Bergrettung bzw. Pisteurs in Tignes und Val D'Isere produziert.

Arva hat auch überarbeitete Schaufeln und Sonden im Program. Die Änderungen hier sind in erster Linie farblicher Natur.

Rechts Pieps Race (=Micro Button) add_circle
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Rechts Pieps Race (=Micro Button)
Erweitere Produktpflege

Bei Pieps wird in erster Linie bewährtes weiter geführt, bei Schaufeln, Sonden und sonstigem Zubehör genauso wie bei den Jetforce Rucksäcken und LVS Geräten. Nach wie vor gibt es neben den „großen“ Modellen und DSP Nachfolgern Pro BT (Nachfolger von DSP Pro) und Powder BT (Nachfolger von DSP Sport) sowohl das Pieps Micro Sensor als auch das Pieps Micro Button. Anscheinend gibt es für Button und Sensor eine ausreichend große Abnehmerschaft, um beide anzubieten. Auch intern war man sich nicht sicher, ob das Button das Sensor komplett ablösen würde und man hatte die Vermutung, dass vor allem Skitoureneinsteiger am Micro Sensor gefallen finden würden. Offenbar ist es nun aber eher umgekehrt und viele professionellen Anwender bevorzugen das Micro Sensor, etwa im Führungsbetrieb.

Außerdem gibt es ab dieser Saison noch ein Pieps Micro Race, was sich aber ausschließlich in einem kleinen Farbdetail vom Micro Button unterscheidet, „damit es optisch zur Race Produktreihe passt“. Die Race Produktreihe beinhaltet einen minimalistischen Leichtrucksack, eine Schaufel ohne Teleskopstil, usw.

Alle elektronischen Geräte von Pieps (LVS, i-Probe, JetForce) sind mittlerweile Bluetooth fähig und über die Pieps-App können je nach Gerät individuelle Einstellungen vorgenommen und Geräteupdates durchgeführt werden. Das bietet diverse Möglichkeiten und Vorteile für unterschiedliche Anwendergruppen – Skischulen und Bergführerbüros schätzen die Option, die Ergebnisse von Gerätetests als pdf abzuspeichern als zusätzliche Absicherung (Beweis, dass man funktionierendes Material verwendet hat) und die Möglichkeit, Softwareupdates ohne Besuch beim Service Center durchzuführen, ist für jeden erfreulich.

Black Diamond bietet wie bisher umgelabelte JetForce Rucksäcke und LVS Geräte (Pieps Pro BT = BD Guide BT, Pieps Powder BT = BD Recon BT)

Bei den LVS Geräten von Mammut und Ortovox gibt es keine Neuerungen und auch die Airbagsysteme (Light Protection Airbag/ Removable Airbag bei Mammut, Avabag bei Ortovox) haben sich nicht verändert. Mammut hat neue Farben und ein neues 28l Airbagmodell mit kürzerem Rückenteil (Light Protection Airbag), was damit besser für kleinere TrägerInnen geeignet ist. Ortovox hat ebenfalls neue Farben und kleinere Designveränderungen bei den Rucksäcken.

 

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ABS A.Cross und A.Light add_circle
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ABS A.Cross und A.Light
ABS – neuer Look

ABS gehört seit Verkauf durch den ursprünglichen Inhaber zum Firmenkonglomerat Spin und trat dieses Jahr im neuen Look und in einer Art losen Einheit mit Bekleidungshersteller Pyua und dem Freeride Filmfestival bei der ISPO auf. Das ABS-Airbagsystem hat sich nicht verändert, aber die überschaubare Rucksackkollektion und auch die restlichen Produkte wurde im Zuge des Rebrandings komplett neu designt. Man hat bei ABS mit dem A.Light und dem A.Cross zwei neue Rucksäcke im Programm. Nur der A.Light (10l, modular erweiterbar auf 25l) verfügt über ein Airbagsystem. Die bekannten Modelle S.Cape und P.Ride bleiben in der Produktpalette, wurden aber nicht gezeigt. Helly Hansen ist der einzige Hersteller, der außer ABS selbst noch das ABS Airbagsystem verbaut (in einer Airbagweste).

Sowohl A.Light als auch A.Cross haben ein spezielles Fach, in dem man Schaufel, Sonde und Erste Hilfe Paket verstauen soll. Man kann das Fach öffnen, ohne den Rucksack abzusetzen, in dem man an einer Schlaufe zieht. Wenn man die ABS eigene Schaufel, Sonde, EH-Paket Kombi benutzt, lassen sich Sonde und EH-Paket in das Schaufelblatt klemmen, so dass dann alles auf einmal aus dem Fach fällt, und nicht die Einzelteile herum fliegen. Das Trägersystem wirkt ungewöhnlich, mir wurde aber versichert, dass es gut funktioniert.

Ansonsten hat ABS ein sogenanntes „Beacon“ vorgestellt. Das ist eine Art Knopf, den man auf Ski, Schaufel oder sonstiges Material kleben kann und der mit einer App kommuniziert. Man kann so „den Standort der Ausrüstung verfolgen“, was beispielsweise praktisch sei, um per App zu prüfen, ob man alles ins Auto gepackt hat. Dafür braucht man dann aber wohl ein Beacon für jedes Ausrüstungsteil, das man nicht vergessen will. Die interessantere Anwendungsoption ist vermutlich die Skisuche im tiefen Powder.

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Aerosize zusammen mit anderem Rucksack add_circle
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Aerosize zusammen mit anderem Rucksack

Die anderen

Auch das vor allem von Scott verbaute Alpride Airbagsystem hat sich nicht verändert. Die unterschiedlichen Hersteller haben geringfügige Änderungen an den das System beherbergenden Rucksäcken vorgenommen. Ferrino existiert wie gehabt und bietet die gewohnten Rucksäcke mit Airbag, Atemsystem und Recco an. Recco hat ebenfalls wie gehabt diverse Möglichkeiten im Angebot, um Recco Reflektoren irgendwo am Material zu befestigen, sowie natürlich das Handheld Recco Suchgerät und das große, potentere, das als große Kugel am Helikopter hängt.

Die Polnische Firma Aerosize, die schon in den letzten Jahren auf der ISPO vertreten war, hat ihr Produkt mittlerweile fertig entwickelt und wartet nur noch auf die TÜV Zertifizierung, die „in zwei bis drei Wochen“ kommen soll. Es handelt sich um ein Airbagsystem, das mit einer sehr kleinen Gaskartusche auskommt, weil nur eine Art Rahmen mit der Kartusche aufgeblasen wird. Der restliche, ungewöhnlich eckige Ballon wird mit angesaugter Luft gefüllt. Aerosize verpackt dieses System in einer Art Rucksackträger ohne Rucksack, das zusätzlich zu anderen Rucksäcken getragen werden soll. Wir sind gespannt, ob Aerosize es nun tatsächlich bald auf den Markt schafft und dort dann auch Anklang findet.

Die ganz anderen: Avametrix

Gänzlich neu dabei und auch hinsichtlich neuer Ideen gut im Rennen war das amerikanische Startup Avametrix mit dem AvyScanner. Ein gemischtes Team aus skitourengehenden, schneeaffinen Unternehmern und jungen Wissenschaftlern im recht großen und in Fachkreisen einigermaßen namhaften Radar-Innovation-Lab der University of Oklahoma hat gemeinsam ein Gerät entwickelt, das mittels Radar (Ultra-Breitband Mikrowelle) per Knopfdruck die Schneedecke scannt, das Ergebnis in ein leicht interpretierbares Härteprofil umrechnet und entsprechend auf einem Display darstellt. Das Gerät hat laut Avametrix eine Reichweite von mindestens 2 Meter in den Schnee hinein und eine ausreichende Auflösung, um dünne Schwachschichten zu erkennen.

AvyScanner add_circle
AvyScanner

Abgesehen von dieser Kernkompetenz ist das Avametrix Gadget auch GPS, Neigunsgmesser, Kompass und mit Hilfe eines kleinen Extrateils eine Art Mini-Wetterstation, die Temperatur, Feuchtigkeit und theoretisch sogar Windstärke misst. Man soll den „Wettersensor“ außen an den Rucksack hängen, um nicht das Wetter in der Jackentasche zu messen. Aus meteorlogischer Sicht ist Rucksackaußenseitenwetter in der Tat repräsentativer als Jackentaschenwetter, aber auch nicht unbedingt eine optimale Messung. Sämtliche Informationen, die das Teil misst, werden in ein künstliches neurales Netzwerk geworfen, dass dann noch ein bisschen Blackbox Zauberei vollführt und irgendwie das Härteprofil um einen weiteren Schritt verbessert.

Der Hauptvorteil des AvyScanners gegenüber digitalen Penetrometern (wie beispielsweise der Avatech Sonde) soll der vergleichsweise günstigere Preis sein und die Tatsache, dass man den AvyScanner nur in Richtung Schnee halten muss. Die Amerikanischen Entwickler – von Haus aus wesentlich mehr auf Schneedeckenuntersuchung gepolt als auf regelbasierte Methoden with 3x3 oder Stop or Go – stellen sich vor, dass jeder, der Schneeprofile gräbt, einen AvyScanner brauchen könnte. Am meisten Potential gibt es aber vermutlich im operationellen Betrieb von Skigebieten, die, wie in den USA typisch, viel „Inbounds“ Gelände sichern müssen.

Der AvyScanner passt in normale Jackentaschen und hat ungefähr Smartphonegröße, ist aber schwerer und etwas dicker. Das liegt vor allem an den darin verbauten Li-Ionen Batterien, die dafür sorgen sollen, dass das Gerät auch bei sehr tiefen Temperaturen zuverlässig funktioniert. Der Breitband Mikrowellen-Scanner an sich ist klein genug, dass man ihn zum Beispiel an ein Smartphone anbauen könnte, aber darauf wurde laut Aussage der Entwickler verzichtet, weil sich bei Smartphones im Outdooreinsatz zu schnell der Akku leert. Der AvyScanner befindet sich derzeit in diversen Zertifizierungsverfahren. Angeblich kommt er danach gleich auf den Markt, das entsprechende Kapital ist laut eigener Angabe vorhanden. Kosten soll das Gerät etwa 700€, bzw. „ungefähr soviel wie ein Airbagrucksack“.

Wir sind ein bisschen skeptisch, was die Massentauglichkeit des AvyScanners angeht und würden das Ding gern mal selber ausführlich ausprobieren, bevor wir wirklich dran glauben. Wenn es tatsächlich so funktioniert wie angepriesen, kann es zwar händisches Profilgraben nicht ersetzen, aber doch sehr wertvolle Zusatzinformationen bieten. Der Sinn des neuronalen Netzwerks war etwas vage definiert. Entweder geht es hier vermehrt um das schöne Buzzword, oder man möchte der Kundschaft die Theorie nicht zumuten. Das Grundprinzip des Geräts erscheint jedoch zumindest in der Theorie schlüssig und wenn das Ganze in handlicher Größe (oder vielleicht doch irgendwann als Handy-Anbau) und halbwegs bezahlbar umsetzbar ist, wäre das erfreulich. Wir verfolgen gespannt die weiter Entwicklung von Avametrix.

Fazit

Nach recht rapider Entwicklung hin zu immer leichteren Airbagsystemen in den letzten Jahren scheint hier erstmal Ruhe eingekehrt zu sein, beziehungsweise bewegen sich die Kartuschensysteme mittlerweile alle in einem vergleichbaren Gewichtsbereich. Bei den LVS-Geräten lässt die Neuerfindung des Rads auch auf sich warten. Hier wird dieses Jahr zwar teilweise optimiert und upgedated, aber große Würfe in neue Richtungen gibt es nicht - in der Vergangenheit ging das ja hier und da daneben und vielleicht hat man allseits gelernt, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Interessant scheint die teilweise Rückbesinnung auf die Vorzüge des Analogmodus, der mittlerweile bei vielen Herstellern zumindest optional wieder als Feature eingebaut ist. Arva als unabhängiger LVS Hersteller ohne größere Bekleidungsschiene oder Firmengruppe im Rücken scheint vorsichtig rechnen zu müssen, wenn sie langfristig weiter mit machen wollen. 

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