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Gear of the Week | Schlepplift

Eine Hommage an eine vom Aussterben bedrohte Spezies

18.01.2015

Es gibt sie als Tellerlifte, fingerfressende Rope-Tows (Neuseeländische Spezialität, siehe unten) oder als ziemlich perfekter T-Bar- bzw. Ankerlift. Gemocht habe ich Schlepplifte eigentlich schon immer. Leider werden sie, zumindest in den Alpen immer seltener. Grund genug also, diese kaum zu verbessernde Aufstiegshilfe (vermutlich ist gerade das der Grund, weshalb sie ersetzt werden) mit der Gear-of-the-Week-Kategorie zu adeln.

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Jonas Blum

Es gibt sie als Tellerlifte, fingerfressende Rope-Tows (Neuseeländische Spezialität, siehe unten) oder als ziemlich perfekter T-Bar- bzw. Ankerlift. Gemocht habe ich Schlepplifte eigentlich schon immer. Leider werden sie, zumindest in den Alpen immer seltener. Grund genug also, diese kaum zu verbessernde Aufstiegshilfe (vermutlich ist gerade das der Grund, weshalb sie ersetzt werden) mit der Gear-of-the-Week-Kategorie zu adeln.

Für mich sind Schlepplifte bis heute nahezu unerreicht. Was gibt es schöneres, als nahezu allein an einem langen Lift, während einem Schneesturm, die Sicht reicht nur 10 Bügel weit, im Powder unterwegs zu sein. Für mich ist das um vieles meditativer als Joga. Und weil Schlepplifte bei wirklich jedem Wetter in Betrieb genommen werden können, sind sie meine Lieblingslifte, – außer, es fehlt der Schnee…

Die beinahe unfehlbare Wikipedia-Enzyklopädie datiert die Inbetriebnahme des ersten Schlepplifts auf das Jahr 1907; wahrscheinlich ist das Datum korrekt, auch wenn das eigentlich nebensächlich ist. Und natürlich wurde der erste Schlepplift in, wir wissen es schon alle: – in Österreich, im schönen Vorarlberg errichtet. Die ersten „modernen“ Schlepplifte mit sich selbst einziehenden Bügeln wurden jedoch in der Schweiz in Betrieb genommen; etwa ab Mitte der 1930er. Insbesondere in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Hunderte, wenn nicht gar Tausende Schlepplifte, überwiegend mit T-förmigem Anker in den Alpen errichtet. Und teils laufen diese heute noch, teils sogar noch immer mit stinkigem Dieselmotor. Eine mir bis heute unbegreifliche Fehlentwicklung, und vor allem in Frankreich weit verbreitet, (dort werden manche Dinge bekanntermaßen anders gesehen werden, was jedoch eine andere Geschichte ist), sind die (Stangen-)Tellerlifte. Vor allem als früher Snowboarder habe ich diese fürchten gelernt: dank ihrer massiver Federung schwingen die Befestigungstangen beim Einsteigen – für Seitwärtsfahrer kaum kontrollierbar – hin und her: mehr als einmal  knallte sie gegen meinen Schädel. Natürlich fuhr man damals noch ohne Helm …

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Lea Hartl
Schlepplift
terrainTirol

Doch viel schlimmer und daher fast schon wieder gut, sind die hauptsächlich in den privaten Clubskigebieten Neuseelands verbreiteten Nussknacker- bzw. Nutcracker Lifte. Nein, ihr denkt vermutlich an das Falsche. Sie heißen deswegen so, weil man sich an einer Art breiten Leder-Gürtel (Könner verwenden einen Klettergurt, was viel bequemer ist) den Berg hinaufziehen lässt. Das Seil verläuft, – durchaus in beeindruckender Doppelmayer-Geschwindigkeit – etwa in Hüfthöhe. Da auch dieses Seil über Rollen läuft, klemmt man sich mit einer nussknackerähnlichen Klemmvorrichtung an seinen Gurt ans Seil und lässt sich rasend schnell den Berg hinauf ziehen. Low-tech, aber funktioniert. Neben der ernsthaften Gefahr, dass Finger abgetrennt werden und sich der erste Handschuh bereits nach drei bis vier Abfahrten auflöst, stellt diese Konstruktion, wenn man sie als Snowboarder im Rücken hat, eine der Fahrtechnik alles abverlangende Herausforderung dar. Gut, wenn man’s bzw. Frau’s drauf hat, fährt man halt switch. Aber was rede ich so lange: Snowboarder gibt es eh kaum noch,  und selbst ich fahre schon lange wieder Ski.

Einige meiner liebsten Schlepplifte stehen im heimischen Schwarzwald. Dort gab es bis vor einigen Jahren noch ein beeindruckend steiles Exemplar. Natürlich an einem, während 90 Prozent des Winters vereisten Nordhang, durch eine steile Waldschneise. Wenig Geübte kamen immer wieder die mehreren hundert Höhenmeter bis ins Lifthäuschen hinuntergesaust. Um eine wüste Kegelei mit Hinaufliftenden zu vermeiden, gruben die Lifties in stundenlanger Handarbeit meist ein schönes Seitwärtsgefälle in die Spur. Das reduzierte zwar die Kegelei enorm, dafür scheiterten die damals noch häufigen Snowboarder zu Hunderten. Natürlich steht heute an dieser Stelle ein ultra-moderner Sessellift …

Und da ich gerade beim Fortschrittsbashing, einem meiner Lieblingsthemen, angekommen bin: mit der Arschheizung in Sesselliften geht das Abendland zugrunde, und mit Pegida. Aber das ist eine ganz andere Geschichte …

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