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Einsteiger-LVS-Geräte mit fehlerhafter Markierfunktion

Ärger um mangelhafte Signalseparierung bei den Drei-Antennen-LVS-Geräten der Mittelklasse

23.04.2012

Mitte Januar 2012 hat "Kassensturz", das Schweizer Fernsehmagazin für "Konsum, Geld und Arbeit" alle aktuellen Drei-Antennen-Einsteiger- bzw. Mittelklasse-LVS-Geräte getestet. Der groß angelegte Versuch fand unter der Patronage des SLF statt, außerdem hat der führende LVS-Experte Manuel Genswein an diesem Test mitgearbeitet.

Durchgeführt wurde der Versuchs, um herauszufinden, wir gut ungeübte Sucher mit den aktuellen Drei-Antennen-LVS-Geräten, mehrere Verschüttete lokalisieren können. Überraschenderweise erwies sich bei fast allen aktuellen Drei-Antennen-Geräten die Zusatzfunktion „Markieren“, mit der man die Signale von bereits lokalisierten Verschütteten ausblenden kann, als überaus fehleranfällig. Getestet wurde, wie lange unerfahrene Sucher, die am Vorabend eine ausführliche Einweisung in die Verschüttetensuche erhalten hatten, benötigten, um in einem Testfeld drei vergrabene Sender zu finden. In diesem Feldversuche wurden die aktuellen „abgespeckten“ Versionen der derzeitigen Top-LVS-Geräte unter die Lupe genommen:
Mammut Barryvox Element
Ortovox 3+
Pieps DSP Tour
Arva Axis
Tracker 2 von BCA

Die Ergebnisse dieses Test sind jedoch – mit Ausnahme für das Barryvox Element – eine Ohrfeige für einige der renommierten Hersteller und sorgen noch immer für teils heftige Diskussionen. Bei fast allen Geräten, mit Ausnahme des Barryvox Elements von Mammut kam es in vielen Fällen dazu, dass die suchende Person nicht in der Lage war, den dritten Sender innerhalb des Suchfelds zu finden. Das heißt, ein dritter Verschütteter, in vergleichsweise engem Abstand zu anderen Verschütteten, hätte nicht gefunden werden können.

Versuchsaufbau

Ein durchschnittlicher Lawinenkegel ist 50 m breit und 70 m lang. Werden jedoch bei einem Lawinenunfall mehrere Personen ganz verschüttet, so sind solche Lawinen statistisch betrachtet markant größer: 80 m breit und 100 m lang. Da der Versuch jedoch die Funktionen der Geräte und nicht die Fitness der Suchenden ermitteln sollte, wurden die drei Sender innerhalb von quadratischen Feldern von 40 bis 50 m Seitenlänge vergraben. Die Tiefe, in der die Sender vergraben wurden, betrug 1 m. Die Distanz zwischen den Sendern betrug im Mittel 20 m, und variierte je nach Fall zwischen 3 bis maximal 40 m.
Testpersonen waren Oberstufenschüler aus Davos, die außer einer Einweisung am Vorabend bisher keine spezielle Ausbildung in der Lawinenverschüttetensuche erhalten hatten. Zur Bedeutung der Suchmöglichkeiten nach mehreren Verschütteten
Bei rund 18% der Lawinenunfällen werden mehrere Personen verschüttet. Allerdings sind, aufgrund der Tatsache, dass dann zwei oder noch mehr Personen verschüttet werden, hiervon immerhin 35% der Lawinenverschütteten betroffen. Aus diesem Grund ist es wichtig sowohl das Such-Know-how für die Suche nach mehreren Verschütteten zu beherrschen und zugleich ist auch die Markierfunktion der LVS-Geräte, mit der das Signal von bereits lokalisieren Verschütteten ausgeblendet werden kann, ebenfalls von hoher Bedeutung. Und deren oftmals ungenügendes Funktionieren ist der Stein des Anstoßes:

Streit um die Ergebnisse

Das Positive vorab: Alle Suchenden waren mit sämtlichen Geräten in der Lage, den ersten Sender innerhalb von maximal 2 Minuten zu orten. Je nach Gerät wurde der zweite Sender innerhalb von knapp 4 Minuten bis maximal 6 Minuten Zeitbedarf geortet und bis der dritte Sender gefunden war, vergingen maximal 10 Minuten. Das ist soweit gut bis in Ordnung. Problematisch sind jedoch die zu häufigen Fälle, in denen es den Suchenden nicht gelang, den Sender der dritten Person zu lokalisieren, weil die Markierfunktion des Suchenden LVS-Geräts nicht in der Lage war, die anderen Signale ausreichend zu separieren. Besonders schlecht schnitt das DSP Tour von Pieps ab: mit diesem Gerät konnte in 23 von 40 Fällen der dritte Sender nicht gefunden werden. Nur geringfügig besser schnitt das Arva Axis (18 von 40 wurden nicht gefunden) ab. Beim Tracker 2 misslang das Orten des dritten Senders in 11 von 36 Fällen und beim Ortovox 3+ in 12 von 40 Fällen. Das einzige Gerät, das hier keine größeren Schwächen aufwies, war das Barryvox Element, bei dem lediglich in einem Fall der dritte Sender nicht gefunden werden konnte.

Mehrere Hersteller, insbesondere Pieps, deren Gerät besonders schlecht abgeschnitten hatte, äußerten vehemente Kritik am Testverfahren. Beispielsweise wurde kritisiert, dass das Testfeld zu klein gewesen sei und auch die Einstellung der Sendefrequenzen der Sender wurde bemängelt. Zuletzt wurde auch massive Kritik daran geübt, dass Manuel Genswein, der u.a. an der Entwicklung der Mammut Barryvox-Geräte maßgeblich beteiligt war, ebenfalls an der Durchführung dieses Tests beteiligt war.

Jürg Schweizer, der neue Leiter des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts in Davos, unter dessen Federführung die Versuchsreihe durchgeführt wurde, weist diese Vorwürfe jedoch in Bergundsteigen 1/2012 (S. 62 f.) als unzutreffend zurück.


Quelle dieser Informationen: BergundSteigen, Ausgabe 1/2012, S. 58-62.


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