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Filmrezension| TGR- Tight Loose

Happy Birthday TGR

21.10.2016

21 Jahre TGR. 21 Jahre Grenzen verschieben im Bereich Ski fahren und, anscheinend, Alkoholkonsum. Denn wenn sich eines wie ein roter Faden durch Tight Loose zieht, dann ist es der Gedanke an den 21. Geburtstag, der natürlich bei trinkfreudigen Amerikanern ein denkwürdiges Ereignis ist. In Tight Loose wird der Anlass immer wieder genutzt, um Anekdoten aus der Vergangenheit in den aktuellen Film einzubetten.

21 Jahre TGR. 21 Jahre Grenzen verschieben im Bereich Ski fahren und, anscheinend, Alkoholkonsum. Denn wenn sich eines wie ein roter Faden durch Tight Loose zieht, dann ist es der Gedanke an den 21. Geburtstag, der natürlich bei trinkfreudigen Amerikanern ein denkwürdiges Ereignis ist. In Tight Loose wird der Anlass immer wieder genutzt, um Anekdoten aus der Vergangenheit in den aktuellen Film einzubetten.

Relativ unvermittelt beginnt der Film mit eben einer dieser Szenen aus Continuum, dem ersten Film von 1996, und stellt gleich klar: wir sind gekommen, um zu zerstören. In diesem Falle die Windschutzscheibe ihres Wagens am Strassenrand Alaskas, im metaphorischen Sinne die Erwartungshaltung der Zuschauer, denn sie stemmen sich gegen den Skifilmtrend der letzten Jahre. Anstelle von wild flackernden UltraHD Filmstudenten Bonmots, die in eine philosophische Erzählung von Sein oder Nichtsein eingebettet sind, wird uns hier zwei Minuten lang grobkörniger, Jahre alter VHS Unsinn um die Ohren gehauen. Und es funktioniert, macht Spaß und steigert die Vorfreude.

Dass man nicht von gestern ist, stellt daraufhin die Fahrervorstellung und das erste Segment klar. Nichts, was man nicht bereits gesehen hätte in punkto AK Action, aber stimmig geschnitten und unterhaltsam. Das zweite Segment ist das obligatorische Pillow-Segment in der schon fast berühmt, berüchtigten Hütte bei Golden, BC. Sie sind nicht die ersten und wahrscheinlich nicht mal die krasseste Filmcrew, die je dort war, aber es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. Zusammen mit dem Indien-Segment und den gefahrenen Linien gibt TGR einem das Gefühl, sie wären wie du und ich, denn weder haben sie immer perfekte Bedingungen, noch fahren sie permanent die Linien des Jahrtausends.

Obwohl man TGR mit dem traditionellen Jackson Hole-Segment ein gewisse Formelhaftigkeit vorwerfen könnte, ist das alles so glaubwürdig, wie es eben bei einer professionellen Skifilmproduktion sein kann. Man nimmt ihnen ab, dass Skifahren Spaß macht, dass man es nutzt, um die Welt zu sehen und es gleichzeitig nichts schöneres gibt, als seinen Heimatspot zu fahren. Und darum sollte es bei Skifilmen doch eigentlich gehen! Aber man wäre ja nicht TGR im Geburtstagsjahr, wenn man jetzt mit einer Aneinanderreihung von Standards weiter machen würde. Das Fantasycamp-Segment in den Neacola Mountains mit dem sympathisch schrägen Kiwi Sam Smoothy ist sicherlich weit vorne in Bezug auf Freeriden und verbale Seltsamkeit.

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Das denkwürdigste und auch mit Abstand beste Kapitel erfindet das Skifilmrad nicht neu, aber es setzt Maßstäbe bei den lieb gewonnenen „wir erklettern per Pedes AK Spine Faces" Aufnahmen. Es gibt zwar keine 10-Tages Stürme, die man mit Sponsoren Energieriegeln überstehen muss, sondern nur ein paar Jungs die Glück und einen tollen Trip haben, aber genau diese unaufgeregte Begeisterung gibt dem Film ein weiteres Stück Glaubwürdigkeit. Die Aufnahmen sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben und bilden den Höhepunkt des Films.

Die Szenen über den verstorbenen Ski-Baser Erik Roner passen zwar theoretisch nicht ganz in den Geburtstagskontext, sind aber authentisch und berührend und im Gesamtkontext überraschend stimmig. Sie wirken nicht zu pathetisch und fungieren als ernüchternde Erinnerung daran, was einem beim Leben am Limit passieren kann. Das Jeremy Jones Segment und die Geburtstagsfeier am Ende des Films nimmt man gerne mit und hat im Partyteil Freude, den Weggefährten von 21 Jahren TGR beim Feiern zuzugucken. 

Fünfzehn der 21 Jahre begleite ich TGR nun schon bei ihrer Reise durch den tiefsten Powder, die steilsten Spines und den abgründigsten Unfug und ich muss sagen, TGR haben hier definitiv eines ihrer besten Werke abgeliefert. Wohldosiert sind Freeride Action, Nostalgie Momente und Blödeleien aufeinander abgestimmt und geben ein rundes Bild ab. Sie verzichten auf prätentiös konvolutes Philosophie-Storytelling, ohne dabei zu sehr in die seelenlose Skipornaneinanderreihung von höher, schneller, weiter Action-Shots der späten Nullerjahre zu verfallen. Die Geburtstagsklammer hält die einzelnen Kapitel zusammen.

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Trailer

Fazit

Vielleicht nicht der wegweisendste Skifilm aller Zeiten, aber meines Erachtens einer der gelungsten Skifilme der letzten Jahre und er bekommt von mir das Prädkat alkoholisch wertvoll! Definitiv der Film diese Saison, um die Jungs & Mädels einzuladen, ein Bierchen zu trinken und sich auf den Winter 2016/2017 zu freuen.

Tight Loose ist auf den üblichen Kanälen erhältlich, zB vimeo on demand, amazon, i-tunes und so weiter.

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