Suche

Bücher/Filme
Anzeige

Filmrezension | TGR Far Out

Das große (Un)Bekannte

29.10.2018

Der neue TGR Film zog ja im Vorfeld einiges an Kritik bzw. Witzen auf sich, da sie sich mit dem Trailer ja ziemlich weit hinaus gewagt (ha!) hatten, um uns das große Unbekannte filmisch zu präsentieren. Für alle, die befürchtet haben, dass es der nächste Zelluloidwitz a lá Onekotan werden würde, seid hiermit beruhigt, es ist ein normaler Skifilm.

TGR Far Out, Filmposter add_circle
TGR Far Out, Filmposter

Der neue TGR Film zog ja im Vorfeld einiges an Kritik bzw. Witzen auf sich, da sie sich mit dem Trailer ja ziemlich weit hinaus gewagt (ha!) hatten, um uns das große Unbekannte filmisch zu präsentieren. Für alle, die befürchtet haben, dass es der nächste Zelluloidwitz a lá Onekotan werden würde, seid hiermit beruhigt, es ist ein normaler Skifilm.

All den Kritikern, die sagen, Albanien sei gar nicht so abgeschieden und sie wären schon mal mit ihrem Bus zum Skifahren da gewesen, sei gesagt: Erst wenn ein Amerikaner mit einer Filmcrew dort gewesen ist, sind die Orte wirklich entdeckt worden. Auch ich hatte das ein oder andere Mal das Gefühl, dass wenn ein reihenhausbewohnender Spaßskifahrer wie ich schon mal dort war, es mit dem Far Out nicht sehr weit her sein kann. Ob es nun Girdwood in AK oder die Italienischen Ostalpen sind - es gibt Gegenden, die sind deutlich weissere Flecken auf der Landkarte, als die Orte in diesem TGR Streifen.

Der Film ist im Wesentlichen um den großen TGR Albanien-Trip herum aufgebaut, der den Film als far-outige Klammer zusammenhält. Ästhetisch ungewöhnlich snd die ersten Sequenzen und Filmsegmente. Die traumgleichen Sequenzen im Intro und den ersten Filmsegmenten sowie die teilweise psychedelische Musik heben sich wohltuend von anderen Skifilm-Intros ab. Hier wird stilistisch etwas gewagt und das Auge nicht gelangweilt.

Anzeige
Anzeige

Später wird das Ganze dann allerdings eher konventionell und hält sich an allseits bekannte Skifilmabläufe. Menschen campen in den Bergen, Menschen reisen zu unbekannten Orten. So weit, so gut.

Die Erzählstimme aus dem Off erklärt uns Schritt für Schritt das far-outige Albanien, bzw. eine gefällige Frauenstimme verkündet Instagram Reise-Entdecker Weisheiten. Das ist im Zeitalter der Suche nach #Authentizität wahrscheinlich notwendig und stört nicht wirklich, hat aber immer einen schalen Beigeschmack. Drohnen sind nun seit 2-3 Jahren als „poor man’s helicam“ aus Skifilmen nicht mehr wegzudenken, aber ein Zelt bleibt ein Zelt auch wenn es mit einer Drohne gefilmt wurde.

Wer dachte, Superzeitlupenaufnahmen und Hyperlapses wären irgendwann in den frühen 2010er Skifilmen an einer Überdosis gestorben, wird hier eines Besseren belehrt. 7,3K Kaffeetropfen perlen in Superzeitlupe und 8,4 Billionen Farben in Expeditionstassen und Hyperlapses mit den „Erinnerungen“ der Athleten attackieren unsere Fernseher direkt aus dem Gehirn der Ski- und Snowboardfahrer.

Positiv ist, dass die Snowboardszene wieder zahlreich verteten ist und sich angenehm in den Filmflow einbettet. Verschiedene Followcamaufnahmen sind dank Gyrostabilisierung sehr sehenswert.

Musikalisch ist das Ganze auf weisse alte Männer wie mich zugeschnitten und die verschiedensten Gitarren sägen mal modern und beatlastig, mal klassisch vor sich hin. Ich fand den Soundtrack gelungen, aber das ist sicher Geschmackssache.

Anzeige

Das Skifahren findet auf hohem Niveau statt, aber es fehlt der entscheidende Aha-Moment, der einen wirklich mitreisst. Auffällig ist das Fehlen der typischen Alaskasequenzen, da es anscheinend ein furchtbar schlechtes Jahr dort oben war. Was ich hingegen begrüße, ist das Fehlen der repetitiven BC Skihütten Pillow-Segmente, wo uns eine Crew aus illustren Pros zeigt, wie man Pillows hopst und 3er im Schneesturm spint.

Einige Male kämpfen die Pros mit Problemen, die uns Sterbliche schon seit Jahr und Tag begleiten und fahren mal mehr, mal weniger guten Schnee. Das Jeremy Jones Segment wirkt irgendwie wie B-Ware seiner Eigenproduktionen und man muss die Frage stellen, warum einer der TGR Eigner seinem Sohn ein 5-minütiges Segment widmen muss? Da das aber als altersmilder Familienvater nett anzuschauen ist, ist es nicht so der Aufreger wie ein Urban Jib Segment ohne Stöcke und mit offenen Hipsterhemden in Kamtschatka. #WTF?

 Bin ich zu alt oder nur nicht bescheuert genug um das für eine gute Idee zu halten?

Fazit

Alles in allem lässt sich sagen: Kann man gucken, muss man aber nicht. Far Out erhält auf der vollkommen subjektiven Orakelskala von Powderguide 6/10 Expeditionspunkte.

Trailer

  • keyboard_arrow_left vorherige
  • nächste keyboard_arrow_right
Kommentare
chat
brecher 05.11.2018 | 20:30 Uhr

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Freu mich schon drauf, den Jeremy Jones Part zu hassen :D

chat
KarlNickel 30.10.2018 | 14:51 Uhr

Urban jib segmente ohne stöcke und mit offenen hipsterhemden in kamtschatka sind keine gute idee, weil:
a) Hohe erkältungsgefahr durch offenes hemd? >> ALT
b) amerikanische jugendkultur in der postsovjetische eiswüste könnte den kalten krieg wiederaufflammen lassen? >> ALT
c) peak selbstdarstellung/-findung in bitterarmen gegenden findest du unpassend neoliberal? >> ALT (ideologien sind längst überwunden)
d) minigolf kicker line nicht annähernd so metal wie hoch zu ross mit geschultertem langschwert ähh ski auf hauptstraße reiten? >> ALT