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Abenteuer/Reisen
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Tagesetappe Meran, die Zweite!

Alpencross von Ost nach West - Part II

20.08.2009

Der sechste Tag unseres Trips bringt uns von Meran weiter Richtung Westen...

...Die Downhill-Runde in Meran lassen wir aber aus. Christian leidet noch an seinem Ellenbogen-Malheur. Bikeschieben und -tragen scheinen derzeit bei ihm besser zu gehen als bergab zu fahren. Also ist die Entscheidung schnell gefällt: wir wagen uns mit Bahn und Bus ins Schnalstal. Ziel ist das Bildjöchl, ein alter Militärübergang ins touristisch kaum erschlossene Matschertal.

Gegen 13 Uhr packen wir unsere sieben Sachen und beginnen mit dem 1100hm Aufstieg. Zunächst geht es über saftige Almwiesen leicht ansteigend 400hm auf ein Hochtal. Noch kommen uns zahlreiche Wandersleute vom nahen Sessellift entgegen. Kaum an der Abzweigung weiter Taleinwärts abgebogen, sind wir alleine. Nur wenige technikneugierige Almkühe begutachten unsere seltasamen Gefährte eindringlich, bevor sie den Weg ins hochalpine Gelände freigeben.

 

Denn was dann folgen sollte braucht zumindest mit Bike einiges an alpiner Erfahrung. Die Geröllwüste vor uns erhebt sich immer steiler vor uns auf. Den weiteren Weg können wir immer nur wenige Meter im Voraus erkennen. Allmählich verlassen wir das Hochtal mit seinen saftigen Wiesen und sich durchschlängelnden Bächen. "Welcome to High Alpine" würde hier wohl ein Tourismusmanager auf ein Schild schreiben, würde ihn dieses Gelände interessieren.

Uns dämmert auch langsam, warum hier voraussichtlich noch kein Biker vor uns war. Wir müssen schließlich unsere Sportgeräte 700hm in potentiellem Absturzgelände auf immer steiler werdendem Bergpfad tragen. Schieben funktioniert hier bei dieser Steilheit nicht mehr. Bei jedem Versuch rutschen wir trotz Bergschuhe gnasenlos wieder zurück.

Nach 3,5 Stunden erreichen wir endlich das Bildstöckljoch. Nach wenigen Höhenmetern bergab kommen wir auf eine kleine Hochebene und biegen zur Oberetteshütte ab.

 

Unter uns breitet sich eine ca. 50 Grad steile und 30m breite Geröllrinne aus. Der Weg scheint aber top in Schuss, also vagen wir das Spitzkehren-Festival. Läuft soweit einwandfrei, die Spitzkehren gehen wir bei der potentiellen Fallhöhe doch lieber mit einem Sicherungsbein an.

Kaum rollen wir über den seitlichen Ausgang der Rinne, geht die kleine alpinistische Einlage erst richtig los. Das Gelände wird noch steiler, der Weg ist nur noch waschlappenbreit, dazu extrem steil, rutschig und absturzgefährdet. Ein Ausrutscher hier und das Abenteuer und alles weitere wäre sehr schnell zu Ende.

Also tasten wir uns vorsichtig bergab. Nach etwa 100hm schlängelt sich der Pfad nun durch fast senkrechten Fels. Wir nehmen hier dankend die stellenweise Seilsicherung an, müssen uns dennoch stark konzentrieren. Auch die Schneereste, die wir überqueren müssen machen uns das Weiterkommen nicht leichter.

Nach einigen steilen Metern auf einem letzten Schotterfeld erreichen wir die Oberetteshütte. Die Abendsonne scheint hier wie gemalt auf die neu renovierte Alpenverinshütte und ihr Almgelände. Spontan entschließen wir uns den Tag hier zu beenden und genießen die letzten Minuten Sonne in der Wiese liegend mit einem wohlschmeckenden Weizenbier. Zu unseren "Füßen" gleitet langsam das Tal in den Schatten. Das nahe Ortlermassiv und der Stilvser Joch Gletscher erglühen dagegen erst jetzt in strahlendem Abendrot.

Prost und Berg Heil.

 

Ps.: laut mtb-news.de/forum, google und Hüttenwirt müsste dies eine Erstbefahrung mit dem Bike gewesen sein. Nach dem Erlebtem wissen wir nun auch warum ;)