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Geht's noch!?

Ich checks einfach nicht. Der erste Tag nach äußerst ergiebigen Schneefällen, die Skigebiete zum Teil noch geschlossen und am sichern und sprengen (wo es überhaupt schon möglich ist) und die ersten turnen schon wieder im Gelände (ja klar, "NUR" im Skigebiet) herum. Naja zur Not muß man in die Bäume, blöd nur, dass es hier in Vorarlberg (fast) nirgends legal möglich ist. Aber egal, auch Sperrgebiete werden eifrig befahren usw.. Was mich aber am meisten nervt, selbst auf dieser Plattform gibt's heut die ersten CRs. Mir fehlt jedes Verständnis dafür und irgendwie ist mir diese Szene, dieser Sport fremder denn je.

Gut Nacht.

    Dein Beitrag klingt für mich aufs erste lesen etwas undifferenziert, auch wenn die individuelle Haltung zum Verzicht dieser Tage natürlich auch nicht verkehrt ist. Auch ich bin heute zuhause geblieben. Aber wenn ich hier ein Beispiel anbringen darf, auch ich habe mir am WE etwas Spass im "Gelände" "NUR" im Skigebiet gegönnt. Warnstufe unter 2000m war ein 3er in allen Expo`s. Orientiert an der Graphischen Reduktionsmethode haben wir uns auf einer Höhe von 700-1600m in Bereichen max etwa 50m abseits der Piste zumeist in direkter Sichtweite bewegt. Die Steilheit hat dort nicht über 35 Grad betragen, eher 30 Grad das Gelände war daher auch nur befahrbar da man viel Schwung von der Piste mitnehmen konnte und bereits eine Zieherspur vorhanden war. Anhande der Graphischen Reduktionsmethode bewege ich mich hier also im grün-gelben Bereich. Nimmt man gegebenfalls einen angespannten 3er an, bei bis zu 35 Grad im gelben Bereich. Allerdings ist ein täglich befahrener und verspurter Hang zwischen 2 Pisten auch in seinem Aufbau und seiner Lawinenträchtigkeit sehr von einem unberührten Hang zu unterscheiden (siehe Munter "Modetouren"), meiner Meinung nach kompensiert dies einige Faktoren was in meiner Einschätzung im Endergebniss einen grünen Bereich, ohne Bäume (Schneebruchgefahr), sowie für eine im schlimmsten Falle aufgrund von Verletzungen nötige Rettung nicht überproportionale Gefährdung der Retter ergibt. Auch wir wurde von der Gondel aus angeklopft, der unzweideutige Hinweis dass man unser Tun missbiligt. Das ist natürlich eine Unterstellung, aber ich gehen nicht davon aus dass es sich dabei um Leute gehandelt hat die sich intensiv mit der Materie ausseinandersetzen, sondern höchstwahrscheinlich um Skifahrerer die an den meisten anderen Tagen mit einem 3er, an welchen dies nicht aufgrund besonderer Umstände in den Medien rauf und runter diskutiert wird, nicht mal wüssten welche Lawinenkonstellation vorherrscht.Welche Gründe ergeben sich hier deiner Meinung nach diese Fahrten (repräsentativ für deine Verurteilung von CR´s und Gelände fahren im Skigebiet) zu verurteilen? Versteh mich nicht falsch, auch ich hab dieser Tage einige Touren beobachtet die ich so nie durchführen würde, allerdings habe ich gerade auch eine Menge Pauschalverurteilungen mitbekommen die so meiner Meinung nicht haltbar sind (bis hin zu dass wer momentan skifahre (auf Pisten) doch einfach nur kriminell sei). Ob dies einem hin zu differenzierten, am persönlichen Risiko und Können adaptierten Verhalten am Berg dienlich ist bezweifle ich. Deine oder anderer Powderguidler Gedanken dazu würden mich interessieren! Viele Grüße

      Ja klar war das undifferenziert, und wie. All diese Dinge sind mir bekannt und vertraut, bin ich doch jetzt auch schon eine Dekade im Gelände unterwegs. Und sicher, Reduktionsmethode und all die Tools kann man, soll man, muß man anwenden.
      Mir gings aber eher um die Attitude ... und heute seh ich dann die Webcams, z.B. Novatal, und da gibt es auch ein Schneebrett zu sehen. Ja das ist auch viel, extrem viel befahren, aber was heißt das nach nem Meter Schnee? Der andere Punkt ist der, dass man sich auch kaum, trotz Kenntnis, im Gelände aufhalten kann, weil andere gleichzeitig "blind" dort rumfahren, am besten im selben Hang oberhalb.
      Nein, es ist einfach das Gefühl (mein Gefühl), dass das sich alles in eine ungute Richtung entwickelt.
      Dennoch weiterhin viel Spaß allen, und "take care!"

        ah, by the way: Den Kollegen in Lech haben sie jetzt auch ausgegraben. Mein Beileid.

          @ fritzgerald: Da ich an dem Tag unterwegs war und einen CR verfasst habe, fühle ich mich von dir angesprochen.
          Und dein Beitrag erinnert mich an die Schlagzeilen und Ergüsse einiger großen Boulevardzeitungen.
          Du weißt also, wie die Bedingungen im gesamten Alpenraum an jedem Ort zu dem Zeitpunkt waren? Wie die lokalen Bedingungen vor Ort aussahen?
          Nur so als ein Beispiel: Hättest du meinen Bericht gelesen, dann wäre dir wohl aufgefallen, dass ich einen Großteil der Zeit im gesicherten Raum auf einer Piste gefahren bin, die am Tag davor noch gewalzt war - über Nacht kamen dann 30cm drauf, das Skigebiet hat das freundlicherweise als Powderpiste so gelassen (Oder sie kamen nicht mim wieseln hinterher, hehe). Der Hang und alle im potentiellen Einzugsgebiet sind ausnahmslos (und z.t. deutlich) unter 30°. Und so könnte man jetzt weitermachen, mit spezifischen Informationen, die du nicht aus den Webcams oder aus den LLBs (z.B. Grad der Verspurtheit, Struktur, Vegetation, etc.) herauslesen konntest. Nicht überall kam ein Meter, usw.usf.
          Ich frage dich: Wer, wenn nicht wir, die wir viel Zeit bei allen möglichen Bedingungen draußen verbringen, sollten denn dann etwas differenzierter und aufgeklärter über das Thema diskutieren?
          Ich kann auch keinen Trend oder eine verstärkte Zunahme von besonders fahrlässigen oder leichtsinnigen Aktionen bei den CR's auf PG erkennen (insofern man das herauslesen kann).
          Zu deinem Rant a la "früher war alles besser" nur ein kleiner Hinweis: Die Anzahl der Menschen, die im freien Gelände unterwegs sind, nehmen seit Jahren zweifelsohne zu, allerdings sinkt die Anzahl an durch Lawinen Verunglückten seit einem Höhepunkt in den 90ern bzw. bleibt in einzelnen Jahren höchstens auf einem ähnlichen Niveau, siehe z.B. hier die Zahlen der letzten 20 Jahre für Österreich:
          https://de.statista.com/statistik/daten/studie/798794/umfrage/lawinentote-in-oesterreich-nach-bundeslaendern/
          Offensichtlich geht die Zunahme an Personen im Gelände auch mit einer Zunahme an Knowledge und Maßnahmen zur Risikominimierung einher.

            Ich kann Bergjunge und Rideitlikebaur nur beipflichten. Vor allem zum Satz

            Zitat von [gelöschter Benutzer]

            Nein, es ist einfach das Gefühl (mein Gefühl), dass das sich alles in eine ungute Richtung entwickelt.

            möchte ich sagen, dass wir uns hier wirklich eher an Fakten und Statistiken halten sollten, und die sind eindeutig nicht ungut: viel mehr Leute im Gelände, konstante bis leicht abnehmende Opferzahlen.
            Wenn ich die tödlichen Unfälle der letzten zwei Wochen durchgehe, dann geht das quer durch die Altersklassen und Typen: Von Jägern auf Schneeschuhen (aber ohne LVS) in Salzburg über eine Touristenfamilie in St Anton (auch ohne Notfallausrüstung), zwei Tourengeher 50+ in NÖ bis hin zu den vier deutschen im langen Zug (auch davon einer Ü50, die anderen jünger). Ich kann hier kein Muster nach dem Motto "Adrenalinjunkies der Youtube-Generation" erkennen.

            Dazu möchte ich noch den wirklich renommierten Lawinen-Experten Michael Larcher aus seiner aktuellen Vortragsreihe (die letztjährige gibt's auf YT) zitieren zur aktuellen Lage: "Die aktuelle Diskussion, ob man nicht jeden strafen soll, der bei Stufe 4 einen Fuß neben die Piste setzt, ist natürlich völliger Blödsinn. Aber das is eh in ein paar Tagen wieder vorbei...".

            Zu "früher": gerade beim Variantenfahren gurkte "man" of einfach im frischen Pulver herum, weil es die anderen auch taten. Notfallausrüstung inkl. LVS hatten fast nur die "echten" Tourengeher. Viele meiner Freunde sagen Sätze wie "Was ma damals alles gemacht haben ohne Notfallausrüstung, wäre heute undenkbar".

              Das "Früher" ist von meiner Seite nicht gefallen. Wär auch vermessen, da ich erst vor 10 Jahren mit Geländefahren begonnen hab. Da bin also eher Teil des Trends oder Booms. Vielleicht häng ich auch zuviel auf Instagram rum. Wie gesagt es ist auch nur ein "Gefühl" und ich kenn die Zahlen und auch Aussagen von Bergrettungsleitern, die auch sagen, dass das größte Risiko Potential eher von den old Dudes oder Fitness Tourengängern auf Trendtouren ausgeht, die schlecht oder gar nicht ausgerüstet und ausgebildet losziehen. Gern dann zum Beispiel im Sonnenbeschienen Steilhang mit schwerem Schnee, ohne Abstand quer durch Spuren und andere Skitourer kraxeln. Alles was ich sagen wollte ist, ob man nicht Mal einen Tag innehalten kann. Als Zeichen. Der Natur Zeit geben. Es wird halt schon n gewisser, klar eher subtiler, Druck ausgeübt gehen zu müssen, weil morgen dann nichts mehr übrig sein wird. Und das läuft dann halt über Social Media ... "geilster Tag ever" usw.. Klar, Erwachsene können selbst für sich entscheiden, aber es sind nicht nur Erwachsene im Netz und auch draußen unterwegs. Und selbst unter jenen schaffen es nicht alle klaren Kopf zu bewahren, gerade in den Zeiten mit hohem Selbtoptimierungsdruck a la insta life. :-) Haha, jetzt kling ich wieder nach angry old man. :-D ... analog is besser :-D, na, nur n Schmäh.

                Zitat von fritzgerald
                Das "Früher" ist von meiner Seite nicht gefallen.

                Hab ich dir auch nicht unterstellt (michhat eher die zitierte Aussage des "gelöschten Benutzers" gestört), Klarstellung dennoch angenommen :-)
                Deine Kritik an dem ganzen Instagram-Selbstdarstellungswahnsinn verstehe ich vollkommen, aber ich finde, dass gerade diese Seite hier durch Sachlichkeit und Vernunft auffällt, das Thema Sicherheit hatte hier immer einen großen Stellenwert, das von Powderguide herausgegebene Buch "Lawine. Risikocheck..." ist mein Standardwerk zum Thema.
                Der Wunsch nach dem Tag des innehaltens ist ein frommer, aber wie gesagt, die Statistiken stimmen mich insgesamt positiv.

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