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Lawine im Schwarzwald – oder es gibt nichts, was es nicht gibt

Hallo,

ich bin um eine interessante Erfahrung reicher. Letzten Sonntag hat sich in der Feldbergregion eine überraschend große Schneebrettlawine spontan gelöst. Zur Situation dort: es liegt sehr wenig Schnee, die offizielle Messung gibt derzeit 34 cm an. Wind hat natürlich immer wieder für Einwehungen in diesen Hang gesorgt, aber diese hielten sich bisher noch in Grenzen und die typischen Wechten blieben verhältnismäßig klein. Samstagnachmittag kam dann kräftiger Wind auf, der viel lockeren Schnee verfrachtet und in diesem Hang abgeladen hat.
Als ich am Sonntag unterwegs war, hatte es über Nacht Schneeregen bis fast in die Gipfelregionen gegeben. Vor der Arbeit war ich noch ein bisschen im Skigebiet skifahren und es hatte nur wenige cm Regen-nassen-Neuschnee. Da es deutlich kälter wurde, wandelte sich die Plörre recht schnell zu einer Art Cremé Brulee der extra krossen Sorte. Ich habe die Situation trotz des im Gpifelbereicht recht vielen nassen Neuschnees als ziemlich günstig eingestuft.
Bereits auf dem Hinweg zur Baldenweger Hütte war klar, dass vom steilen Lee-Hang oberhalb eine Lawine abgegangen war, deren Größe aber aufgrund dem dichten Nebel nicht ersichtlich war. Was mich stutzig machte, war jedoch, dass die Lawinenbrocken weit im eher flachen Gelände auftraten, wo ich zuvor erst sehr selten welche gesehen hatte.
Auf dem Rückweg, der Nebel hatte sich minimal gelichtet, wurde die Dimension dieses Schneebretts klar. Teils über 2 m hohe Anrisskante und omnibusgroße Schollen. Der Lawinenschnee war unglaublich hart.
Der Hang an dem sich die Lawine löste, ist nur im oberen Bereich, wo er auch überwechtet ist, sehr steil, sonst um, teils sogar unter 30 Grad Neigung.

Fazit: obwohl ich das Gebiet gut kenne, und auch den Witterungsverlauf mitverfolgt und erlebt habe, habe ich an diesem Tag die Lawinensituation falsch eingeschätzt. Dass sich eine Lawine in dieser Größe spontan löst, an einem Hang der gerade mal 30 Grad steil ist, hätte ich nicht für möglich gehalten. Sehr negative Faktoren wie der starke Wind, der Oberflächenreif sowie eher günstige Faktoren wie die milden Temperaturen und der feuchte, gefrierende Schnee hätte sich, meiner Meinung nach die Waage halten müssen. Ob hier möglicherweise Schwimschnee zur Lawinenauslösung geführt hat, kann ich nicht sagen, da die Lawine bereits leicht überschneit war und mir das Graben eines Schneeprofils im Anrissgebiet zu heikel war.
Ich bin auf jeden Fall um eine Schnee-Erfahrung reicher und nochmals demütiger gegenüber der Materie Schnee, die einen immer vor große Rätsel stellt.
Tobi








    Hi.
    Hat das damit zu tun dass Du noch nie einen Abgang erlebt hast oder ist das in der Region was besonderes oder war die Grösse besonders?
    Sorry für die blöde Frage aber ich kenne die Gegend nur vom durch fahren...

      der absolute Wahnsinn, hast du denn nicht über das Schneeprofil an der Anrisskante mehr herausbekommen können?

        Krasse Sache; ich mein seit letztem Jahr wird ja immer wieder davon gesprochen das oft Lawinen im Feldberggebiet abgehen aber bei den Verhältnissen und der bisherigen Schneemenge ist die Größe schon was besonderes!

          Spannend. Das ist an dieser Stelle nicht das erste völlig unerwartete Schneebrett. Passiert jeden Winter !

          Kurze Fragen:
          Am Sonntag, 17.01.10 morgen war sie schon abgegangen ?
          Wann sind die Bilder bei dem schönen Wetter gemacht ? (Mo?)

          Grüßle Stef

            Aaah jetzt wird mir klar was Du gemeint hast! Als ich geantwortet habe konnte ich nur den ersten Satz lesen, deshalb auch die Frage...Jetzt kann ich auch den Rest lesen und die Fotos sehen, mächtige Anrisskante! Bis Du dann extra nochmal hin um Fotos zu machen? Hut ab, von hier aus siehts so aus als würde die Wechte immernoch oben dran kleben...kannst Du sagen wie weit das Schneebrett gerutscht ist bevor es zum Stillstand kam, und (was sicherlich schwierig ist) ob und wie hoch sich der Schnee in der Auslaufzone aufgestaut hat?
            Grüssle Christoph

              also, wenn man den hang anschaut finde ich nicht dass der harmlos ausschaut. unabhängig von der anrisskante.

                Viele Fragen, viele Antworten:
                @ Greg: nee, der Hang ist wirklicht nicht ohne, und es gehen dort immer wieder Lawinen ab.
                @ DFens: Die Lawine war zwischen bis ca. 200-250 m lang. | Die Schneeablagerung war prügel-hart und daher die Masse des Lawinenschnees bzw. die Höhe der Ablagerung nur schätzbar. Da ein Teil nur gerutscht ist und sich dann im Flachen sofort wieder gestaut hat, kann sie gut und gerne 3-5 m mächtig sein.
                @ Stef: Die Lawine muss am Sonntag, nach dem Ende des Schneefalls abgegangen sein. Also zwischen 8 und 14 Uhr. Näher kann ich es nicht sagen, sie war am Sonntag aber nicht überschneit. | Die Fotos habe ich am Dienstag mittag gemacht.
                @ Spezilizt: Nee, Schneeprofil ging aus Zeitgründen nicht und es sind leider, als ich nochmals dort war, zuvor 2-3 cm Pulverschnee ohne Wind drüber gefallen, was natürlich alles erschwert hat. Und alleine wollte ich an dieser Abrisskante nicht rumsäbeln. Das wäre auch arg mühsam gewesen und das Ende meiner eh schon angeschlagenen Lawinenschaufel…
                Weitere Fragen? Gerne…

                  vielleicht noch nen Nachtrag, um mein Erstaunen besser nachvollziehen zu können: Ich hätte am Sonntag die lokale Lawinengefahr höchstens als Stufe 2 = mäßig eingeschätzt.
                  Grüße, Tobi

                    Ich habe hier noch einen Eindruck vom gleichen Hang am Sonntag, den 10. Januar. Wir waren dort unterwegs und haben auch ein Schneeprofil gegraben. Es gab zwei Eislamellen und eine Schwachschicht die bei einem kräftigen Sprung mit den Ski auf den Rutschblock brach dann auch die obere Lamelle (~3cm dick) und der die oberen 20-30 cm sind abgerutscht. Insgesamt hatte es ca. 60cm Schnee in diesem Hang.

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