01.03.2017

WetterBlog 18 2016/17 | Details zum Alarm

Aussichten: beständig unbeständig

Zum meteorologischen Frühlingsbeginn wird es am Alpensüdhang winterlich. Der rasche Wechsel von mildem, teils föhnigem Wetter auf der Trogvorderseite, gefolgt von den Fronten in der vergangenen Nacht und heute im Laufe des Tages sorgt für eine turbulente PowderAlarm Phase (Alarm 12, Alarm 13) mit durchaus interessanten Neuschneemengen, aber auch starkem Sturm.

LH LR, MS Einige Zentimeter Neuschnee auf eher spärlicher Unterlage in Tirol am Samstag.

Aktuelle Lage und Aussichten

Nähere Details zu den Neuschneemengen der letzten Kaltfront und dem mit etwas Glück folgenden Italientief überlassen wir wie üblich dem PowderAlarm. Wetterbestimmend im Alpenraum ist derzeit ein Tiefdruckkomplex über Skandinavien, der in mehreren Wellen Störungen bei uns vorbei treibt. Diese haben neben Sturm und Neuschnee unter Umständen auch Graupelschauer oder sogar Wintergewitter im Gepäck.

meteociel.fr 500hPa Geopotential und Bodendruck, Mittwoch 1.3. Ein Trog mit Kern über Skandinavien und darin eingebettete Störungen sorgen für turbulentes Wetter in den Alpen. Auf diesen Trog folgt in den nächsten Tagen ruhigeres Wetter, dann rückt der nächste Trog an.

Im Laufe des Donnerstags dürften sich der Trog und seine Fronten überall verabschieden und es gibt eine kurze Verschnaufpause, bevor am Freitag die Strömung wieder auf SW dreht und der nächste Trog was Westen heran rückt. Im Norden springt der Föhn an, im Süden zunehmend Staubewölkung und Niederschlag.

Für das Wochenende ist ein aus dem nachrückenden Trog voraussichtlich entstehender Abtropfprozess interessant: Ein kleiner Blob spaltet sich vom großen Trog ab und rutscht ins Mittelmeer, wo er sich zu einem Italientief mausert. Der Niederschlagsschwerpunkt liegt aus heutiger Sicht am Samstag in den westlichen Südalpen und wandert dann nach Osten. Die genaue Entwicklung ist wie so oft noch unsicher. Im Norden voraussichtlich mild und föhnig. Wir vermuten, dass sich der PowderAlarm vor dem Wochenende nochmal meldet und überlassen ihm alles weitere.

meteociel.fr 500hPa Geopotential und Bodendruck, Vorhersage 3.3. (Freitag). Ein neuer Trog nähert sich von Westen, Anströmung in den Alpen dreht auf SW.

Erweitert man den Blick in die Karten über den Europaauschnitt hinaus, findet man einen kräftig ausgeprägten, mit polarer Kaltluft gefüllten Tiefdruckkomplex über dem Nordosten des Amerikanischen Kontinents, bzw. über dem nordwestlichen Atlantik. In Kombination mit dem vergleichsweise warmen Atlantikwasser entwickeln sich daraus derzeit laufend neue Tiefs, die in rascher Abfolge nach Osten in unsere Richtung rutschen – wie man am in diesen Tagen ja durchaus abwechslungsreichen Wetter merkt.

Im Glaskugelbereich deutet sich für nächste Woche eher ein ruhigerer Wetterabschnitt an, aber das sind die üblichen Spekulationen.

meteociel.fr 500hPa Geopotential und Bodendruck, Nordhemisphärenansicht, Dienstag 28.2. Tiefdruckkomplex im westlichen Atlantik sorgt für eine Reihe von Trögen bei uns.

Winter Résumé

Nein, der Winter ist natürlich noch nicht vorbei. Zum Skifahren und vor allem zum Tourengehen ist der Frühling ja fast immer sogar der bessere Winter. Meteorologen orientieren sich aber nicht an den Skibedingungen und ziehen bereits am ersten März Bilanz über die vergangenen drei Monate des meteorologischen Winters (Dezember, Januar, Februar). Der Januar war vielerorts sehr kalt, bedingt durch das lang anhaltende, kalte Strahlungswetter und die zähen Inversionen. Dezember und Februar waren in Summe eher auf der milden Seite. Allgemein war es im Flachland tendenziell kälter (Inversionen), in höheren Lagen bezogen auf das langjährige Mittel wärmer.

ZAMG Temperaturanomalien am Sonnblick in den vergangenen Wintermonaten (Dez, Jan, Feb).

Dass die Winterbilanz des Niederschlags im gesamten Alpenraum ziemlich negativ ausfällt, dürfte niemand überraschen. In Österreich war der Winter 2016/17 der trockenste der letzten 20 Jahre. In allen drei Monaten fiel weniger Schnee als im Schnitt, wobei besonders der Dezember extrem trocken war. Zumindest in den Ostalpen fiel auf der Alpensüdseite wesentlich weniger Schnee als im Norden. In einigen Tälern in den Nordalpen lag auch in geringen Höhen recht lang Schnee: die negative Abweichung der Neuschneesumme in Innsbruck betrug beispielsweise nur 5% Durch die Schneefälle bei kalten Temperaturen im Januar schneite es nicht nur bis ins Tal, sondern dieser Schnee blieb inversionsbedingt auch lang liegen. Während es in den Tallagen im Norden also nicht unbedingt ein „schlechter" Winter war, sah es weiter oben ganz anders aus, wie beispielsweise die Beobachtermessungen der Schneehöhe auf der Nordkette deutlich machen:

LWD Tirol Messung der Schneehöhe an der Nordkette. Grau: maximale/minimale gemessene Schneehöhe zum Zeitpunkt. Dick pink - Messung der aktuellen Saison, dünn pink - Durchschnitt.

LWD Tirol Messung der Schneehöhe in Obertilliach in Osttirol (=südlich des Hautkamms).

 

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Links:

www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/einer-der-drei-sonnigsten-winter-der-messgeschichte
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