10.11.2008
Holger Feist

Abruzzen – es kann ja nicht immer die Sonne scheinen...

...wer braucht schon Schnee?

Thorsten Indra

Shit, auch das noch. Nach der egionalen Karte, die wir morgens im Tourismusbüro in Teramo bekommen haben, sollte die Straße bald im Ort ankommen. Dies ist aber leider ein Trugschluss, und wir kämpfen uns bei heftigem Schneefall weiter...

...Der Bus mit seinen Sommerreifen! verweigert immer wieder den Dienst am Berg und nur mit größter Mühe kommen wir weiter. Aber irgendwann bleiben wir einfach stehen und müssen uns der Steigung geschlagen geben. Die Schneehöhe ist mittlerweile auf über 1,5m angestiegen. Das ist zwar Klasse, aber wenn wir nicht weiter kommen, bringt uns das alles leider recht wenig!

Rene hat die rettende Idee, das ganze rückwärts zu versuchen. Mit viel Mühe und Geschick ist der Bus gewendet, und wir kommen im Schneesturm doch noch ein Stück weiter. Dann geht nichts mehr, und als wir in eine Kehre festhängen und weiter versuchen rückwärts die Straße zu bewältigen, kommen die Karabinieri mit einem Panda Allrad vorbei, um auch einmal Guten Tag zu sagen. Kaum ausgestiegen, schauen sie uns fragend an und schimpfen auf Italienisch los? Leider verstehen wir sie nicht, können uns aber gut vorstellen was sie meinen.

Letztendlich heißt es auch von ihrer Seite: "...ihr fahrt hier nicht weiter"!

Was tun? Endlich im Schnee, das Ganze auch noch in der Mitte Italiens, aber nicht in der Lage ins Skigebiet zu gelangen. Die Stimmung sinkt weiter, und wir müssen zurück ins Tal...

...im nächsten Bergdorf angekommen,

Thorsten Indra

finden wir zum Glück eine Tratoria mit einem offenen Kamin, und können uns erst mal bei Wein und Pasta richtig aufwärmen. Wir sind die einzigen Gästen hier, und der Koch erzählt uns, dass er 20 Jahre als Ingenieur in Deutschland gelebt hat, jetzt aber wieder zuhause ist. Das Wetter und die Schneehöhen sind hier ganz normal, sagt er, und der "Grand Sasso" kann es gut mit den großen Bergen der Alpen aufnehmen.

Er zeigt uns einige Bücher und Bilder von dem Gebirge, ja sogar eines, mit japanischen Bergsteigern am Grand Sasso. Das gibt es ja wohl nicht. Wir haben nie etwas von solch großen Bergen hier gehört, dachten der "Grand Sasso" ist ein kleiner Hügel, aber weit gefehlt...

Nachdem wir ihm von unserer misslichen Situation erzählt haben, schlägt er vor, uns zu helfen. Er fährt mit Thorsten in die nächste Werkstatt und besorgt Schneeketten. Wenn wir an alles gedacht haben, aber niemals an Ketten – es war ja schließlich südliches Italien...

Selbst mit Ketten brauchen wir gut zwei Stunden, und kommen auch nur Mühsam hoch. Dort angekommen ist alles tief verschneit.

Die Autos sind bis zum Dach verschwunden, und wie sollte es anders sein: das Skigebiet ist geschlossen. Endlich hat es genügend Powder und es geht rein gar nichts. Gefrustet gehen wir erst mal auf eine Capuccino Ausser Cheryl, sie spielt voller Freude im Schnee.

Zum Glück hat es hier ein relaxtes Hotel, so dass wir erst einmal einchecken. Kulinarisch verwöhnt, und nach einigen Grappas mit dem Receptionisten (auch hier sind wir fast die einzigsten Gäste) fallen wir erschöpft ins Bett und freuen uns schon auf den Powder...

Der nächste Morgen: Es schneit immer noch, und auch heute wollen sie die Lifte nicht öffnen. Das kann ja nicht sein! Im Hotel erzählen sie uns etwas von einem Schneemobilverleih, so dass wir nach ganzen zwei Stunden Suchen in dem kleinem Ort den Verleiher entdecken. Stolz zeigt er uns seine Maschinen. Die erinnern aber eher an die Schneemobile welche sie in den Sechzigern schon bei den Bondfilmen verwendet hatten, nicht aber an die Geräte die wir so kennen. Stolz führt er sie uns auch vor, bleibt aber gleich nach ca. 10m im tiefen Schnee stecken und verleihen will er sie uns ja sowieso nicht,meint er. So, das war?s dann mit den technischen Aufstiegshilfen für heute. Zum Glück haben wir die Schneeschuhe dabei. Die funktionieren ja schon seit Jahrhunderten und das auch zuverlässig.

Nach zwei Stunden Aufstieg unter widrigsten Wetterbedingungen und heftigem Schneesturm, kommen wir doch noch auf zu unserem "Run" im feinsten Powder....

Thorsten Indra

Der nächste Tag beginnt nicht anders.

Der anhaltende Schneefall hat die gesamte Schneehöhe weiter ansteigen lassen. Da gibt es nur den Versuch, auf die andere Seite des Grand Sasso Gebirges zu fahren, und mit Glück, in einem neuen Gebiet, bei besseren Wetterverhältnissen, fahren gehen zu können. Die Fahrt scheint endlos, und wir passieren ein paar kleinere Skigebiete, kommen vorbei an einer Herde wilder Pferde, sehen Wildschweine und eine wunderschöne, sehr natürliche Gegend.

Es scheint eine fast vergesse Region in Mitten Europas zu sein. Dort angekommen ist das Wetter auch nicht besser. Wenigsten können wir aber mit der großen Gondel hoch ins Gebiet fahren. Das die Lifte dort auch nicht laufen ist uns bei der Auffahrt schon bekannt. Eine Gruppe französischer Freerider, die wir in der Gondel treffen, erzählt uns aber von der sehr steilen Talabfahrt, 1000 Höhenmeter direkt unter der Gondel. Dies lohnt sich wirklich, und bietet alles was wir uns wünschen. Nur bei dem Nebel und Schneefall ist es leider auch nicht ganz perfekt. Abends, nachdem der Lift steht, reißt es von Westen her auf, und es kommt kurz die Sonne durch. Schnell ist unser Plan für den nächsten Tag gefasst - zurück nach Prado de Tivo...

Morgen scheint bestimmt die Sonne?

... und das Gebiet ist wieder offen und wir sind die Einzigen beim Powdern! - Aber es soll anders kommen.

Beim ersten verschlafenen Blick aus dem Hotel Fester schneit es schon wieder. Es ist unser letzter Tag, und wir wollten doch noch mal Schnee mit Sonne kombiniert vorfinden.

Aufgestiegen mit Schneeschuhen, der Lift läuft immer noch nicht, warten wir auf die Sonne, die langsam durch die Wolkendecke bricht. So scheint es jedenfalls. Aber sie kommt nicht. Alles Warten wird nicht belohnt - wir müssen wieder runter, um im Hotel unsere Sache zu holen und uns auf den Weg zum Flughafen machen. Gerade ist der Bus eingeladen, als die Sonne zum ersten Mal durchbricht. Auf der Fahrt nach unten sehen wir, ohne Nebel und Schneefall, die hochwinterliche Landschaft und können es kaum fassen. Wir müssen gehen!

Im Tal angekommen, sehen wir zum ersten Mal den mächtigen Gipfel des Grand Sasso, und vom Flughafen aus, beim Einstieg in den Flieger, das ganze Gebirge wolkenlos...

Text: Holger Feist

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