02.04.2014
Adrian Sauter

risk'n'fun Chillout | Report

Adrian Sauters Report vom Abschluss der risk'n'Fun Saison – dem Chillout in Fieberbrunn

Ich komme mir schon ein wenig komisch vor, als ich bei strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und fast 20 Grad im Schatten meine Powder-Ski ins Auto lade. Doch gerne lasse ich das vorsommerliche Stuttgart hinter mir und mache mich auf den Weg nach Fieberbrunn, zum Risk’n’Fun-Chillout, dem letzten Stopp meiner dreistufigen Freeride-Ausbildung. Kaum angekommen, freue ich mich schon, die bekannten Gesichter von den vorherigen Camps dieses Winters wiederzusehen.

Adrian Sauter Risk'n'Fun Chillout Fieberbrunn

Es herrscht, wie immer bei Risk’n’Fun, eine freundschaftliche, beinahe familiäre Atmosphäre. Aber auch einige neue Gesichert sind dabei. Nicht nur was die Bekleidung angeht ist der Haufen bunt gemischt. Einige haben gerade die Trainingssession hinter sich, manche kommen direkt vom Level 3, dem Backcountry Pro. Wir werden über Fieberbrunn verteilt, in verschiedenen Gasthäusern und Hotels untergebracht. Später treffen wir uns alle im Wirtshaus „Eiserne Faust“. Nach einem kurzen Willkommensgruß stellen die Bergführer und Trainer ihre Routen und Programmangebote vor. Aufgrund der leider etwas mageren Schneelage entscheide ich mich für eine Tour mit langem Aufstieg. Meine Hoffnung ist, noch die letzten verbliebenen Powder-Reste zu erwischen. Wir studieren die Tour auf der Karte und schauen uns optionale Aufstiegs und Abfahrtsmöglichkeiten an.

Am nächsten Tag geht es dann früh raus und wir machen uns auf den Weg das Skigebiet einmal komplett zu durchqueren, um an den Startpunkt unserer Tour zu gelangen. Dort angekommen müssen wir leider feststellen, dass die Schneelage alles andere als optimal ist. Die noch übrige Schneedecke ist bereits am Vormittag stark durchfeuchtet und die Gefahr beim Aufstieg von einer Nass- oder Gleitschneelawine erfasst zu werden, scheint uns zu groß. Spontan ändern wir den Schlachtplan und machen uns auf in Richtung Wildseeloder, Eine Querung und ein kurzer Hike bringen uns in gänzlich abgeschiedenes Gelände. Fast schon automatisch suche ich das Gelände nach Gefahrenstellen ab, nehme wahr, beurteile und entscheide. Auch die Sonne schaut jetzt durch und uns wird richtig warm. Wir erreichen einen Grat, von dem aus wir über eine Wechte in einen herrlichen Hang einsteigen. Wir finden dort noch erstklassigen Firnschnee und manch einer behauptet sogar, einige Quadratmeter Pulver ausgemacht zu haben. Nichts kann den Abfahrtsspaß trüben, obwohl jeder weiß, dass wir entweder alles wieder aufsteigen müssen oder durch das Tal hinausschieben müssen. Auf den letzten Schneeresten hangeln wir uns ins Tal und laufen zurück zur Talstation. Ziemlich geschafft von der Wanderung entschließen wir uns spontan, ein Päuschen einzulegen, in dem wir ausgiebig fachsimpeln. Wir reden über unsere gemeinsamen Entscheidungen und über die Gefahrensituation.

Schnell haben wir dann auch schon unser nächstes Ziel gefunden: das Face der Freeride World Tour. Auch diesem Jahr war in Fieberbrunn wieder ein Wettbewerb der Freeride World Tour geplant, der aber nach Kappel ins Paznauntal verlegt werden musste. Wir sind beeindruckt von den enormen Ausmaßen der Cliffs und Felsbänder, die von den Fahrern während des Contests scheinbar easy gesprungen werden. Wir verzichten jedoch auf halsbrecherische Stunts und begutachten stattdessen die riesige Nassschneelawine, die sich unterhalb des Hanges aufgetürmt hat. Wir sehen zu, dass wir schnell aus dem Gefahrenbereich herauskommen und fahren in Richtung Skigebiet zurück.

[Achtung! Die Fotos in der Gallery sind teils Archivbilder vom Chillout 2013]

Noch ein bis zwei Abfahrten auf der Piste, dann ist der Freeride-Tag für uns beendet. Unten trifft sich alles zu einem Bier und wir stellen fest, dass alle Gruppen mehr oder weniger das gleiche gefahren sind. Dennoch hat jeder andere Geschichten zu erzählen und somit geht der erste Tag des Chillouts zumindest ausbildungstechnisch zu Ende. Nach dem Abendessen in der „Alten Post" geht’s zur Party ins Riverhouse. Nach ungezählten Bier- und Tischkicker-Runden, viel guter Stimmung und jeder Menge Freeride-Spirit verlassen die letzten um vier Uhr morgens die Bar.

Trotzdem entschließe ich mich am nächsten Morgen als einer der Wenigen, an einem Workshop teilzunehmen. Wir üben die LVS-Suche im regen-durchnässten Schneefeld unter Realbedingungen. Ich stelle fest, dass man ohne Lawinenschaufel in einer so verdichteten und schweren Schneedecke keine Chance hat einen Verschütteten zu befreien. Anschließend fahren wir noch ein bisschen Wasserski auf den durchtränkten Pisten und ich stellte fest, dass auch Sulzschnee bei nicht so perfekten Bedingungen Spaß machen kann. Irgendwann sind wir gleichermaßen erschöpft wie durchnässt. Im Tal wartet ein BBQ auf uns. Mittlerweile sind auch fast alle Teilnehmer aufgetaucht und wir verweilen noch etwas in der warmen Hütte, bis die Steaks gebraten sind. Später findet auch noch ein Materialflohmarkt statt.

Am Nachmittag brechen nach und nach die meisten Teilnehmer auf. Eine fast schon traurige Stimmung macht sich breit, denn wir werden uns wohl eine Zeitlang nicht wiedersehen. Ich schaue zurück auf viele lehrreiche gemeinsame Stunden am Berg; auf viele neue Bekanntschaften und auf viel tolle Lines, die wir gemeinsam in den Schnee zaubern durften. Das Chillout war trotz frühlingshaften Temperaturen und Regenwetter eine tolle Erfahrung. Weniger die skifahrerischen Qualitäten des Saisonabschlusses des Risk'n'Fun-Programms werden mir in Erinnerung bleiben, sondern die Momente, die ich mit den Teilnehmern, den Bergführern und Trainern verbringen durfte.

An dieser Stelle möchte ich auch einmal „Danke“ sagen! Danke an PowderGuide für diese einzigartige Möglichkeit die Camps aus der Teilnehmerperspektive festzuhalten. Danke an die Trainer und Bergführer von Risk’n’Fun, die einen fantastischen Job geleistet haben, und nicht zuletzt an alle Teilnehmer, die einen wesentlichen Teil dazu beigetragen haben, dass die Risk'n'Fun- Ausbildung zu meinem ganz persönlichen Highlight geworden ist.

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Links:

www.risk-fun.com
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