11.01.2014
Stefan Siegel

Spot-Check Verbier – La Tzoumaz

Nahe an der Schickeria und den Modefreeridern Verbiers, aber dennoch entspannt und (vglw.) günstig

Verbier ist eines der bekanntesten Skigebiete der Alpen und weihnachtlicher Treffpunkt für die Schickeria, Adabeis und englische Hooray Henrys. Das sollte uns nicht davon abhalten die weltbekannten Lines und Couloirs wie Stairway To Heaven und Rock Garden zu befahren.

Tom Gamstätter Stefan Siegel Verbier, Schweiz Am Tête des Etablones oberhalb von Verbier

Dies ist mein Erfahrungsbericht, der zugleich eine Anleitung ist, wie man Verbier mit kleinem Gelbbeutel und breiten Latten am besten erleben kann:

La Tzoumaz ist ein kleiner Ort, der sich dadurch auszeichnet in eines der größten Skigebiete Europas, die vier Täler (Les 4 Vallées), eingebunden zu sein. Mein Powderbuddy Tom und ich hatten uns den Ort ausgesucht, da wir durch die geographische Nähe zu Verbier praktisch und unkompliziert via Kabinenbahn mit Verbier verbunden waren. Dadurch ergaben sich bezahlbare Unterkunftsoptionen von Ferienwohnungen, preiswerte Chalets aber auch ein großer Parkplatz am Ortsende, wo Campen auch erlaubt ist.

Via Gondel erreicht man in wenigen Minuten das Herz des Skigebiets und erreicht die spektakuläre Arena von Verbier. Das Skigebiet als solches mag mit 420 km eines der ganz großen der Alpen sein, jedoch fragt man sich ständig was man als Pistenfan dort verloren hat: Extrem steile Pisten, kilometerlange Verbindungswege, eisige Buckelpisten und unübersichtliche Pistenbeschreibungen scheinen nicht der ideale Ort für die vielen Familien, Gelegenheitssnowboarder und Fun-Carver zu sein.

Freeride-Paradies Verbier

Dafür sind wir Linehunters voll in den Genuss von Verbier gekommen. Wie in kaum einem anderen Gebiet sind viele Lines und Varianten schon vom Lift aus gut einsehbar und klar erkennbar. Verbier bietet praktisch alles: von weiten Powder-Hängen bis hin zu steilen Couloirs. Durch die großen Massen an Skifahrern während der Weihnachtszeit trifft man jedoch auf zahlreiche Variantenfahrer ohne große Erfahrung oder Ausrüstung im Gelände. Unser Tipp: immer die Felle mitnehmen und bereit sein Aufstiege oder kleinere Touren in Kauf zu nehmen. Noch am dritten Bluebird-Tag nach einem größeren Schneefall fiel es uns dadurch leicht fantastische Abfahrten am Mont Gelé, Col de Mines oder durch das Vallon D’Arbi zu finden.  

Simon Starkl Julien Michlig Verbier, Schweiz

Champagner hier, Lawinen dort

Freeriden scheint in Verbier auch ein Publikumssport zu sein. Während Tom und ich uns entschieden hatten die Nordwestflanke des Mont Gelé, aufgrund von Lawinengefahr im oberen Bereich, von unten zu besteigen, um dort eine unbefahrene Line in Angriff zu nehmen, wurde auf der Terrasse 500 m weiter unten der Champagner im Restaurant La Vache verkostet. Als wir unten ankamen, wurde uns gleich ein Video unserer Abfahrt von einem Restaurantgast überreicht, und während wir uns noch Gedanken darüber machten welchen Salat wir uns im La Vache leisten konnten, mussten wir zusehen wie sich drei Snowboarder am gleichen Berg, aber leider von der Bergstation im oberen Bereich, versuchten. Drei Lawinen und ein teilverschütteter Teenager später hatten wir keinen Hunger mehr und zogen weiter in Richtung Col de Mines. Auch dort entdeckten wir Touristen im offenen Hang und mussten erleben, wie beim zweiten „Wumm“-Geräusch im Steilhang noch ein Gruppenfoto gemacht wurde. 

Die Spreu vom Weizen trennen

Das Ausmaß des Freeride-Trends lässt sich in Verbier gut erkennen: Mangels Wissen werden von vielen Wintersportlern die Gefahren nicht erkannt. Um dem Freeride-Wahn zu entgehen lautet unser Tipp deshalb, Felle mitnehmen und sich mit kurzen Aufsteigen abfinden und dadurch auch das Gebiet, den Schnee und die Gefahren im Gelände besser kennenlernen. Die meisten Traumabfahrten der vergangenen Wochen waren oft sogar von Verbier selbst sichtbar und blieben dennoch tagelang unberührt.

Simon Starkl Dani Sturzenegger Bruson, Schweiz Bruson, der Tiefschneetipp an Schlechtwettertagen

Tipps für Verbier / Quattre Vallées

Für den ersten Tag empfehle ich die klassischen und ausgewiesenen Freeride-Gebiete zu besuchen: Stairway To Heaven, Rock Garden, die klassische Col de Mines Scharte geben einen guten Einblick. Die Tage darauf sollten so geplant sein, dass jeweils ein Aufstieg von ein bis zwei Stunden euch in Gebiete bringt, welche nur von wenigen Freeridern befahren werden. Mont Gelé, Chassoure und auch das Vallon D’Arbi bieten unendliche Möglichkeiten. Für die Gebiete südlich des Mont Forts empfehlen wir, aufgrund  der vielen Gletscherspalten einen Bergführer oder Ortskundigen mitzunehmen. Bei Schlechtwetter und Schneefall lohnt sich auf jeden Fall der Wald oberhalb von La Tzoumaz. Knietief im Powder bis ins Tal; durch Felder, Wiesen und Vorgärten diverser englischer Chaletbesitzer.

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