07.04.2016

Buchtipp: Bergmedizin Expeditionsmedizin Pocket

Sehr ausführliches Nachschlagewerk im Miniformat

Der auf medizinische Fachliteratur in „kompaktem Format" spezialisierte Börm Bruckmeier Verlag präsentiert einen ausführlichen Ratgeber zum Mitnehmen in die Berge, Untertitel: Von Tagesausflug bis Himalaya Expedition.

Börm Bruckmeier Verlag Titelseite

Die Idee zu diesem Buch kam den beiden Autoren Berend Feddersen und Harald Ausserer während einer Expedition im Himalaya, bei der sie gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern und Expeditionsärzten 33 Bergsteiger begleiteten. Im Laufe der Zeit traten bei allen unterschiedliche Symptome auf und es wurde schnell klar, dass es auch für Ärzte nicht immer einfach ist, ohne zusätzliche Hilfsmittel zu diagnostizieren, was nun genau das Problem ist. Wenn einheimische Träger oder Sherpas betroffen waren, kamen Verständigungsprobleme erschwerend hinzu. Der Anspruch von Bergmedizin Expeditionsmedizin Pocket ist, dass es „in jede Jackentasche" passen soll. Außerdem, und hier wird es ambitionierter, soll das Buch sowohl Laien, als auch Ärzten als Nachschlagewerk dienen. Ziel ist: „das medizinische Wissen, welches am Berg nötig werden kann, komprimiert und umfassend zugleich, darzustellen".

Aufmachung

Das kleine Buch hat in etwa das Format einer Rittersporttafel und wiegt 280 Gramm. Die Outdoortauglichkeit äußert sich in Form einer Ringbindung, etwas festerem Papier und einem robusten Buchumschlag. Schon beim ersten Aufschlagen merkt man, dass es sich hier um ein ernsthaftes Nachschlagewerk handelt. Das Layout ist im Stile eines Lehrbuchs übersichtlich und absolut schnörkellos. Es wird kein Zentimeter an irgendwas verschwendet, das nicht rein der Informationsvermittlung dient.

Bergmedizin Expeditionsmedizin Pocket Schnörkelloses, übersichtliches Layout. Oberstes Ziel: Platz effizient für möglichst viel Information nutzen. Rote Kreuze markieren Inhalte, die für Ärzte gedacht sind.

Inhalte

Ein großer Teil des Buches ist dem allgemeinen Thema Höhenprobleme gewidmet. In Kapitel 1 wird zunächst grob besprochen, wie sich der menschliche Körper an die Höhe anpasst. Weiter geht es mit einem Kapitel zu akuter Höhenkrankheit (Vorbeugen, erkennen, therapieren von AMS, HAPE, HACE). Kapitel 3 befasst sich mit möglichen Vorerkrankungen, die man berücksichtigen muss, wenn man sich in große Höhen begibt.

Besonders umfangreich ist Kapitel 4: Erkrankungen / Symptome in der Höhe. Neben typischen Höhenproblemen, wie sie etwa bei AMS auftreten, geht es hier auch um Dinge wie beispielsweise Durchfall, Hitze oder Kälteschäden, Knochenbrüche und Blitzunfälle. Man muss also nicht auf 5000 Metern unterwegs sein, um hier Nützliches zu finden. Ein letztes Kapitel zur Höhenthematik ist Problemen gewidmet, die speziell bei Kindern auftreten. Auch hier gilt: ist nicht nur für Himalaya Expeditionen hilfreich.

Auf ein Kapitel zum Themenbereich Schmerztherapie folgt ein reich bebildertes und sehr gelungenes Kapitel über Verbände – besonders interessant finde ich die Darstellungen stabilisierender Tapeverbände, etwa für Finger, Handgelenke und Knie.

Bergmedizin Expeditionsmedizin Pocket Kapitel Verbände: viele Bilder, anschaulich und nützlich.

Zwischen den Verbänden und der Wiederbelebung (Kapitel Notfallsituation, beinhaltet lebensrettende Sofortmaßnahmen, Notruf, Hubschraubereinweisen) befindet sich etwas überraschend ein kurzes Kapitel zur Lawinenkunde. Hier werden unter anderem die Grundzüge der Reduktionsmethode und der Snowcard erläutert. Es folgt ein Kapitel zu Knoten und Bergetechniken, wo ebenfalls ziemlich knapp grundlegende Knoten und Seiltechniken dargestellt sind. Man gelangt hier auf wenigen Seiten vom Achterknoten zum Standplatzwechsel mit Verletzter Person. Ebenfalls erläutert werden Grundtechniken der Spaltenbergung und behelfsmäßige Transportmöglichkeiten für Verletzte (Seiltragesitz, Biwackschlitten,...).

Es folgt ein Kapitel zu Medikamenten, die für die Notfallapotheke geeignet sind. Hier wird zwischen einem „Basismodul für Alpinisten" und erweiterten Varianten (Ärzte, Bergführer) unterschieden. Abschließend gibt es einige anatomische Diagramme und ein kleines Wörterbuch, in dem relevante Begriffe auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Chinesisch, Nepali und Tibetisch angegeben sind.

Bergmedizin Expeditionsmedizin Pocket Für alle die immer schon wissen wollten, wo der Zahnarzt die Spritze ansetzt.

Fazit

Das Buch möchte laut Vorwort zwei Dinge:
1. man soll es problemlos einstecken und mitnehmen können. Das ist gelungen, es ist klein, kompakt und dank etwas dickerem Papier und Ringbindung sicher auch relativ robust.

2. Der Inhalt soll einerseits umfassend, andererseits komprimiert sein, ebenso wie einerseits nützlich für Laien, andererseits aber auch für Ärzte. Den Autoren ist laut Vorwort bewusst, dass das ein relativ anspruchsvoller Spagat ist. Inhalte, die eher für Ärzte gedacht sind, sind mit roten Kreuzen markiert, so dass man sie als Laie leicht überblättern kann und gleich merkt, dass Informationen wie: „wieviel Lidocain spritze ich meinem Kollegen in welchen Unterkiefernerv wenn er Zahnweh hat" eher für den Arzt gedacht sind. Ich als Laie finde die für mich gedachten Inhalte verständlich aufbereitet. Ob die für Ärzte gedachten Zusatzinfos (vor allem Details zu und Dosierung von speziellen Medikamenten) nützlich sind, kann ich nicht beurteilen. Sie stören mein Laienleseerlebnis jedenfalls nicht weiter, da ich sie dank der mE sehr sinnvollen Markierung problemlos ignorieren kann. 

Bergmedizin Expeditionsmedizin Pocket Wörterbuch - ich kann jetzt auf Tibetisch sagen: bitte, danke, guten Morgen, ich habe eine Blutvergiftung.

Die Kapitel zu Lawinenkunde und Seiltechnik sind im Vergleich zu den restlichen Inhalten sehr knapp gehalten und maximal hilfreich um kurz mal irgendwas grundlegendes Nachzuschlagen, das man eigentlich weiß, aber sich nochmal vor Augen führen möchte. Das steht so in etwa auch in den entsprechenden Kapiteln.

Ich bilde mir ein, dass man beim Lesen merkt, woher die Idee zu diesem Buch stammt. Die Situation, die die Autoren im Vorwort beschreiben (großes Team inklusive Sherpas und Träger, abgelegene Gegend, Probleme von Schnupfen, über in den Finger geschnitten, bis zu einigermaßen kritischen Höhensymptomen), habe ich genau so auch schon mehrfach erlebt und in diesem Setting ist „Bergmedizin Expeditionsmedizin Pocket" zweifelsohne ungemein hilfreich. Wir hatten nichts entsprechendes zum Nachschlagen und standen mehrfach eher überfordert vor der Auswahl an Medikamenten im Erste Hilfe Kasten des Expeditionsleiters. Auch das Wörterbuch wäre hier extrem nützlich gewesen.

Reinhold Messner hat den Buchumschlag mit seiner Unterschrift und den Worten „gehört in jeden Rucksack" verziert. Ob man es wirklich auf jede Vormittagsskitour neben dem Lift mitnehmen muss, sei dahingestellt. Für größere Aktionen ist es definitiv sehr sinnvoll und selbst wenn man nichts entsprechendes vorhat und das Buch nur zuhause durchblättert, wird wohl jeder Bergsportler viel Nützliches darin finden.

ISBN: 978-3-89862-743-6

Für 18.99 € im Handel erhältlich, beispielsweise hier oder in der Buchhandlung um die Ecke. Eine App zum Buch ist geplant.

Für Erste Hilfe gilt natürlich wie für alles andere: Bücher ersetzen keine Kurse.

Der Verlag hat PG ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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