16.12.2016

Filmrezension | THE FOURTH PHASE

Make America 'Rice' again?!

THE FOURTH PHASE ist der dritte große Film von und mit Travis Rice - nach „That's it that's all" von 2008 und „The Art of Flight" aus dem Jahr 2011 - welche stark zu Travis Rice genereller, branchenübergreifender Bekanntheit beigetragen haben.

Beide Vorgängerfilme können für sich in Anspruch nehmen, sowohl das filmerische Niveau als auch die Bandbreite und Qualität des BigMountain-Freestyle – also komplexe Tricks in großen Faces ohne speziell gebaute Jumps - auf ein neues Level gehoben zu haben. Deshalb baut so ein Film natürlich andere Erwartungen auf als irgendein dahergelaufener Indie-Film, der mit Verlängerung noch sein Budget von 5000 Euro über Kickstarter/Indigogo eingesammelt hat.

Deshalb sollen in diesem Review zwei Fragen beantwortet werden:

  • Schafft es auch der neue Film, das Excitement Level noch einmal signifikant nach oben zu schrauben?
  • Ist „The Fourth Phase" unabhängig von dem großen Anspruch der Vorgänger ein guter Snowboard-Film?

 

Die erste Frage ist recht schnell und unprätentiös mit „Nein" zu beantworten.

Im Gegensatz zu dem in der Pressemitteilung verschickten Zitat von Der WELT, N24 („ spektakuläre, nie dagewesene Snowboardaction") muss ich feststellen, dass die jeweiligen Redakteure augenscheinlich keinen guten Überblick über die Filme der letzten Jahre haben, sonst kämen sie nicht zu diesem Fazit.

Ohne Zweifel: Die Tricks sind beeindruckend, aber das Faszinosum des Neuen, welches die Vorgängerfilme ausgezeichnet hat, macht einer ritualisierten Professionalität Platz, die den Film solide aber nicht außergewöhnlich erscheinen lässt. Sowohl bei der filmerischen Ausgestaltung wie bei den Tricks reißt es den versierten Konsumenten nicht vom Hocker. Der Anspruch mit Helikopter und möglichst viel Manpower irgendwo hinzukommen, scheint in der Zwischenzeit überholt (Jeremy Jones Trilogie und andere) und geradezu anachronistisch.

Alle setzen auf Drohnen und eine Reduktion ihres ökologischen Fußabdrucks – Travis Rice macht den Klimawandel implizit und explizit zum Thema des Films, schert sich aber gleichzeitig keinen Deut darum, seinen eigenen „Fußabdruck" zu verringern. Welcome to the world of president-elect Donald J. Trump.

Der Trailer:

Womit wir bei der zweiten Frage angelangt wären, ob "THE FOURTH PHASE" ein ordentlicher Snowboardfilm ist:

Ja, das ist er ohne Zweifel.

Klassische Downdays-Aufnahmen aus Alaska mischen sich mit wirklich beeindruckenden Naturaufnahmen und guten Tricks. Die Nachtaufnahmen im japanischen Wald mit mehreren Fahrern sind herausragend gefilmt und umgesetzt. Die meisten BigMountain-Szenen wurden klassisch gefilmt und – heutzutage untypisch – mehrheitlich mit Rockmusik unterlegt. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht.

All das ist solide gemacht, aber war das der einzige Anspruch der Macher? Sowohl das Storytelling des Films als auch die explizite Darstellung eines Lawinenunglücks lassen einen anderen Schluss zu.

THE FOURTH PHASE soll zumindest zu einem Teil ein kritischer, aufklärerischer Film über globale (Klimawandel) und lokale (Lawinen) Gefahren sein, ansonsten ergäben Szenenauswahl und Erzählung keinen Sinn. Diesem Anspruch wird der Film in beiderlei Hinsicht (global, lokal) nicht gerecht.

Die Folgen des Klimawandels werden zwar in einigen Szenen deutlich (Snowpack in Alaska), jedoch werden sowohl das obengenannte Beispiel aus auch die große Erzählung des Wasserkreislaufs nicht sinnvoll zu einem sinnvollen Ganzen zusammengeschnürt, sondern erscheinen als assoziative Features in einem ansonsten gedankenlosen Actionfilm.

Hinsichtlich des Risikomanagements in lawinengefährdetem Gelände überzeugt Travis Rice – zum wiederholten Mal – als herausragendes Negativbeispiel einer charismatischen Person mit stark narzisstischen Zügen, die nicht fähig ist, ihr eigenes Tun kriteriengeleitet zu reflektieren.

Der Film steigert sich, einem klassischen Drama ähnlich, in immer absurdere Situationen/Entscheidungen, was die danach eingeblendeten, kritischen Kommentare der Teilnehmer dramaturgisch untermalen. Der Höhepunkt/ die Katastrophe ist dann das – angesichts der Größe des Abgangs und der Geländefalle – glimpflich ausgegangene Lawinenunglück von Travis Rice.

Dieser Wendepunkt könnte trotz der eher mystischen Darstellung im Film glaubhaft sein, wüsste man nicht, dass Travis augenscheinlich aus seinen früheren Erfahrungen nichts gelernt hat.

Wer es nicht mehr vor Augen hat, schaue sich das „British Columbia" Segment im Film „The Art of Flight" an (ab Minute 45). Trotz „one of the worst avalanche conditions in history" musste man das natürlich nochmal exzessiv selbst überprüfen, und ist dann einfach trotz vielfältiger Spontanauslösungen so oft in Hänge reingefahren, bis es einen - damals Mark Landvik - erwischt hat.

Daraus hat man (Filmteam, Travis Rice, Verantwortliche) offensichtlich nicht die richtigen Schlüsse gezogen. Mal sehen, ob es nach diesem „close call" anders wird.

Fazit:

THE FOURTH PHASE ist ein ordentlicher Snowboardfilm mit teilweise herausragenden Szenen, der aber weder seinem impliziten Anspruch gerecht wird noch das Niveau seiner Vorgänger erreicht. Kann man anschauen, muss man aber nicht.

 

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Links:

www.thefourthphase.com/
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Kommentare / Diskussion

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Ich fand ihn auch eher lahm. sogar was action anbelangte.
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