25.03.2009
Hanna Finkel, Olav Schmid

Dolomiten-Durchquerung

Südtirol, Italien

Olav Hanna und Michi Dolomiten

Die Skitourensaison hat begonnen und so haben wir drei unserer Skisklaven bei noch etwas unguten Verhältnissen in eines der schönsten Gebiete der Alpen geschickt, die Dolomiten. Sie durchquerten die Dolomiten in fünf Tagen und haben beim besten Willen nicht den einfachsten Weg gewählt. Erfahrt einen kleinen Vorgeschmack bevor der tiefe Winter endgültig dem Ende entgegen schreitet und dem Frühling mit besseren Tourenbedingungen weicht.

Alta Badia, Sellaronda, Kronplatz oder Cortina d?Ampezzo... – das sind die Namen, die einem als erstes in den Kopf schießen, wenn man an die verschneiten Dolomiten denkt. Aber dass die Dolomiten noch eine ganz andere, viel ursprünglichere, und sehr einsame Seite haben, konnten wir Anfang März selbst miterleben. Wir durchquerten diese rauen Kalkriesen mit ihren sanften Almen und endlosen Hochebenen in fünf Tagen mit Tagesetappen zwischen 1000 und 1700 Höhenmetern von West nach Ost, vom Sas Rigais bis zu den Drei Zinnen, von Vilnöss bis Sexten...

Olav Hanna Dolomiten

Stefan Herbke beschrieb vor einigen Jahren seine selbst ausgearbeitete Tour mit folgenden Worten: "Landschaftliche Höhepunkte am laufenden Band, lohnende Gipfel, tolle Abfahrten und eine logische Linie, bei der man die Täler nur kurz berührt und ohne große Umwege auf der anderen Seite gleich wieder ansteigt." Dies hat sich in unseren Köpfen eingebrannt und welcher Zeitpunkt hätte besser sein können diese Tour anzugehen als das Jahr 2009, welches Südtirol Unmengen an Schnee bescherte. Besonders angenehm, vielleicht sogar etwas luxuriös ist die Tatsache, dass man jeden Tag ins Tal abfährt, wo einen liebevolle und günstige Unterkünfte mit Halbpension erwarten. Dies erleichtert nicht nur den Rucksack ungemein, man kommt zudem in den Genuss der südtiroler Küche und lernt auch die außerordentlich herzlichen Einwohner dieser deutschsprachigen Provinz in Norditalien kennen.

Im Winter zum "Golfen" in die Dolomiten!?

Naja, nicht ganz? Um genau zu sein war es ja schon fast Frühling. Um noch etwas genauer zu sein, war der "Golfen" auch nur ein Vorgipfel des Toblacher Hochhorns, welchen wir erwählten um uns auf die folgenden fünf Tage in den Dolomiten einzustimmen, die Schneelage zu prüfen und unsere Fitness zu testen. Schon nach ein paar Stunden war dieses Warm-up, von bester Aussicht auf die Dolomiten begleitet, erfolgreich abgeschlossen und so trafen wir nachmittags schließlich alle wichtigen Vorbereitungen für die anstehende Tour. Das heißt nochmals Lawinenlagebericht checken – der in Südtirol übrigens nur dreimal wöchentlich veröffentlicht wird – und ein Auto in Sexten, unserem Zielort, zu parken. Wir entschlossen uns die Nacht kostengünstig und kuschelig im Auto zu verbringen. Noch etwas aufgeregt und voller Erwartungen schliefen wir schließlich ein bevor nachts nochmal einige Zentimeter Neuschnee fielen.

Olav Hanna Kleiner Peitlerkofel

Tag eins | Tourauftakt

Die erste Tagesetappe führt vom letzten Ende des Villnößtal, der Zanser Alm (1685 m) hinauf zum Zendleser Kofel (2422 m) im ständigen Angesicht des Sas Rigais und Furchetta. Nun geht es über den Grat gen Nordosten hinab in die Senke bis auf ca. 2300 m. Wer noch nicht genug hat, kann von hier aus einen Abstecher auf den Kleinen Peitlerkofel (2813 m) machen um von dort die traumhafte Aussicht zu genießen und einen Vorgeschmack der nächsten Tage zu bekommen. Jedoch sollten dafür die Schneeverhältnisse sicher sein. Nun hinab bis Misci/Campill (1530 m) zur Speckstube. In Misci gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten.

5-6 h

Nach dieser ziemlich kalten Nacht im Auto, wurden wir von den ersten Sonnenstrahlen und blauem Himmel geweckt. In Daunenjacken eingepackt, rüsteten wir unsere Skier mit Fellen aus, schalteten unsere LVS-Geräte ein und stapften noch ein wenig steif von der Kälte los. Unser erster Gipfel dieses Tages: der Zendleser Kofel. Wärmende Sonnenstrahlen, dafür ein eisiger Wind und der faszinierende Blick auf die Nordwände von Sas Rigais und Furchetta begleiteten uns auf unserem Weg. Das Panorama vom Gipfel gab uns einen ersten Vorgeschmack von den landschaftlichen Eindrücken, die wir in den kommenden Tagen noch alle in uns aufsaugen sollten.

Nach einer etwas windigen Brotzeit im Schutze eines Boulderblocks nahmen wir den zweiten Gipfel in Angriff – den Kleinen Peitlerkofel. Der Aufstieg in seiner südexponierten Rinne erforderte allerdings Bedacht auf die richtige Spurwahl und forderte erstmals unsere Kondition. Aber auch hier ließ der Ausblick auf schroffe Felsabbrüche und gewaltige Wände alle Strapazen des Aufstiegs vergessen. Die stark verblasene aber dadurch kompakte Schneedecke gestaltete die Abfahrt zwar etwas ruppig aber dafür eben sehr safe! Schließlich erreichten wir unser erstes Tagesziel mit von der Sonne spannenden aber lächelnden Gesichtern. Im Tal fanden wir sogleich unsere Schlafmöglichkeit für die erste Nacht. Wir wussten ja gar nicht, inwieweit sich unsere Unterkunft als ein Schlaraffenland herausstellte, die wir nur weiterempfehlen können: die Speckstuben. Nur so viel: Irgendwie war es an mir vorbei gegangen, dass in Italien Pasta zur Vorspeise zählt. Und so war ich sprachlos, als einem großen Teller Spaghetti Bolognese eine halbe Schweinshaxe folgte. Nun ja, die nötige Bettschwere hatten wir für diese Nacht jedenfalls?

Olav Hanna und Michi Zwischenkofeltal

Tag zwei | "Wo soll es denn hier durchgehen?"

Von Misci (1530 m) durch das Zwischenkofeltal, das in einem Kessel aus steilen Felswänden zu enden scheint und keinen Ausweg ersehen lässt. Erst nach näherem Herantreten wird eine kleine Scharte sichtbar – die Puezscharte. Diese kann jedoch bei unguten Schneebedingungen ein unausweichliches Hindernis darstellen, so dass man im schlimmsten Falle umdrehen muss um die Tagesetappe mit dem Bus zu umfahren!

Die Puezscharte führt auf eine Hochebene und bietet nun etliche Möglichkeiten. Die lohnendste ist wohl die Puezspitze (2918 m) - ebenfalls sichere Schneeverhältnisse von Nöten. Der Weitblick vom Gipfel ist unvergleichlich und es breiten sich fast die gesamten Westdolomiten vor einem aus.

Wer nach der Puezscharte jedoch schon genug hat, kann sich gleich daran machen, die Hochebene gen Südosten zu durchqueren und ins Edelweißtal abzufahren, wo man auf den letzten Metern noch die Pisten von Kolfuschg streift. Mit dem Bus weiter nach La Villa. Hier sucht man sich am besten eine Unterkunft am östlichen Rande des Dorfes (Suracinias) – rechtzeitige Reservierung empfohlen.

6-8 h

Nach einem ausgiebigen Frühstück schnallten wir unsere Skier an und marschierten auf unserer zweiten Tagesetappe gen Puezspitze. Der Weg führt durch das unberührte Zwischenkofeltal, umgeben von den schroffen Bergriesen. Allerdings mit einem kleinen Hindernis: die Puezscharte, eine schmale und steile Rinne, die sich vor unseren Augen in dieser einsamen Bergwelt auftat. Vorsicht war geboten und so bezwangen wir sie einzeln und mit Harscheisen bewaffnet. Für mich gestaltete sich der Aufstieg gleichzeitig als ein kleines Spitzkehren-Training, von welchem ich in den nächsten Tagen noch ordentlich Gebrauch machen konnte. Oben an- und wieder zu Atem gekommen, drohte es mir denselben auch gleichzeitig wieder zu verschlagen. Boah – eine weite und einsame Hochebene tat sich vor meinen Augen auf, im Hintergrund die beeindruckenden Fassaden von Langkofel und der Sellagruppe. "Tut mir leid, Jungs. Ihr könnt gerne noch die Puez Spitze hochrennen. Ich bleib hier sitzen, genieße diese einmalige Aussicht und lass? mich von der Sonne kitzeln?" Am Abend bereute ich jedoch, dass ich auf eine zweite Ladung Sonnencreme verzichtet habe?

Wieder bescherten uns die harten und verwehten Schneeverhältnisse einen Rodeo-Ritt ins Tal, aber dafür mit umso sichereren Lawinenbedingungen, denn diese Abfahrt wartete mit einigen Steilabschwüngen auf. Die letzten Meter legten wir auf den planen Pisten des Val Badia Skigebiets zurück und gönnten unseren brennenden Sohlen eine kleine Verschnaufpause. In La Villa angekommen, fanden wir eine spartanische, aber gemütliche Unterkunft und gingen an diesem Abend (wieder einmal) sehr früh zu Bett?

Tag drei | Hüttenzauber

Je nach Schneebedingungen lohnt es fast sich ein Taxi für die ersten Meter zu nehmen. Von La Villa (1450 m) steigt man empor gen Lavarella Scharte (2533 m). Dort angelangt warten wieder eine endlos scheinende Hochebene, sowie verschiedene Varianten an Gipfelzielen. Die wohl lohnendste sei der Heiligkreuzkofel mit seinen nicht ganz 3000 Höhenmetern. Dieser steht seinem Nachbarn, dem Zehnerkofel in keinerlei Hinsicht nach, besonders weil der "Zehner" mit seinen über 3000 HM tagtäglich Unmengen an Gipfelstürmern anzieht. Etappenziel ist die Lavarella Hütte (2050 HM - Tel.: 0039/0474/50 10 79, www.lavarella.it). Hier schwingt ein wenig der österreichisch-südtiroler Skitourismus in die Berge, wobei es keinerlei Vergleich zu den großen Skiorten darstellt.

Nach einem zuerst scheinbar orientierungslosen Fußmarsch durch das noble Skiörtchen La Villa, schnallten wir kurze Zeit später unsere Ski an, um auf dem Winterwanderweg in Richtung Lavarella-Hütte die gleichnamige Scharte in Angriff zu nehmen. Starker eisiger Wind drohte mich bei meinen Spitzkehren gen Gipfel immer wieder aus dem Gleichgewicht zu bringen. Vom Wind festgepresste Schneeverhältnisse, gespickt mit Triebschnee-Ansammlungen beanspruchten meine volle Konzentration und Koordination. Berg Heil auf die Harscheisen – was hätte ich ohne sie getan?! Nach einer scheinbaren Ewigkeit mit ständig peitschendem Wind im Gesicht und eiskalten Fingern standen wir auf der Scharte. Allerdings nicht lange – es war ziemlich ungemütlich dort oben. Während die Ausdauerbombe Michi noch schnell die Gipfelvariante bevorzugte, machten wir uns auf die Odysee Richtung LaVarella-Hütte. Die nächste endlos scheinende Hochebene raubte uns den Atem – in zweierlei Hinsicht: zum einen bescherte sie uns traumhafte Ausblicke, zum anderen wollte sie kein Ende nehmen und die Orientierung war gar nicht so einfach. Unerwartet auftretende Felsabbrüche machten diese Gegend zu einem "Mienenfeld".

Aber als ich später auf der Lavarella-Hütte einen Schluck von meinem Radler und eine Gabel von meinem Apfelstrudel zu mir nahm, war das alles irgendwie ganz schnell vergessen?

Bei Polenta, Pasta und Speckknödel ließen wir diesen aufregenden Tag ausklingen und machten es uns in unseren Hüttenschlafsäcken gemütlich.

Olav Michi Dolomiten

Tag vier | Die Schlüsselstelle

Diese Etappe kann gerne als Schlüsselstelle der gesamten Tour bezeichnet werden. Denn sollten hier unsichere Schneeverhältnisse herrschen, muss ganz klar ein Umweg zu dieser beschriebenen Route gefunden werden – was aber kein Problem darstellen sollte. Außerdem lohnt es sich früh zu starten!

Von der Lavarella Hütte geht es vorerst gemütlich auf dem Winterwanderweg hinab unter die Ciaminscharte, die nicht nur steil (40°) und lang ist – sie bietet keinen einzigen sicheren Punkt zum Rasten. Von der Scharte (2395 m) eröffnet sich nordöstlich ein nächstes "Törchen". Die nächsten 100 HM fordern nochmals absolute Vorsicht, bevor man nun in die wohl schönste Abfahrt der gesamten Tour durch das Grantal einblicken kann, welches zur Vodera-Vedla (1966 m) Hütte führt. Nun müssen nochmals 100 HM durch eine Hochebene gen Osten zurückgelegt werden, hinab zum Rif. Ra Stua (1688 m) und wieder hinauf zur Lerosascharte (2020 m). Hier sei ein weiterer Aufstieg bis zu einen namenlosen Hügel (2302 m) empfohlen. Nicht nur wegen den landschaftlichen Reizen, besonders aber wegen der Abfahrt.

Wer hier noch genug Pepp in den Beinen hat, dem sei der letzte Kampf gegen die Ermüdung in der Colfiegoscharte (2721 m) ans Herz gelegt. Diese bietet nochmal eine unvergleichlich rassige Abfahrt.

In jedem Falle hinab bis ins Gemärk und weiter mit dem Bus. Wem die Fahrt bis Toblach zu lange erscheint, muss sich jedoch schon früh um eine Unterkunft in Misurina kümmern. Ansonsten führt kein Weg am Abstecher nach Toblach herum, um eine Nächtigungsmöglichkeit zu finden.

5:30–7 h

Vorsicht war an diesem Tag angesagt. Der Blick hinauf in die Ciamin-Scharte flößte uns großen Respekt ein. Ihre Steilheit, Schroffheit und ungewissen Schneeverhältnisse ließen uns sehr bedacht vorgehen. Und so gingen wir beim Aufstieg auf Nummer Sicher – wir gingen die knapp 500 HM einzeln! Im Laufe des Aufstiegs fiel uns auch an dieser Stelle ein Stein vom Herzen, denn die Schneebedingungen erwiesen sich als ziemlich sicher. Wieder einmal kam uns der festgepresste Schnee zugute. Auf der Ciamin-Scharte angekommen, stolperte ich fast über meine eigenen Beine, weil ich vor lauter Staunen meine Harscheisen ineinander verhakte. Die östlichen Dolomiten präsentierten sich uns bei schönstem Wetter in ihrer wahren Größe und Schroffheit, die tief eingeschnittenen Täler, die einsame Atmosphäre in diesen Höhen war atemberaubend. Die letzte Rinne hinaus zum einem nächsten nordöstlich gelegenen Sattel gestaltete sich zu einem anspruchsvollen Balance-Akt, der allerdings mit viel Konzentration und Aufmerksamkeit vollbracht werden konnte. Die Belohnung dafür war, dass ich mich fühlte als wäre ich der größte Bergsteiger aller Zeiten (sorry, Reinhard? - äh, Reinhold?!?). Bei der Abfahrt hinab zur Fodera-Vedla Hütte fanden wir ein großes Potential von unberührten Powderturns und einem unvergleichlich verspieltem Gelände, in welchem wir uns voll und ganz austoben konnten. Das war wohl die schönste Abfahrt. Nach einer ausgiebigen Brotzeit ging es unserem vorletzten Etappenziel entgegen. Auf den letzten Höhenmetern Richtung Lerosascharte spürte jeder von uns die Müdigkeit der letzten Tage in den Beinen und die Sonne grillte uns unbarmherzig. Nichts desto trotz erreichten wir den Sattel, entschieden uns sogar noch weitere 300 HM aufzusteigen um somit eine schönere Abfahrt zu haben. Endlich, endlich war definitives Abfellen für heute angesagt – und nur noch laufen lassen.

Im Bus Richtung Schluderbach drohten mir immer wieder die Augen zuzufallen und ich wollte nur noch eins: Raus aus diesen Tourenstiefeln, die mittlerweile den Geruch eines abgelaufenen Bergkäses angenommen hatten. Allerdings sollte es noch viele Stunden dauern bis zu meiner Befreiung, da sich Schluderbach ohne jegliche Schlafmöglichkeiten entpuppte. Und so hatten wir die Ehre von einer italienischen Prominenz in Gestalt eines erfolgreichen Mittelstreckenläufers, der seine heutige Trainingseinheit auf Langlaufskier absolvierte, nach Toblach mitgenommen zu werden. Und so sahen wir uns kurze Zeit später in Skistiefeln sitzend und nicht gerade angenehm riechend in einem Restaurant die köstliche Pizza verspeisen. Ich habe nachgeschaut: es war kurz nach 20.00Uhr, als ich endlich meine Skistiefel ausziehen konnte, die scheinbar mittlerweile ein Teil von mir geworden waren. Es muss keine fünf Minuten später gewesen sein, als mir endgültig die Augen zufielen?

Olav Hanna Drei Zinnen

Tag fünf | Im Banne der Drei Zinnen

Die letzte Etappe bietet nicht nur eine der beeindrucktendsten Ausblicke auf die Nordwände der Drei Zinnen. Hier ist nochmal alles geboten. Je nach Zustand und verbleibender Fitness kann Tag fünf auf alle Ansprüche angepasst werden ohne dabei die Großartigkeit dieser Gegend zu verpassen. Ein Schmankerl sei hier jedoch noch zu nennen: Steigt man von Süden her zwischen westlicher und großer Zinne empor, können diese beiden auch nordseiteig durch eine schmale Rinne wieder abgefahren werden!

Vorbei an der Drei Zinnen Hütte (2405 m) fährt man schlussendlich über eine wunderschöne Abfahrt hinab ins Bachental nach Bad Moos/Sexten (1360 m). Hier fahren regelmäßig Busse zurück in Pusterta, falls man hier kein Auto geparkt hat.

4-8h

Das Aufstehen an unserem Finaltag war wirklich hart. Meine Beine wollten einfach nicht mehr. Nur der Ausblick auf den bekanntesten Höhepunkt unserer Tour, nämlich die Umrundung der Drei Zinnen, gab mir die letzte Kraft und ließ meine Beine marschieren. Nach einer unterhaltsamen Fahrt hinauf Richtung Auronzo-Hütte, während der unser netter italienischer Fahrer immer wieder die Unmengen an Schnee betonte, die es etwa 30 Jahren nicht mehr geschneit hatte, fellten wir ein letztes Mal auf. Der spektakuläre und atemberaubende Ausblick auf die Drei Zinnen, die über uns thronten, war eine willkommene Ablenkung von den Schmerzen in meinen Waden. Endlich oben angekommen, verfielen die leidenschaftlichen Kletterer Michi und Olav ins Schwärmen über das Routenpotential dieser Wände. "Wir sehen uns im Sommer wieder!"

Interessanterweise waren wir an diesem Sonntag die einzigen Skitourengängen an dem wohl atemberaubensten Fleckchen der Dolomiten. Nur beobachtet von den Giganten und gut gesättigt von den vielen Eindrücken machten wir uns auf den Weg ins Sextener Tal – an skifahrerischer Eleganz und Leichtigkeit durch die letzten Tage etwas eingebüßt. Ein letztes Mal den beißenden Schmerz in den Oberschenkeln beim absoluten Abschwung ignorierend, brachte ich gerade noch ein müdes aber glückliches Lächeln für die Kamera zustande. An die Fahrt hinaus aus dem Sextener Tal und zurück nach Toblach, kann ich mich nur schemenhaft erinnern. Ich kam erst bei einer Latte Macchiato und einem Stück Käsesahnetorte wieder so recht zu mir.

 

Nun ja, es kommt mir so vor, dass ich erst während des Verfassens dieser Zeilen die vielen wunderbaren und so einmaligen Eindrücke dieser Woche aus den Dolomiten so wirklich verarbeite. Wir haben uns geschunden, haben gestunken, wir waren erschöpft und am Ende unserer Kräfte, die Abfahrten waren größtenteils spaßbefreit und der Wind peitschte uns, während die Sonne unbarmherzig unsere Haut verbrannte. Dafür haben wir in einer doch so touristischen Alpenregion die Ursprünglichkeit und Einsamkeit der Dolomiten entdeckt, haben die Freundlichkeit der Einwohner gespürt und die feinen Köstlichkeiten genossen. Und mit diesem Punkt macht sich Stolz und Glück in mir breit.

Quelle: DAV Panorama 1/2007(s.40)

Kartenmaterial:

Tobacco Topographische Karten 1 : 25 000
030 Brixen / Vilnöss
07 Alta Badia
03 Cartina d?Ampezzo
010 Sextener Dolomiten

Skitourenführer:

Rother Skiführer
Pustertal (2004; Rudolf und Sigrun Weiss)
Dolomiten (2005; Stefan Herbke)

Beste Jahreszeit:

März/ April

Busfahrpläne:

www.sii.bz.it

Südtirol Information:

0039 0471 99 99 99 - www.suedtirol.info

Anforderung:

Anspruchsvolle Durchquerung mit teils langen Tagesetappen, die in jedem Fall Potential zu einem Klassiker hat - zu einer "Haute Route Dolomiti".

Auf dieser Durchquerung ist guter Orientierungssinn gefragt und Spitzkehren in steilem Gelände zu sollten gut beherrscht werden. Gute 1000 Höhenmeter gehören zum Tagesprogramm und stellen hohe Anforderungen an die Ausdauer.

Harscheisen gehören auf jeden Fall ins Gepäck, sowie Steigeisen bei schlechten Bedingungen. Den Pickel, das Seil und den Gurt kann man mit gutem Gewissen zu Hause lassen.

Lawinenausrüstung und entsprechende Kenntnisse verstehen sich von selbst.

Text: Hanna Finkel, Olav Schmid

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