11.04.2017
Felix Hofmayer

Frühlingstouren in Alaska

Low Budget AK Roadtrip im späten Frühjahr

Alaska und British Columbia sind bekanntlich Powder-Paradiese - sofern man einen Heli und eine riesige Lodge am Rand der Berge mieten kann. Mein Begleiter und ich dagegen campten im Mai 2016 mit wenig Geld in der Tasche in unserem umgebauten Van. In Kanada konnten wir wegen des schneearmen Winters meist nur klettern. In Alaska führte uns die Reise jedoch zu einigen atemberaubenden Skitouren-Spots.

Google Earth Übersichtskarte

Im Hochwinter sind normale Tagesskitouren im nördlichsten Bundesstaat der USA kaum realisierbar, der Schnee ist zu tief und die Spots unerreichbar. Im Frühjahr aber, wenn die Straßen wieder offen sind, kann man bequem einige Gebiete erreichen und immer noch richtig guten Schnee vorfinden. Wer aber auf die riesigen Spineline-Hänge aus ist, wird einen Helikopter buchen müssen. Hier stellen wir ein paar günstige Geheimtipps in Alaska und auch einen Spot in Kanada vor. Es sind einfache Standardskitouren, die jedoch teilweise einen alpinen Charakter haben und einem das unberührte Alaska näher bringen.

Wichtig ist: In diesen Regionen gibt es kaum externe Rettung. Es braucht Vorsicht und viel Erfahrung, um die Lawinenlage einzuschätzen. Ohne Guide sind Frühjahrstouren also ratsamer, auch wenn der Schnee kein Pulvertraum mehr ist. Im Frühjahr haben die Bären allerdings Nachwuchs und sind relativ hungrig, daher sollte niemand jemals ohne Bärenabwehr in die Wildnis.

Eagle Creek

Die erste Skitour nach Ankunft in Anchorage haben wir im Eagle Creek Valley unternommen. Sie ist sehr kurz und abfahrtstechnisch kaum lohnend, als Start und landschaftlich allerdings sehr zu empfehlen. Ein paar gute Schwünge waren auch drin. Der bestiegene Gipfel bezeichnet sich als „Rendevouz Ridge". (Koordinaten: 61.222453, -149.438242)

Felix Hofmayer Rendezvous Ridge

Arctic Valley

Etwas näher an Anchorage befindet sich das Skigebiet „Arctic Valley". Fährt man zur Talstation, kann man einige kleine Hänge bequem und schnell aufsteigen. Hier hat man zahlreiche kleine Touren und einen großartigen Ausblick. Das Gebiet wird jedoch vom Militär kontrolliert, campen sollte man also nicht. (Koordinaten: 61.246072, -149.535001)

Felix Hofmayer Arctic Valley Fernsicht


Alyeska

Alyeska ist nur etwa eine Stunde von Anchorage entfernt und daher ideal für einen Tagestrip von der Hauptstadt aus. Das berühmte Skigebiet bietet Tourengehern die Möglichkeit, über die Pisten aufzusteigen und dennoch feinste Abfahrten im Tiefschnee. In unserem Fall war jedoch das ganze Gebiet gesperrt. Folgt man aber dem „Crow Creek" auf einer Schotterpiste bis zum Ende, so kann man von dort aus in diverse Kare und Kessel aufsteigen, mit zahlreichen unglaublichen Abfahrten. Im Mai bleibt das Tageslicht glücklicherweise fast bis 23:00 Uhr, wir konnten es also vollends auskosten. (Koordinaten: 61.025492, -149.106935)

Felix Hofmayer Blick Richtung Alyeska


Kenai-Halbinsel

Die Kenai-Halbinsel ist eine der schönsten Plätze Alaskas, zumindest in dem befahrbaren Teil. Dort unternahmen wir leider nur eine Skitour, die wir am „Summit Lake" starteten. Diesen See kann man umfahren. Kurz bevor die Straße an einem Campingplatz endet, beginnt links der Aufstieg. Nach kurzer Zeit lässt man die Bäume hinter sich, dann kann man entweder ein kleines Tal queren und einen steilen Südwesthang befahren oder etwas weiter rechts einem flacheren und stabileren Hang auf einen Grat folgen. Er führt zu einem Gipfelplateau. Bei niedriger Lawinengefahr kann man an beiden Seiten des Grates steil abfahren. Leider mussten wir auf diesen Spaß verzichten und wählten die Aufstiegsroute. Die Kenai-Halbinsel bietet auch auf dem Weg nach „Seward" zahlreiche Tourenmöglichkeiten, allerdings muss dazu noch viel Schnee liegen, da sonst der Zustieg durch die Wald- und Flusslandschaft unmöglich ist. (Koordinaten: 60.639536, -149.492265)

Felix Hofmayer Aufstieg vom Summit Lake


Hatcher Pass

Die Straße zum Hatcher Pass, der etwas nördlich von Palmer liegt, öffnet erst Ende des Frühjahres, allerdings wird sie schon davor bis zur Independence Mine geräumt. Fährt man dort bis zu einem großen Parkplatz, kann man endlos viele Skitouren unternehmen und sein Camp aufschlagen. Wir hatten jedoch nur einen Tag zur Verfügung und es war sehr warm, daher bauten wir lediglich einen Kicker. Für Touren ist die Gegend aber ideal. (Koordinaten: 61.779722, -149.277974)

Felix Hofmayer Hatcher Pass


Denali Highway

Entlang des Denali Highways, der entlang der Berge des Alaska Ranges von West nach Ost verläuft, ist es fast unmöglich, zu den Bergen zu gelangen. Man kann sie nur mit Mehrtagestouren erreichen, da diese am anderen Ende einer riesigen Ebene liegen. Außerdem wuchert dort bereits im Frühjahr ein sehr dichtes Gestrüpp - ohne Wanderweg kann man es kaum durchqueren. Daher gab es für uns nur einen Spot, direkt nach einer langen Hängebrücke in der Mitte des Highways. Dabei handelt es sich um eine schmale Rinne, die wir in kurzer Zeit aufsteigen und abfahren konnten. Trotzdem lohnt sie sich: Wir genossen eine atemberaubende Aussicht in Begleitung von Seeadlern. (Koordinaten: 63.080257, -147.463245)

Felix Hofmayer Fernsicht auf den Denali Highway


Thompson Pass

In der Region um das Skiparadies Valdez gibt es zahlreiche Plätze für Touren, ganz ohne Heli. Möglich ist das zum Beispiel auf der anderen Seite der Bucht, kurz vor Jackson Point. Ein Traum ist der Thompson Pass, den man befahren muss, um nach Valdez zu gelangen. Wir bestiegen einen Gipfel direkt am Worthington Glacier. Wegen zu wenig Schnee konnten wir nicht auf den Gletscher oder über den Fluss zur gegenüberliegenden Bergkette. Im April lag dort aber mit Sicherheit noch genug Schnee, um geniale Touren zu unternehmen. Wir begnügten uns mit einer tollen Abfahrt - der Gipfel heißt vermutlich „Rock Spur" - und ein wenig Sportklettern direkt am Gletscher. Der Kletterfelsen nennt sich: The Sunny Side. (Koordinaten: 61.166293, -145.707097)

Felix Hofmayer Abfahrt vom Rock Spur


Valdez Glacier

Der Valdez Glacier ist extrem lang und bietet bei besseren Schneebedingungen auf jeden Fall zahlreiche Rinnen und Kare zu befahren, welche seitlich abzweigen. Wir unternahmen nur einen Tagesmarsch, gelangten aber nicht einmal bis zur Hälfte der Gletscherzunge. (Koordinaten: 61.146101, -146.166410)

Felix Hofmayer Valdez Glacier


Mount Athabasca

Wir fuhren weiter nach Kanada und konnten dort sogar Ende Juni noch eine grandiose Skitour auf den Mount Athabasca starten. Der ist durch die zahlreichen Gletscherspalten mit Vorsicht zu begehen, aber absolut genial. Die umliegenden Gipfel und das Columbia Icefield bieten eine atemberaubende Landschaft. Auch die Abfahrt lohnte sich, allerdings mussten wir ein gutes Stück die Ski tragen. Falls man in Kanada im Frühjahr mit Skitouren beginnt, hat man dort viel mehr Auswahl als in Alaska und mindestens genauso guten Powder. (Koordinaten: 52.218111, -117.224485)

Felix Hofmayer Mount Athabasca


Unser Trip hat uns jedoch auch so gezeigt: Die Berge Alaskas und Kanadas kann man auch mit wenig Geld erkunden.

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