13.06.2016
Stefan Siegel

Freeride in der Mitternachtssonne

Heliskiing in Island

Nach einer ziemlich verkorksten Saison, in der sich die guten Skitage an einer Hand abzählen ließen und sich der Staub auf den Skiern schon im Januar absetzte, quälte mich der Gedanke, die Ausrüstung im Mai fast unbenützt im Keller zu verstauen....

Mag es am Klimawandel liegen, oder am heurigen El Niño, wohl oder übel werden wir Alpinisten uns Alternativen suchen müssen, denn schon längst beginnt die Skisaison in den Alpen nicht mehr im Dezember und endet jeden April mit langen Skitouren. Vor zwei Jahren erzählte mir eine Freundin begeistert von der Troll-Halbinsel im Norden Islands, die sie aufgrund einer Filmproduktion besuchen durfte. Seither wollte ich dort unbedingt einmal hin.

Stefan Siegel

Auf einer Farm, welche seit dem Jahre 850 n.Chr. von Generation zu Generation in der Familie Bergmann weitergegeben wurde, erfüllte sich Joküll, Bergführer, seinen Traum, die Täler seiner Heimat für Freerider zu öffnen. Mittlerweile ist das Projekt names Arctic Heli Skiing um einiges gewachsen. Bis zu 20 Gäste beherbergt der ehemalige Bauernhof nun von April bis Juni, ausgestattet mit Sauna, Test-Skicenter, zwei Hubschraubern und einem vorzüglichen Koch. 

Nach zirka vier Flugstunden lande ich in Reykjavik und leihe mir ein Auto aus, um mir bei meinem ersten Island-Besuch nicht die Landschaft entgehen zu lassen. Weitere sechs Stunden Fahrtzeit in atemberaubender Landschaft später komme ich in Akureyri im Norden Islands an. Schneller erreicht man die Stadt mit einem 35-minütigem Inlandsflug. Von Akureyri fährt mich Bergführer Robert zur Lodge. Er erzählt mir, dass die Saison erst im April beginnt, sobald die Tage wieder länger werden – was soviel heißt, dass es dann nicht mehr den ganzen Tag dunkel ist.

 

 

Die Handvoll Bergführer von Arctic Heliskiing arbeiten fast alle ausschließlich in Kanada und verlängern ihre
Saison mit zwei weiteren Monaten in Island. Gegen 20 Uhr treffen wir am Bauernhof ein und die Sonne steht noch hoch am Himmel. Beim Abendessen überhöre ich ein Gespräch von drei Schweizern, die nach dem Abendessen noch eine Skitour direkt oberhalb der Lodge planen. Wieso nicht? Der unbefahrene Hang lockt und zeitlich gibt es keine Grenzen. Ich schließe mich an.

Mein darauffolgender Morgen beginnt mit einer Yoga-Session geführt von Joküll's Mutter, ehe der rote Hubschrauber uns zirka 10 Minuten nach Süden zum Gletscher fliegt. Auf knapp 1.100m landen wir in einer Mondlandschaft, die wohl noch nicht viele Menschen gesehen hat. Mit riesigen Schwüngen und einem genauso riesigen Grinsen fliegen meine 192cm-langen Latten über den Firn, während unser Pilot sonnenliegend neben seiner Maschine im Tal auf uns wartet.

Stefan Siegel

Während viele Heli-Ski Unternehmen die Hubschrauber extern anfordern, least Joküll zwei Helis inklusive Piloten für die ganze Saison. Dadurch hat man weniger das Gefühl, dass hier die Flugzeit in Sekunden abgerechnet wird und man aufgrund der Hetzerei das Erlebnis nicht schätzen kann. Nach 12 Abfahrten mit je 1.000 Höhenmetern brennen die Oberschenkel und wir kehren vom letzten Landeplatz mit unseren Skiern direkt zur Lodge zurück. Nach einer so schlechten Saison hatte der Wettergott mit mir Erbarmen und schenkte uns einen zweiten Sonnentag, den wir auf der gegenüberliegenden Halbinsel des Fjordes verbrachten. Weitere unbeschreibliche Abfahrten bis hinunter ins Revier der Robben und Wale waren für mein Skifahrerherz wie eine Versöhnung mit dem schlechten Winter.

Auf ein Wiedersehen in dernächsten Saison!

Praktische Infos:

Wer Island auf Ski erleben will, hat noch bis Ende Juni Zeit. Die Hauptsaison erstreckt sich jedoch von April bis Ende Mai. Joküll bietet verschiedene Pakete an, welche sich nicht nur auf teures Heliskiing ausrichten. Meine Empfehlung ist, das Gebiet via Skitouren zu erkunden und sich eventuell ein paar Mal mit dem Heli absetzen zu lassen um die Kosten gering zu halten. Der Skikeller der Arctic Heli Skiing Lodge ist mit über 40 Test-Ski so gut ausgestattet, dass ihr eure Ski und Airbags daheim lassen könnt. Der Schnee war Ende Mai durch die Nähe des Meeres speziell am Nachmittag sehr feucht, dadurch ist es praktisch, wenn ihr auf verschiedene Skimodelle in der Lodge zugreifen könnt.

Alle weiteren Infos unter: http://arcticheliskiing.com

 

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Kommentare / Diskussion

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Artic Heliskiing war das absolute Highlyght unserer 6-wöchigen Islandreise mit dem Womo. Die Staffs auf der Klaengshöll-Lodge ermöglichten uns unkompliziert 2 Tage spontanes Heliskiing in der urgewaltigen Landschaft Islands. Runs bis die DPS Wailer glühten, bis zum Meer, und das am 31. Mai! Dazu köstliches Essen,Hotpot und kompetente Guides, ein völlig unerwarteter und perfekter Saisonausklang.

Gabi und Franz
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