amf
14.12.2010, 19:57
anbei ein Bericht aus dem Standard (nun kenne ich meinen inneren Antrieb :zwinker:
Online: http://derstandard.at/1291454230923/Skifahren-macht-gluecklich-aber-
Skifahrer erleben die höchsten Glücksmomente unter den Sportlern. Wenn aber die Suche nach dem Kick überhandnimmt, steigt auch das Risiko. Psychologen sind Skifahrern auf der Fährte: Wer das Tempo auf Können und Piste abstimmt, erlebt beim Skifahren Glücksmomente
Wer das Glück zu oft sucht, kann sportsüchtig werden. Und wer ständig neue Reize braucht, fährt trotz Warnung in den Lawinenhang.
Wenn man auf den Bretteln durch den Pulverschnee schneidet, wird das griechische Panta rhei ("Alles fließt") greifbar - das ist nun auch sportpsychologisch verifiziert. Eine Studie der Universität Klagenfurt und der TU München belegt, so Thomas Brandauer, Leiter des sportpsychologischen Kompetenzzentrums Kärnten, dass "Skifahren Flow-induzierend ist". Frei übersetzt: "Skifahren macht glücklich."
Unter Flow-Erleben, der Begriff stammt vom ungarisch-amerikanischen Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi, versteht die Psychologie einen "Zustand völliger Absorbiertheit" (Brandauer). Quasi der Idealmoment zwischen Angst und Langeweile. In diesen Zustand gelangen Menschen, die eine Tätigkeit (Sport, Spiel oder Arbeit) leidenschaftlich und konzentriert, aber ohne materielle Erwartung durchführen. Wenn die Anforderung einer Situation und individuelle Fähigkeiten ausbalanciert sind, kommt es zum intensiven Flow-Erlebnis.
Was empfinden Menschen "im Fluss"? Brandauer: "Das Zeiterleben ist ein anderes. Ein Moment erscheint ganz lang, oder objektiv lange Zeiträume gehen vorbei wie in einer Sekunde. Man empfindet große Leichtigkeit, obwohl die Anforderung sehr hoch und vielleicht an der Grenze der individuellen Möglichkeit ist." Beispielsweise die gelungene Abfahrt bei idealen Pistenverhältnissen, aber auch der erste geglückte Schwung der Anfänger.
Brandauer und sein Forschungsteam haben 112 Skifahrerinnen und Skifahrer unterschiedlichen Alters und Könnens im Zugspitze-Gebiet nicht nur über ihre Befindlichkeit nach einer geglückten Abfahrt befragt, sondern auch unbemerkt ihre Geschwindigkeit gemessen.
Das Ergebnis: Skifahren erreicht auf der Flow-Skala im Vergleich mit anderen Sportarten die höchsten Werte. Thomas Brandauer: "Das haben wir vermutet. Überrascht hat uns aber, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Flow-Erlebnis und Geschwindigkeit gibt." Die höchsten Scores wurden nicht bei Höchstgeschwindigkeit gemessen, sondern bei einem mittleren Tempo von 50 Stundenkilometern.
Kontrolliert im Flow
Brandauer: "Die intensivsten Erlebnisse hat man, wenn man eine Geschwindigkeit findet, die fordert, aber trotzdem kontrollierbar ist." Wer über seine Verhältnisse fährt, kommt nicht zum Flow-Erlebnis. "Dann stellen sich Besorgnis und Angst ein." Eine weitere Erkenntnis, die Skisportler sicher teilen: Zum Fließen braucht man Raum. Überfüllte Pisten verhindern den Flow.
Die Suche nach dem Skiglück hat auch problematische Seiten, dann nämlich, wenn sie zum Lebensinhalt, aus der Suche eine Sucht wird. Wann ist die Grenze überschritten? "Von zwanghafter Sportsucht spricht man, wenn der Sport das Leben kontrolliert, wenn soziale Kontakte eingeengt werden", sagt Brandauer. Im Extremfall kann ein zwanghafter Pistenfreak in schneelosen Wintern oder bei Verletzungen depressiv werden. Pathologisch wird die Sportabhängigkeit, "wenn einer nicht mehr aufhören kann, wenn er trotz Verletzung gegen ärztlichen Rat weitertrainiert", sagt Michael Doppelmayr vom Fachbereich Physiologische Psychologie der Universität Salzburg.
Sucht und Risiko
Michael Doppelmayr und seine Forschungsgruppe wollten mehr über die Risikofreudigkeit Sportabhängiger wissen. Sie untersuchten, ob es einen Zusammenhang zwischen "Exercise dependence" (Sportabhängigkeit), "Sensation seeking" (Suche nach immer neuen Reizen) und Risikofreudigkeit gibt. Beobachtet und befragt wurden Extremtourengeher. Doppelmayr: "Wir haben keinen Zusammenhang gefunden. Unabhängig davon, wie stark sportabhängig die Leute sind, berücksichtigen sie die Gefahren."
Anders die Gruppe derer, die ständig auf der Suche nach dem Kick, nach neuen Reizen ist ("Sensation seeking"). Doppelmayr: "Wer auf der 'Thrill and adventure seeking'-Skala hoch scort, zeigt auch riskantes Verhalten. " Diese Sportler lassen sich auch von hohen Lawinenwarnstufen nicht bremsen: "50 Prozent gehen bei Stufe 3 wider besseres Wissen einen Hang mit 30 Grad Neigung." Da helfe nur verstärkte Information, sagt der Psychologe. Positiv bewertet er ein weiteres Ergebnis: "Die Tourengeher sind top ausgerüstet, 90 Prozent mit Lawinensuchgeräten und Schaufeln."
Online: http://derstandard.at/1291454230923/Skifahren-macht-gluecklich-aber-
Skifahrer erleben die höchsten Glücksmomente unter den Sportlern. Wenn aber die Suche nach dem Kick überhandnimmt, steigt auch das Risiko. Psychologen sind Skifahrern auf der Fährte: Wer das Tempo auf Können und Piste abstimmt, erlebt beim Skifahren Glücksmomente
Wer das Glück zu oft sucht, kann sportsüchtig werden. Und wer ständig neue Reize braucht, fährt trotz Warnung in den Lawinenhang.
Wenn man auf den Bretteln durch den Pulverschnee schneidet, wird das griechische Panta rhei ("Alles fließt") greifbar - das ist nun auch sportpsychologisch verifiziert. Eine Studie der Universität Klagenfurt und der TU München belegt, so Thomas Brandauer, Leiter des sportpsychologischen Kompetenzzentrums Kärnten, dass "Skifahren Flow-induzierend ist". Frei übersetzt: "Skifahren macht glücklich."
Unter Flow-Erleben, der Begriff stammt vom ungarisch-amerikanischen Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi, versteht die Psychologie einen "Zustand völliger Absorbiertheit" (Brandauer). Quasi der Idealmoment zwischen Angst und Langeweile. In diesen Zustand gelangen Menschen, die eine Tätigkeit (Sport, Spiel oder Arbeit) leidenschaftlich und konzentriert, aber ohne materielle Erwartung durchführen. Wenn die Anforderung einer Situation und individuelle Fähigkeiten ausbalanciert sind, kommt es zum intensiven Flow-Erlebnis.
Was empfinden Menschen "im Fluss"? Brandauer: "Das Zeiterleben ist ein anderes. Ein Moment erscheint ganz lang, oder objektiv lange Zeiträume gehen vorbei wie in einer Sekunde. Man empfindet große Leichtigkeit, obwohl die Anforderung sehr hoch und vielleicht an der Grenze der individuellen Möglichkeit ist." Beispielsweise die gelungene Abfahrt bei idealen Pistenverhältnissen, aber auch der erste geglückte Schwung der Anfänger.
Brandauer und sein Forschungsteam haben 112 Skifahrerinnen und Skifahrer unterschiedlichen Alters und Könnens im Zugspitze-Gebiet nicht nur über ihre Befindlichkeit nach einer geglückten Abfahrt befragt, sondern auch unbemerkt ihre Geschwindigkeit gemessen.
Das Ergebnis: Skifahren erreicht auf der Flow-Skala im Vergleich mit anderen Sportarten die höchsten Werte. Thomas Brandauer: "Das haben wir vermutet. Überrascht hat uns aber, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Flow-Erlebnis und Geschwindigkeit gibt." Die höchsten Scores wurden nicht bei Höchstgeschwindigkeit gemessen, sondern bei einem mittleren Tempo von 50 Stundenkilometern.
Kontrolliert im Flow
Brandauer: "Die intensivsten Erlebnisse hat man, wenn man eine Geschwindigkeit findet, die fordert, aber trotzdem kontrollierbar ist." Wer über seine Verhältnisse fährt, kommt nicht zum Flow-Erlebnis. "Dann stellen sich Besorgnis und Angst ein." Eine weitere Erkenntnis, die Skisportler sicher teilen: Zum Fließen braucht man Raum. Überfüllte Pisten verhindern den Flow.
Die Suche nach dem Skiglück hat auch problematische Seiten, dann nämlich, wenn sie zum Lebensinhalt, aus der Suche eine Sucht wird. Wann ist die Grenze überschritten? "Von zwanghafter Sportsucht spricht man, wenn der Sport das Leben kontrolliert, wenn soziale Kontakte eingeengt werden", sagt Brandauer. Im Extremfall kann ein zwanghafter Pistenfreak in schneelosen Wintern oder bei Verletzungen depressiv werden. Pathologisch wird die Sportabhängigkeit, "wenn einer nicht mehr aufhören kann, wenn er trotz Verletzung gegen ärztlichen Rat weitertrainiert", sagt Michael Doppelmayr vom Fachbereich Physiologische Psychologie der Universität Salzburg.
Sucht und Risiko
Michael Doppelmayr und seine Forschungsgruppe wollten mehr über die Risikofreudigkeit Sportabhängiger wissen. Sie untersuchten, ob es einen Zusammenhang zwischen "Exercise dependence" (Sportabhängigkeit), "Sensation seeking" (Suche nach immer neuen Reizen) und Risikofreudigkeit gibt. Beobachtet und befragt wurden Extremtourengeher. Doppelmayr: "Wir haben keinen Zusammenhang gefunden. Unabhängig davon, wie stark sportabhängig die Leute sind, berücksichtigen sie die Gefahren."
Anders die Gruppe derer, die ständig auf der Suche nach dem Kick, nach neuen Reizen ist ("Sensation seeking"). Doppelmayr: "Wer auf der 'Thrill and adventure seeking'-Skala hoch scort, zeigt auch riskantes Verhalten. " Diese Sportler lassen sich auch von hohen Lawinenwarnstufen nicht bremsen: "50 Prozent gehen bei Stufe 3 wider besseres Wissen einen Hang mit 30 Grad Neigung." Da helfe nur verstärkte Information, sagt der Psychologe. Positiv bewertet er ein weiteres Ergebnis: "Die Tourengeher sind top ausgerüstet, 90 Prozent mit Lawinensuchgeräten und Schaufeln."