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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lawinenexperiment mit Schweinen im Ötztal


soulrider
14.01.2010, 11:52
http://tirol.orf.at/stories/415897/

pervers.

Puderede
14.01.2010, 12:54
naja, das ganze ist halt so ethisch einwandfrei wie sehr viele tierversuche. schön ist das jedenfalls nicht, aber ob der unterschied zur normalen haltung und schlachtung sooo viel besser ist, naja, darüber kann man streiten. krass finde ich es aber auch!

El Totto
14.01.2010, 13:10
Das kann doch nicht wirklich deren Ernst sein?!? Nur in den wenigsten Faellen der medizinischen Wissenschaften sind Tierversuche wirklich moralisch und ethisch gerechtfertigt und nun faengt man auch noch an die Tiere im Schnee zu vergraben und zuzusehen wie sie erfrieren? 'Aufschluesse ueber den Umstand des Todes eines Verschuetteten in einer Lawine' erhoffen sich die Initiatoren. Was soll uns das denn bringen, wenn man im Detail weiss wie man in einer Lawine umkommt? Die erfolgreichste Methode zur Vermeidung des Lawinentodes wird wohl immernoch die Prävention bleiben! Wie pervers (danke soulrider) ist unsere Welt denn geworden, wenn man fuer solche 'profunden Untersuchungen' Gelder zur Verfuegung stellt, die anderswo Menschen wirklich helfen koennten...
Ich wuerde lieber in einer Lawine sterben wollen als zu wissen, dass ich durch den Tod von 15 Schweinen am Leben erhalten werden konnte...

Knut
14.01.2010, 13:59
Was der Artikel (bewusst?) nicht erwähnt, ist, dass die Tiere narkotisiert sind, von der ganzen Prozedur also nichts mitbekommen. (Edit - Falsch: Der Artikel wurde geändert oder ich habe es trotz mehrmaliger Suche nicht gelesen, in dem Fall -mea culpa)

Ob's sinnvoll ist, sei trotzdem dahin gestellt.

ELE
14.01.2010, 15:36
Was der Artikel (bewusst?) nicht erwähnt, ist, dass die Tiere narkotisiert sind, von der ganzen Prozedur also nichts mitbekommen.

Das wird im Artikel doch erwähnt!

Halte dieses Experiment für nutzlos...

Was für Erkenntnisse erwartet man sich denn von diesem Unterfangen?

Speziazlizt
14.01.2010, 15:40
pervers und sinnlos triffts wohl am besten

die Statistiken mit Menschen die in Lawinen ums Leben gekommen sind sollten eigentlich reichen um zu der Erkenntnis zu kommen das man nicht viel Zeit hat um diese zu finden und auszugraben. Das die Überlebenschancen auch von der Größe der Atemhöhle abhängig sind ist ja wohl bekannt.

Außerdem weiß der Retter nicht wie groß die Atemhöhle des Verschütteten ist, kann sich also keine Zeit lassen.

Knut
14.01.2010, 17:37
die Statistiken mit Menschen die in Lawinen ums Leben gekommen sind sollten eigentlich reichen um zu der Erkenntnis zu kommen das man nicht viel Zeit hat um diese zu finden und auszugraben.
Stimmt.

Das die Überlebenschancen auch von der Größe der Atemhöhle abhängig sind ist ja wohl bekannt.
Nein, die Theorie ist anerkannt. Das ist etwas anderes, denn bewiesen ist sie noch lange nicht. Ob der Beweis wirklich nötig ist, ist eine andere Geschichte.

Außerdem weiß der Retter nicht wie groß die Atemhöhle des Verschütteten ist, kann sich also keine Zeit lassen. Der Erkenntnisgewinn und Nutzen erschliesst sich mir auch nicht. Daher würde ich gerne mehr über Begründung und Ziele der Studie lesen, bevor ich anfange, herumzuwettern, weil ORF einen plakativen Kurzartikel dazu veröffentlicht hat.

soulrider
14.01.2010, 17:58
erstmal schluss: http://tirol.orf.at/stories/416068/



Der Erkenntnisgewinn und Nutzen erschliesst sich mir auch nicht. Daher würde ich gerne mehr über Begründung und Ziele der Studie lesen, bevor ich anfange, herumzuwettern, weil ORF einen plakativen Kurzartikel dazu veröffentlicht hat.

Tja, wenn man eine so kontrovärse studio durchführt sollte man sich zumindest eine pressemeldung vorbereiten die erklärt um was es geht. hab trotz längerer googlesuche nicht wirklich was gefunden, auch nicht auf den websites der institutionen.

Ich finds gar nicht so schlimm für die Tiere...sie erleiden durch die anästhesie wohl tatsächlich einen "erträglicheren Tod" als im schlachthaus mit vorherigem transport durch 3 kontinente...

Für mich persönlich ist der Lawinentod so ziemlich einer der grausigsten - und ich denke es geht vielen anderen auch so die sich mit dem thema beschäftigen. Und DAS dann anderen lebenden wesen absichtlich anzutun ist das, was mich an der aktion so schockiert.

ChillBill
14.01.2010, 18:39
hier gibts auch noch einen etwas längeren report auf spiegel-online zu dem thema, aber nu issses eh vorbei

"Lawinen-Experiment – Forscher lassen Schweine im Schnee sterben

Umstrittenes Experiment in Österreich: Schweine müssen sterben, nachdem sie betäubt unter Schneemassen begraben wurden - damit Forscher neue Erkenntnisse über den Tod in Lawinen gewinnen. Tierschützer sind entsetzt, Politiker bezweifeln den Sinn des Versuchs.

Wien - Üblicherweise haben Menschen keine besonders großen Probleme damit, für ihr Wohl Schweine sterben zu lassen. Mehr als 16.000 der Paarhufer sind nach Zahlen der Bundesregierung 2007 bei wissenschaftlichen Experimenten umgekommen. Eine geradezu winzige Zahl im Vergleich zu der Schweinemenge, die dem menschlichen Appetit geopfert wird: 50 Millionen der Tiere landen jedes Jahr in deutschen Schlachthöfen und anschließend auf dem Teller. Rund einen Zentner Schweinefleisch vertilgt der Durchschnittsdeutsche pro Jahr.

Nun geht es 29 Schweinen in Österreich an den Kragen - und das Entsetzen könnte größer kaum sein. Denn anders als sonst sollen die Tiere nicht etwa hinter verschlossenen Türen, sondern an einem Berghang ihr Leben lassen - damit Forscher mehr über das Sterben von Menschen in Lawinen erfahren.

"Unfassbar", "unethisch", "widerwärtig" - so bezeichneten Tierschutzverbände und Politiker entsetzt das Experiment und forderten sein sofortiges Ende. Selbst das Land Tirol, wo der Tierversuch stattfindet, und die österreichische Bergrettung distanzierten sich.

Langsamer Tod im Schnee

Doch das Experiment hat bereits begonnen. Nach den Plänen der Medizinischen Universität Innsbruck und des Zentrums für Notfallmedizin Bozen sollen noch etwa zwei Wochen lang jeden Tag Schweine im Ötztal von einer simulierten Lawine begraben werden, wie der Sender ORF berichtet. Sie werden dafür betäubt und an Geräte angeschlossen. Je nach Größe der Atemhöhle verfolgen die Wissenschaftler über Minuten oder Stunden das langsame Ersticken der Tiere. Andere Schweine werden nur bis zum Kopf im Schnee vergraben und erfrieren. Danach zerteilen die Forscher die Tiere und nehmen Gewebeproben.

Die Medizin-Uni versucht das Vorgehen mit einer Stellungnahme zu rechtfertigen: Der Versuch sei vom Wissenschaftsministerium genehmigt worden. Durch die Narkose bemerkten die Tiere nichts von ihrem Tod. Die Belastung sei sogar deutlich geringer als bei herkömmlichen Schlachtmethoden, sagte Studienmitarbeiter Volker Wenzel. Mit dem Versuch wolle man Erkenntnisse über die Überlebenschancen von Opfern in Lawinen erlangen: "In der dramatischen Situation nach einer Bergung können Notärzte somit besser beurteilen, ob und für welche Opfer reelle Überlebenschancen bestehen."

Die Tierschützer werfen den Forschern mangelndes Gefühl für die ethische Vertretbarkeit von Versuchen vor: "Das ist wohl einer der widerwärtigsten Tierversuche, der jemals in Österreich durchgeführt worden ist", so der österreichische Tierschutzverein. Der Versuch diene lediglich der Profilierung von Wissenschaftlern, das Geld könne zielführender für Lawinensuchgeräte und die Aufklärung von Wintersportlern verwendet werden. Wodurch Menschen bei Lawinen sterben und wie lange das dauert, sei aus jahrzehntelanger Erfahrung bekannt, kritisierte die Organisation "Vier Pfoten".

"Die Wissenschaftler sollen sich selbst eingraben"

Manche Tierschützer forderten die Wissenschaftler gar zum Selbstversuch auf. "Die Wissenschaftler sollen sich selbst eingraben, ihre Kollegen dürfen dann die Ergebnisse auswerten", schlug der Österreichische Tierschutzverein nach einem Bericht der Nachrichtenagentur APA vor.

Unterstützung erhalten die Kritiker aus der Politik. Anton Steixner, Tierschutzreferent der Tiroler Landesregierung, will von dem Versuch nichts gewusst haben und ist von den "sonderbaren Methoden" überrascht. "Schweine lebendig unter Schneemassen zu begraben, ist moralisch äußerst bedenklich", teilte er mit. Er distanziere sich von derart experimentellen Methoden. Auch die österreichische Bergrettung stellte den Sinn des Versuchs in Frage. Die Sozialdemokratische SPÖ und die Grünen fordern ein sofortiges Ende und wollen die Genehmigung im Parlament diskutieren.

Hermann Brugger von der Universitätsklinik Innsbruck, Leiter des Experiments, gab sich davon unbeeindruckt: Das Experiment werde fortgesetzt. "Aus tierethischer Sicht wäre es unsinnig, den Versuch abzubrechen", sagte er. Ansonsten wären die bisher getöteten Schweine umsonst gestorben. Über den "einzigen, einmaligen Tierversuch" komme man nicht hinweg, weil man aus den Ergebnissen Schlüsse zum Retten von Menschenleben ziehen könne. "In der dramatischen Situation nach einer Bergung können Notärzte somit besser beurteilen, ob und für welche Opfer reelle Überlebenschancen bestehen", so Brugger. Mehr Personen würden dadurch überleben."

Romarius
14.01.2010, 19:26
hier noch der Link (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,671990,00.html)zum Spiegel-Artikel.

Klingt auf den ersten Blick schon pervers und mir erschließt sich der Sinn nach den Meldungen auch noch nicht. Allerdings (wie ihr schon geschrieben habt), klärt sich in gut recherchierten Artikeln schnell der Bild-eske Aufreisser. Wie im Spiegel steht, ob zu den 50 Mio. Tieren in D. jährlich noch 26 im Schnee dazukommen, finde ich nicht relevant.
Zusätzlich kann man ja davon ausgehen, dass die Viecher sowieso getötet werden zu unserem Genuss bzw Ernährung (wie man's sieht ;) ). Solnage die Tiere nicht leiden müssen, sehe ich also keinen Grund sich aufzuregen.

Meine Meinung ist ja, wenn man gegen Tiertötung ist, dürfte man im Sommer prinzipiell auch kein Auto und Fahrrad fahren. Und nicht im Wald joggen gehen ;) (kleines Spässken am Rande).

Speziazlizt
14.01.2010, 19:39
und hier der aktuelle Link zum Spiegel Artikel http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,672034,00.html

Abbruch der Aktion

Törtche
14.01.2010, 22:06
Um mal wieder zu dem Schluss zu kommen.
Am besten lernt man aus den Erfahrungen und hört auf dafür Schweine zu vergraben ob narkotisiert oder nicht spielt für mich keine Rolle.
Ich denke jeder der im Powder fährt wäre froher, das Geld würde für präventive Maßnahmen oder Materialforschung oder bessere lebensrettende Geräte stimmen als arme kleine Schweine im Schnee zu versenken.
Aber mal ne Frage nebenbei
Geht jemand zu Aldi einkaufen oder zu Ikea Ente essen oder bei McDonalds en Burger essen oder achtet darauf das er keine KZ Eier kauft.
Um mal wieder ne Disskussion anzuregen ;)
Trotzdem
Ich finde es sehr zweifelhaft solch einen Test durchzuführen, nur für den Spass beim Powdern.
Eher die Kohle in Klimaforschung stecken
Also bis denne

Törtche
14.01.2010, 22:11
Noch eins kurz dazu
Problem is dann wieder die gespaltene Zunge
Auf der einen Seite ist man Fleisch, auf der anderen Seite ist man gegen solche Versuche.

Naja was soll man machen
Trotzdem schlech

Und im übrigen "In China essen sie Hunde"

powdertv
15.01.2010, 01:25
Ich bin auch gerade über den spiegel artikel gestolpert und meine erste reaktion war auch irgendwie erschrocken und contra diesem experiement. Komisch eigentlich, denn ich esse fleisch, bin auch nicht gegen tierversuche solang es um ein notwendiges übel für lebensnotwendige (die ganzen versuche für kosmetika&co.... sei hier ausgenommen) medikamenten tests handelt.

Aber irgendwie verbinde ich wohl mit schnee und bergen meine freizeit & hobby. Mir ist durchaus bewust das auch ein gewisser anteil an personen völlig ohne eigenes verschulden in eine lawine geraten können(Anwohner,Strassennutzer,Pistennutzer,"unbeteiligte" Tourengeher bei fremd&spontanauslösungen,leider auch Retter und 1.Helfer,...), aber ein grosser teil von uns ist sich der Gefahr bewust wenn wir unserem Lieblingshobby nachgehen.
Und genau hier sehe ich für mich den unterschied. Wenn tierversuche herhalten müssen um mein Hobby sicherer zu machen, dann kann ich mein gewissen auch nicht mit den 50mio+ tieren, die eh jedes jahr zerhackstückelt werden, beruhigen.

Vor allem wenn sich mir (auch nur mit infos aus dem Spiegel gefüttert) der sinn des experiementes nicht ganz erschliesst. wenn man in der lage ist die überlebensdauer von narkotiesierten!!! schweinen in einer lawine bei unterschiedlichen grössen von atemhöhlen auf den menschen umzurechnen dann scheint es mir eigentlich auch möglich die sache durch simulationen & erfahrung ähnlich gut zu schätzen. was anderes als grobe schätzwerte kann ich mir als ergebniss bei den unterschiedlichen situationen von lawinen & ihrer opfer nicht vorstellen.

Naja vielleicht wurd ja das fleisch der 10 bereits getöten schweine ja recycelt und landet trotz narkosemittel & adrenalinputsch irgendwann auf einem unserer teller...

den übrigen Schweinen wünsche ich die begnadigung und gönne ihn einen lebensabend in irgendeinem Stall mit Blick auf tief verschneite Hänge!

pau
15.01.2010, 09:11
IMHO geht es bei diesem Experiment ja darum um die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Verschütteten besser abschätzen zu können und dies wäre eine sehr nützliche Erkenntnis
In der dramatischen Situation nach einer Bergung können Notärzte somit besser beurteilen, ob und für welche Opfer reelle Überlebenschancen bestehen", sagte Brugger. Mehr Personen würden dadurch überleben.
folgendes Szenario: Mehrfachverschüttung, zwei Personen beim eintreffen des Notarztes bereits ausgegraben, beide Bewusstlos, im Heli ist aber nur ein Platz für Krankentransport -> wen zuerst ins Krankenhaus fliegen??

Habe irgentwo gelesen, dass ein Grossteil des getöteten Schweines wieder der normalen Verarbeitung/ Nutzung zugeführt wird.

soulrider
15.01.2010, 09:21
folgendes Szenario: Mehrfachverschüttung, zwei Personen beim eintreffen des Notarztes bereits ausgegraben, beide Bewusstlos, im Heli ist aber nur ein Platz für Krankentransport -> wen zuerst ins Krankenhaus fliegen??


Dann würd ich des geld aber lieber in einen grösseren oder zweiten Heli investiert sehn.

Habe irgentwo gelesen, dass ein Grossteil des getöteten Schweines wieder der normalen Verarbeitung/ Nutzung zugeführt wird.

Das hab ich jetzt noch nirgends gelesen. Ich hab im Kopf das die Schweinchen der Tierkadaververwertung zugeführt werden. Aber vielleicht ist das ja das gleiche ;(

Törtche
15.01.2010, 10:37
Tiere die ein Narkosemittel verabreicht bekommen haben, dürfen, denk ich mal, nicht mehr derNahrungsindustrie zugeführt werden.
Die sind der Tierverwertung zugeführt worden.

ELE
15.01.2010, 16:01
die überlebensdauer von narkotiesierten!!! schweinen in einer lawine


Eben. Der Punkt, dass die Schweine nakotisiert sind ergibt für mich noch weniger sinn! Klar, das ist insgesamt ein "schmerzloser" Tod für die Tiere, aber das auf Kosten der Erkenntnis. Denn: Ein Mensch der unter einer Lawine liegt und noch bei Bewusstsein ist, reagiert garantiert anders als ein narkotisierter, bzw. bewusstloser Mensch. Jemand der noch nie derartige Erfahrungen gemacht hat wird nicht die Ruhe bewahren und höchstwahrscheinlich in Panik geraten... ein Mensch der in Panik ist atmet schneller und somit ist die Luft aus der Atemhöhle auch schneller dahin. Dazu kommen wahrscheinlich noch zwanghafte Befreiungsversuche, welche den Effekt noch verstärken.

Wär mein Gedanke dazu... Wer es besser weiß kann mich gerne belehren! :D

powderdiver
15.01.2010, 16:56
Die Uni Freiburg (D) hat heute einen Bio-Scanner nach Haiti ins Erdbebengebiet geschickt, mit welchem Verschüttete bis zu 5 m unter Geröll geortet werden können. Der Bio-Scanner kann selbst die kleinsten Bewegungen, wie die des Herzes, registrieren und vor Bergung kann sich das Rettungsteam ein Eindruck über den Gesundheitzustand machen. Ich find dies einen sinnvollen Ansatz der uns in den Bergen in Zukunft auch Hilfe leisten kann, ohne die Technik zu kennen. ...

vorlaz
22.01.2010, 14:21
http://www.zeit.de/2010/04/Schweine-Lawinen