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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anonymisierter Unfallbericht vom Sonntag 18.12.2011


Winterkind
20.12.2011, 20:10
Hier ein anonymisierter Unfallbericht aus den Dientner Grasbergen. Rund um den Klingspitz - dort, wo an diesem Tag Hunderte glücklich unterwegs waren, schwärmend von den traumhaften Bedingungen.

Ein Beitrag zum Lernen. Durch die offene Weitergabe der Info haben auch wir die Chance davon zu profitieren.

Im O-Ton:
"Größere Tourengruppe ..... Ich trennte mich gegen 11:30 von der Gruppe, weil ich den Tag so richtig ausnutzen wollte, und fuhr via Reicheralm zur Deutingalm ab. Von dort stieg ich direkt im Bereich der Abfahrtsspuren, die zur Reicheralm führten auf, weil ich den mühsameren direkten Weg, der bereits gespurten längeren Variante weiter links vorzog. Letztendlich querte ich dann aber doch knapp unterhalb der Kapelle links zur Spur und ging auf dieser weiter zum Gipfel des Klinspitz, den ich gegen 14:00 erreichte. Soweit war noch alles OK.

Dann fuhr ich zeitgleich mit 2 weiteren Tourengehern immer entlang des Rückens bis zur Schulter ab, an der ca. 10-12 Skifahrer zuvor in den Hang zur Reicheralm eingefahren waren. Ich überlegte zwar mehrmals, ob man nicht schon eher eine direktere Linie wählen könnte, glaubte jedoch, dass die Variante, wo alle anderen gefahren sind, die sicherere sei. Wenige Meter vor den Einfahrtsspuren fuhr ich dann in den Hang ein, machte 3 Schwünge und wollte dann den Querspuren nach rechts (von unten gesehen) in den schönen Hang folgen. Dabei hats ganz schön gestaubt, allerdings nicht mehr als bei 40cm Pulver normal ist.

Irgendwie muss ich aber dann doch eine Lawine ausgelöst haben, denn plötzlich wurde ich in die schmale Rinne gezogen, in die ich nie eingefahren wäre. Dann brachen von beiden Seiten der Rinne Einwehungen ein und ich wurde voll erwischt, hatte keine Chance. Größtenteils war ich unter den Schneemassen, hatte sogar Schnee im Mund, mein Airbag ging wegen eines Defektes nicht auf. Nur durch viel viel Glück kam ich an der Oberfläche der Lawine nach geschätzten 100-150hm zu liegen, ohne Handschuhe und Skistöcke, aber unversehrt. Ich grub meine Beine und mein Ski aus, machte Fotos und gab den beiden nachfolgenden Skifahrern, mit denen ich ja fast zeitgleich unterwegs war, zu verstehen, was passiert war. Die beiden sind den Hang links der Rinne heruntergefahren, haben nichts mitbekommen und hätten mich nie und nimmer gesucht oder sich gefragt, wo denn der Skifahrer hin sei. Weiters boten sie mir auch keine Hilfe an, obwohl ich ihnen mitteilte, dass ich ohne Stöcke nicht wie geplant zum Grinnköpfl aufsteigen konnte, um zurück zu meinem Auto zu gelangen. "Ihr Auto sei voll besetzt", dann fuhren sie ab, machten sich keine Gedanken wie ich runterkomme oder ob ich nach dem ersten Schreck vielleicht doch verletzt sei. Im Wirtshaus erzählten sie aber von dem Vorfall....(Freund erzählt). So viel Ignoranz macht mich echt immens wütend."

Der Bericht incl. Bilder ist hier zu finden: http://www.lawine.salzburg.at/tour/index2.php?id=11639

Winterkind
20.12.2011, 20:16
Jemanden keine Hilfeleistung anzubieten macht mich sehr nachdenklich und wütend!

Knut
20.12.2011, 20:33
Das schon. Hilfe gegenüber Bedürftigen ist absolute Pflicht, finde ich!
Leider aber absolut unüblich. Wann immer ich mit solch brenzligen Situationen in Kontakt geraten bin, waren alle Menschen im Einflussbereich erschreckend unbeteiligt.

Aber würdest Du nem Hansel, der allein unterwegs in den Leehang (so sieht's mal aus) einfährt, auslöst und dann zu Dir kommt, weil er wegen seiner fehlenden Stöcke die Tour nicht beenden kann, sofort anbieten, den Arsch abzuwischen?

Die Story regt zum nachdenken an, aber ich bin nicht sicher, dass diese einseitige Sichtweise wirklich die Realität widerspiegelt.

Ich glaube, hier ist ein Ignorant auf zwei weitere gestossen. Allein die Beschreibung der Trennung von der Gruppe spricht ja irgendwie für sich.

Winterkind
20.12.2011, 20:48
Ich habe mich vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt. Ich würde mich zumindest mal erkundigen wie es aussieht. Wenn der Typ ok ist, dann ist es sein Problem, wenn er nicht ok ist, muss ich mich um Hilfe kümmern. Meine Aussage bezieht sich nur auf die Hilfeleistung!

Denke wir sind der selben Meinung was Hilfestellung und handeln des Betroffenen betrifft!

holodeck
20.12.2011, 21:30
Weiteres bedenkliches highlight des wochenendes in salzburg:
http://salzburg.orf.at/news/stories/2513685/
Was mich nachdenklich macht, dass die 15 min gebraucht haben den verschütteten rauszubekommen...

Knut
20.12.2011, 21:54
Und das bei einem Kurs für Skitouren-Instruktoren. :FIREdevil:

Fairerweise muss man aber sagen, dass man ohne Kenntnis der Situation, des Geländes etc. nicht beurteilen kann, ob 15' eine effektive Rettung darstellen oder zeitlich schwer jenseits liegen.

herr_stoiber
21.12.2011, 12:06
wenn keine hilfeleistung stattfindet, ist das natürlich schlimm. allerdings kann man das aus diesem natürlich nur einseitig dargestellten bericht kaum beurteilen. die frage ist halt, ob es noch eine konkrete gefährdung für die person gab - ob also zb durch den verlust der stöcke nur noch eine abfahrt durch gefährliches gelände in frage kam, oder ob der teilverschüttete möglicherweise innere verletzungen haben könnte usw.
wenn man ehrlich ist, muss man natürlich auch einfach durch den schock den jedes unfallopfer hat von erhöhter selbstgefährdung ausgehen - ich finde allein dadurch hat man quasi die verantwortung das opfer entweder mit in die gruppe aufzunehmen und vom berg zu begleiten, oder im zweifelsfall die bergrettung zu verständigen! das ist jetzt aber kein urteil über die konkrete situation da wir ja die details nicht kennen.

man muss aber in dem zusammenhang auch sehen, dass der einzelfahrer vielleicht auch eine gefährdung für die anderen dargestellt hat. auch daraus kann sich eine entsprechende reaktion ergeben...

ich würde den akteur jetzt mal nicht wegen des verlassens der tourengruppe als ignorant abstempeln, fuer mich ist der problematischere teil eher das gleichzeitige abfahren mit den beiden anderen. aus dem bericht hoert sich das nicht so an als haette es da eine absprache gegeben - und gerade die haette hier wohl allen helfen koennen: keine potentielle oder unerwartete gefährdung untereinander, und die zwei hätten vielleicht auf den einzelnen geschaut.

vielleicht ist "redet miteinander" das was man aus dem unfall mitnehmen kann.

PS ich versuche meistens kurz mit anderen leuten zu sprechen (auch wenn ich nicht alleine unterwegs bin natürlich!) um zu checken wo sie ihre abfahrt planen und um im zweifelsfall die reihenfolge zu klären und klar anzusagen dass wir einzeln fahren wollen usw - und auch um sicher zu wissen dass mir nicht irgendjemand durch unüberlegtes einfahren einen seitenhang "auf den kopf" wirft.