Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Seminararbeit "Kollusion von Skigebieten"
Liebe Community,
ich hab das ziemliche Glück an der Uni, weit weg von den Bergin, in Frankfurt eine Seminararbeit zum Thema: "Kollusion von Skigebieten" zu schreiben.
Die Kernfrage ist also: Warum fusionieren Skigebiete?
Natürlich habe ich schon selbst einige Recherche im Internet betrieben. Und die Fragen sind sicherlich nicht einfach zu beantworten, aber vielleicht ist hier ja zufällig jemand, der beruflich bedingt damit zu tun hat.
Einige Fragen konnte ich klären, andere nicht.
1. Ich habe mal gehört, dass in Österreich keine Bäume mehr für neue Lifte gefällt werden dürfen. Stimmt das? Hat jemand genauere Info's?
2. Wie erfolgreich sind diese Fusionen im Nachhinein.
3. Welche großen Zusammenschlüsse gab es in der Schweiz in den letzten Jahren.
Was mich auch interessieren würde, was ihr allgemein davon haltet? Sind solche Verbundspässe gut? Oder auch einfach teuer, obwohl ich nicht die gesamte SKiamadé z.B. bereisen will.
Waren die Skiliftpreise früher deutlich billiger, da Gebiete auch kleiner waren??? (Ich bin erst anfang 20 und kann deswegen nur wenig dazu sagen)
Also ich bin für jede Hilfe, jeden Hinweis und Meinung sehr dankbar.
In diesem Sinne auf massig Schnee für die Saison, die nur besser werden kann als die letzte....
Euer
Caluzo
1. Ich habe mal gehört, dass in Österreich keine Bäume mehr für neue Lifte gefällt werden dürfen. Stimmt das? Hat jemand genauere Info's?
2. Wie erfolgreich sind diese Fusionen im Nachhinein.
3. Welche großen Zusammenschlüsse gab es in der Schweiz in den letzten Jahren.
Was mich auch interessieren würde, was ihr allgemein davon haltet? Sind solche Verbundspässe gut? Oder auch einfach teuer, obwohl ich nicht die gesamte SKiamadé z.B. bereisen will.
Waren die Skiliftpreise früher deutlich billiger, da Gebiete auch kleiner waren??? (Ich bin erst anfang 20 und kann deswegen nur wenig dazu sagen)
1.) Ich bin kein Experte, möglicherweise kennt sich Freak mit solchen REgelungen wie dem Bäume fällen besser aus. Aber ich glaube das nicht, dass man keine Bäume mehr fällen dürfe. Möglicherweise für Neuerschließungen, sicherlich nicht für Pistenpflege und Bestandtschutz von Gebieten. Würde auch keinen Sinn ergeben, da der Wald nun mal vordringt, wenn die Almwirtschaft weniger wird. Tipps: Schau mal in die Alpenkonvention und für Österreich würde ich mal beim OEAV nachfragen, die haben bestimmt einen Fachmann für sowas…
2.) Zu den Fusionen kann ich dir nichts sagen. Denke aber schon, dass sich das für die Gebiete lohnt, da die Vermarktung besser und billiger wird und auch Investitionen vermutlich besser gestemmt werden können. Aber möglicherweise gibt es auch oftmals dabei innerhalb der neuen Verbünde Gewinner und Verlierer. Ich glaube, dass zwei Punkte aus Sicht der Gebiete für Zusammenschlüsse sprechen: 1. der immense Kostendruck, von oftmals unrentablen Anlagen (trifft wahrscheinlich nur auf die Kleinen zu). 2., die überall verbreitete Annahme, man müsse den Gästen immer mehr und immer besseren Service bieten. Vermutlich ist das für viele Gäste sogar auch eine ausschlaggebende Entscheidung. Hierzu findest du aber ganz sicher diverse Studien. Einfach mal quich-n-dirty losgoogeln.
3.) Mir sind in aus den letzten Jahren keine bekannt. Am Gotthard kooperieren die kleinen Gebiete dort recht eng, aber das ist ja kein Zusammenschluss. In der Zentralschweiz ist seit langem der Zusammenschluss von Engelberg, Hasliberg und Melchsee-Frutt geplant. Aber ich kann dir nicht sagen, was es hierzu neues gibt. Aber auch zu diesen Orten findest du hier Leute, die du mal gezielt fragen könntest, z.B. Homahawk…
Einfach mal losrecherchieren wird dich schnell weiter bringen.
4.) zu den Preisen: die Preise sind stark gestiegen, das ist klar. Woran das liegt? Allgemeiner Preisanstieg und gestiegene Energiekosten im besonderen würde ich auf Anhieb sagen. Die Leute zahlens aber auch. Als ich mich noch mehr mit dem Thema befasst habe, war die Tendenz recht klar: große verdienen, trotz hoher Preise, kleine Gebiete krebsen rum und sind eher defizitär. Ausnahmen gibt es aber auf jeden Fall.
5.) Noch'n Tipp für die kritische Perspektive: Werner Bätzing, ein ausgewiesener Alpenexeperte.
Hoffe, das hilft ein wenig.
Viel Erfolg! Tobi
tuff_enuff
04.11.2011, 09:52
ad 1 - vielleicht ging es hier um naturschutzgebiete? so generell kann ich mir das nicht vorstellen.
verbungspässe sind schon gut, finde ich. in der skiwelt amadé ist es nicht sehr schwer, viele gebiete innerhalb von ein paar tagen zu befahren. insgesamt bin ich kein großer fan von weiteren ausbauten der schigebiete, da die natur darunter vermutlich immer etwas leidet. mittlerweile gibts ja ein riesiges pistennetz in österreich, ich weiß nicht, ob mehr überhaupt mehr einnahmen für die betreiber bzw mehr spaß beim fahren für die gäste bringen würden.
möglicherweise ist das geplante projekt warscheneck interessant für dich: http://www.warscheneck.at/
da geht's grad heiß her.
Hi Tuff,
danke für den Link. Ist interessant. Wir werden zu dem Thema Neuerschließungen und deren (Un-)Sinn sowie über geplante Erschließungsprojekte im Dezember ein größeres Feature hier bringen. Insofern bin ich sehr dankbar für solche Hinweise…
Ciao, tobi
AllesO.Kay
04.11.2011, 17:52
Hier etwas von Seiten des DAV zum Thema "Skierschließung":
http://www.alpenverein.de/template_loader.php?tplpage_id=59
und hier noch ein ebenfalls etwas fragwürdiges "Projekt" im Zugspitzgebiet:
http://www.merkur-online.de/lokales/landkreis-garmisch-partenkirchen/skifahrer-tunnel-zugspitze-1095268.html
Mit Hubers Worten „Als Neuschwanstein oder der Eifelturm geschaffen worden sind, haben viele die Erbauer für verrückt erklärt, Und heute ist jeder froh, dass diese Wahrzeichen da sind.“
Aha, ein Skitunnel quer durchn Berg also als Wahrzeichen? Vielleicht ist in seinen Augen dann auch die umgebaute Olympiaabfahrt in Garmisch-Partenkirchen ein Wahrzeichen - dafür wurden definitiv nochmal Bäume gefällt und für den "freien Fall" Boden abgetragen: http://www.goef.de/Olympische%20Winterspiele%202018
In Salzburg ist es so, dass die defizitären Skigebiete im Alpenvorland mitlerweile von großen Skigebieten mitfinanziert werden als eine Art "nursery" wo Leute mit wenig Zugang zum Skisport auf den Geschmack kommen sollen um später als Gäste in die große Skigebiete zu kommen.
Bei Fusionen sind die Rahmenbedingungen denke ich oft sehr verschieden. In Salzburg gibt es ein Beispiel wo ein etablierter Skiort sich gegen einen Zusammenschluss sträubt, weil viele Gäste dann zwar deren Lifte benützen aber in vergleichsweise billigeren Talorten wohnen. Mal als Beispiel, dass eine Fusion auch wirtschaftlich für einzelne Betroffene nicht immer lohnend ist.
Wow, dass sind ja schon viele Antworten. Vielen Dank, ich werde mich da nachher nochmal genauer durcharbeiten..
Zu der Baumfällsache:
Damit meinte, dass für NEUE Lifte keine Bäumen mehr gefällt werden dürfen. Also neue Lifte nur noch, wenn keine Bäume gefällt werden müssen.
Forstarbeit ist da natürlich ausgeschlossen.
Aber wie gesagt, hatte ich das nur mal im Hinterkopf.
Vielen Dank nochmal!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Gruß
Das mit Baumfällen glaube ich so nicht. Mir sind genügend "neue Pisten" bekannt, die es ohne Motorsäge nicht gebe. Bei Schutzwald oder Ähnlichem mag das vielleicht anders ausschauen. Aber für genaueres würde ich wie schon erwähnt mal nach dem Stichwort "Alpenkonvention" suchen, der ÖAV (Abt. Raumplanung & Naturschutz) ist da sicher eine gute Quelle.
Unter anderem steht da wie ich glaube drinnen, dass es keine neuen Pisten geben soll, wenn diese nur durch künstl. Beschneiung benutzbar gemacht werden können (Schneekanonen nur zur "Unterstützung von exponierten Stellen"). Unter anderem ist ja das Projekt "Hochsonnberg" (Zusammenschluss Schmitten/Piesendorf in Salzburg) in der Kritik. Ein anderes Beispiel neben dem erwähnten Warscheneck in OÖ wäre noch Kalkkögel in Tirol.
mfg, RADES
Die Alpenvereine haben hier eine ziemlich deckungsgleiche Politik was den Erschluss von neuen Skigebieten angeht.
Die Interessante frage ist jedoch, ab wann eine Seilabhn renoviert wird und wann eine neue gebaut wird. vgl. Gletscher Pitztal wo aus einem Schlepper eine Umlaufgondel geworden ist. Hier gibt es konträre Meinungen. Auch hab mal ein Auge auf die Agrargemeinschaften, die haben hier immer einiges mitzureden und sind manchmal (gefühlsweise) das Gesetz. Oder zumindest die Instans an der alles steht und fällt.
Fusionen schau dir mal die 3S Gondel in Kitzbühl an. Hat dem Skigebiet einigen Zulauf gebracht, da man mehr und mehr auf Pisenkilometer schaut. Auch die SSSC in Salzburg hat einen steigenden Abnehmerkreis vor allem bei längerern Urlaubsaufenthalt.
Ebenfalls Interessant ist im Pitztal die Talabfahrt vom Gletscher, welche nicht existieren dürfte. Hier gab es viele Rechtstreitereien wegen Umweltschutzzes. Inzwischen ist ein Notweg bzw. Transportweg angelegt. Dieser wird im Winter gespurt / gewalzt, aber oben immer mit einer Absperrschnur versehen. Die Abfahrt wird also - nicht wenig - genuzt. Böse Zungen behaupten jetzt das man da in ein par Jahren eine Art gewohnheitsrecht draus machen will und wenn es Unfälle gibt zur Sicherheit das Ding offiiell öffnen damit es gepflegt bzw. kontrolliert werden kann.
Hast da ein heikles Thema, in welchem oft lokale besonderheiten die ausschlaggebenden Faktoren sind...
Und wegen der Bäume geb mal bescheid wenn du was genaues weißt. Denke aber nicht, das hier nichts gefällt werden darf. Da dürfen schon zu ganz anderen Zwecken Bäume geschlagen werden...
Oh das ist eine sehr heikles Thema.
Ich weiß aus dem Stubai das sie dort 10 Jahre gebraucht haben um auf der Wildspitze den alten 2er Sessel gegen einen Neuen zu ersetzten.
Auch der bau eines weiteren Schleppers am Daunferner hat ewig gedauert.
Gleiches gilt für den Nordpark in Innsbruck.
Die Firma Strabag sollte dazu einiges sagen können haben das Teil im Nordpark geplant und gebaut.
Tirol ist soweit ich weiß bei der Vergabe von weiteren Liftanlagen sehr zurück haltend.
Nach dem Motto es gibt ja eh schon genügend Pisten in Tirol da brauchts nicht mehr.
Beim Zusammenschluß gibt es wohl viele Vor-/ und Nachteile.
Es gab die Idee Stubai und Sölden zusammen zu legen.
(Sölden ist sowie so ein Thema für sich, da sie als eines der wenigen Skigebiete nicht im Tirolcard verbund ist.)
Letzt endlich sah man für diesen zusammenschluß keinen Zugewinnung von Gästen also machte es keinen Sinn beide Gebiete zusammen zu schließen.
Von Saalbach-Hinterglemm / Leogang weiß ich das die mit dem Zusammenschluß Sommer wie Winter sehr unglücklich sind.
Leogang verzeichnet seit dem zwar mehr Personentransfer aber verdient gemessen an z.B. Gastronomie und Einzelhandel nicht mehr Geld.
tuff_enuff
14.11.2011, 22:37
scheinbar soll man irgendwann auch mal von kaprun bis nach saalbach schaukeln können...
http://www.salzburg.com/online/7mal24/aktuell/Traum-vom-Megaskigebiet.html?article=eGMmOI8VdSxwSkO4XUrKYSO Cy7t2v2uFIlql1r8&img&text&mode
Von Kaprun nach Leogang, na das wäre ne Strecke, krass
AllesO.Kay
16.11.2011, 17:25
Hab eben noch was dazu gelesen: Verbindung/Skigebiet Andermatt - Sedrun
http://www.cipra.org/de/alpmedia/news-de/4499
Danke für den super Tipp. Das Projekt kannte ich noch nicht, erscheint mir auf den ersten Blick ziemlich irre, vor allem, wenn man weiß, wie wenig in der Gegend über weite Strecken des Winters los ist.
-allgemein hat die Schweiz ja momentan genug mit dem starken Franken zu kämpfen. Wenn man überlegt, dass die 6 Tagespässe letztes Jahr noch zw. 210-240€ gekostet haben sind wir im moment bei über 270-280.....
- klar der Schweiz würde ein modernes neues Skigebiet nicht schaden (wenn ich da mal an die Ankerlifte in St.Luc/Chandolin denke), aber dazu müsste erstmal an andere Stellen aufgerüstet werden, um die Massen anzulocken!
Ein weiteres solches Desaster ist am Wochenende genehmigt worden:
http://www.suedostschweiz.ch/politik/lenzerheide-arosa-wird-top-skigebiet#comment-8705
http://www.suedostschweiz.ch/politik/grunes-licht-fur-skigebietsverbindung-lenzerheide-arosa?prev=region%2Fgraubuenden
Ich fürchte, wir können für die PG-FreerideGuide-Zweitauflage direkt ein Skigebiet streichen.
Romarius
28.11.2011, 17:23
wo ist denn der dislike-Button, wenn man ihn braucht?
Update:
Sind momentan mehr in die Richtung: Preisabsprachen bei Tagesskipässen, wenn es Verbundspässe ab 3 Tagen gibt.
2003 gab es dazu u.a. ein Kartellfall in der SKiamade, da dort ein gemeinsamer Skipass bereits ab dem ersten Tag nur zu erwerben war. Die Sache endete mit einem Vergleich, dass der Verbundspass erst ab 3 Tagen gültig ist und bis zum 3ten Tag jedes Skigebiet einen eigenen Pass mit eigenem Preis hat. Die Frage ist nun, gibt es trotzdem Absprachen.
Vielen Dank nochmal für die viele Hilfe und top Infos.
Auf der ersten Verbundebene steigt in dem oben aufgeführten Modell der 1-Tagespasspreis um 0,12 € in der Hauptsaison und um 0,14 € in der Nebensaison für jedes weitere Skigebiet, welches sich im Verbund befindet, bzw. dem Verbund beitritt. Dies würde in diesem Modell bedeuten, dass alleine durch den Eintritt eines Skigebietes in die Ski Amadé mit 22 Skigebieten der 1-Tagespasspreis für ein neues Skigebiet um 2,64 € in der Hauptsaison und 3,08 € in der Nebensaison steigt, ohne dass das Gebiet etwas verändert hätte. Für die Variablen herrscht ein hohes Signifikanzniveau, womit eine positive Auswirkung auf den 1-Tagespasspreis gesichert ist.
<-- mal das ganz knapp zusammengefasste Ergebnis unserer Arbeit. Fand ich schon interessant, wenn man sich die SKier Days betrachtet wie enorm die AUswrikung von solchen Verbunden sein kann.
Danke an alle nochmal für die Hilfe und Anregungen.
DIe Note war auch gut :)
Macugnaga
23.02.2012, 13:41
Ebenfalls Interessant ist im Pitztal die Talabfahrt vom Gletscher, welche nicht existieren dürfte. Hier gab es viele Rechtstreitereien wegen Umweltschutzzes. Inzwischen ist ein Notweg bzw. Transportweg angelegt. Dieser wird im Winter gespurt / gewalzt, aber oben immer mit einer Absperrschnur versehen. Die Abfahrt wird also - nicht wenig - genuzt. Böse Zungen behaupten jetzt das man da in ein par Jahren eine Art gewohnheitsrecht draus machen will und wenn es Unfälle gibt zur Sicherheit das Ding offiiell öffnen damit es gepflegt bzw. kontrolliert werden kann.
Das gehört nicht zum Thema aber...
Ich bin die Notabfahrt des öfteren nach Skitouren abgefahren...
Diese Abfahrt wird zwar präpariert aber ansonsten nicht gegen Lawinen
gesichert.
Erst letztes Jahr waren im April unzählige Nassschneelawinen über
die Strecke abgegangen.
Die Absperrschnur ist vorhanden aber selbst Familien mit Kindern sieht man
gelegentlich abfahren.
Ich kann nur dringend abraten die Notabfahrt zu benutzen...