Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einseitige Risikobetrachtung
anthroposophos
18.12.2008, 15:44
<p>Hi semiprofessionelle Freerider,<br /><br />damit meine ich sehr gute, erfahrene und ambitionierte Off-Pistefahrer (Ski/Snowboard), die aufgrund von Altersgruppe, knapper und nicht flexibeler Freizeit oft allein im Backcountry unterwegs sind; meistens in mittleren Lagen an oder unterhalb der Waldgrenze in nicht so epischen und grandiosen Bedingungen wie die Pros (z.B. Spines in AK).<br /><br />Aufgrund der wenigen guten Tage und bei mir speziell durch meine persönliche familiere Disposition (ledig und Kinderlos) bin ich zugegebenermassen schon vergleichsweise Risikofreudig, natürlich in erster Linie weil sonst ja gar nichts ginge.<br />Die Vorstellung, daß bei Tod oder schwerem Unfall neben meinen Eltern und Freunden zwangsläufig noch Dritte bei Bergung und Versorgung involviert würden, macht mir trotz diverser Unfallversicherungen schon zu schaffen.<br />Dieser Fall kann aber bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit durch das Eingehen anderer unvermeidbarer und gesellschaftlich gebilligter Risiken eintreten.<br />Daher halte ich es im Rahmen für vertretbar, alpinen Wintersport 'nüchtern'!!! auch abseits der Piste zu betreiben. Will damit sagen eine 4x4 Methode für all die Apresschlucker, jungen Pseudo-Snowpunks und total unsportlichen Image-Wintersportlern würde wohl sehr viel mehr Leid vermeiden helfen.<br /><br />Ich bin allerdings der Meinung, daß die Diskussion um Sicherheit im freien Gelände derzeit etwas an der Realität vorbeigeht und mitunter auch falsch geführt wird.<br />Es wird vorwiegend die große Lawine als das Hauptrisiko für Tourengruppen und die Vermeidung derselben, bzw. die Maßnahmen durch beim Off-Piste Freeriding meistens nicht vorhandene oder schlecht vorbereitete und handlungsunfähige Nichtverschüttete im worst case Szenario einer Tiefverschüttung thematisiert.<br /><br />Bei den Bedingungen in denen ich z.B. in den Tiroler Nordalpen im Backcountry unterwegs bin, handelt es sich in der Regel um kürzere, weniger exponierte Hänge mit der Gefahr von potentiellen kleinen Schneebrett- und Lockerschneeabgängen, die aber oft lokal eingrenzbar und von der Menge abschätzbar sind; das ist aber bei entsprechender Linienwahl, Geschwindigkeit sowie beherzter Fahrweise im Einzelfall durchaus kontrollier- und verantwortbar - das Gelände ist nicht nur gegen Dich, es kann Dir auch helfen! (z.B. fallender Rücken, markante Erhebungen, je nach Situation Bäume und sogar Felsen). Solche Merkmale müssen dann auch für die Planung mehrerer Exit-Optionen entlang der Fallinie als Rückfallebene bei Abgang herangezogen werden.<br /><br />Eine weitere Möglichkeit ist als ultima ratio die vorherige Auslösung und das anschließende Befahren einer überkritischen Passage (vorausgesetzt das keine anderen Tourengeher oder Freerider dadurch gefährdet werden), ggf. mit Selbst- oder Kameradensicherung;<br />das kann auch angezeigt sein wenn ein Rückzug kaum noch möglich, oder nur mit großem Risiko verbunden ist (kommt wirklich hier und da vor).<br /><br />Weiterhin wird auf die große Gefahr einer schweren Verletzung durch Kontakt mit Felsen, Bäumen und Eis zuwenig hingewiesen. Zur Pflicht-Schutzausrüstung gehören daher ein Helm, Skibrille, Rückenprotektor, Protektorenhose mit Hartschalen und Steißschutz <br />sowie schwere Funktionsbekleidung aus dicken verstärkten ballistic Nylon Qualitäten. Denn ein abgehender Lockerschneehang kann einen oft <br />sehr viel leichter über Felsen waschen als tief verschütten.<br />Die Vorstellung mit Trümmerfrakturen oder Wirbelsäulenbruch im Schnee zu stecken ist der blanke Horror und eine Selbsthilfe ist dann auch obsolet.<br /><br />Fazit: Ich wünsche mir mehr praktische Anleitung als strikte Verbote und generalisierende Warnungen, die oft doch nicht beachtet werden. Eine pauschale Warnung/Verbot kann schnell beiseitegewischt bzw. mögliche Folgen verdrängt werden; eine Anleitung wie ich es, wenn schon unbedingt, dann aber richtig machen kann, zeigt mir das effektive Restrisiko viel hautnaher an und in den meisten Fällen die persönliche Unfähigkeit es zu beherrschen oder auf ein verantwortbares Maß zu begrenzen. Denn 4x4 & Co. bedeutet in der Regel schnell: wenn der Hang sehr reizvoll ist, dann ist das Risiko auch zu hoch;<br />und ist bei aller Berechtigung und methodischer Perfektion für viele oft nicht anwendbar/praxisnah bzw. transparent genug. Außerdem wird es bei gewissen Zielgruppen alleine nie die nötige Akzeptanz finden.<br />Effektiver und einfacher ist da u.a. ab Warnstufe IV gleich daheim zu bleiben - denn führe uns nicht in Versuchung..... oder nie über 30 Grad Hangneigung im ungesicherten Terrain (Es gibt auch schöne verspurte Steilhänge neben der Piste). Das Hauptproblem ist den Selbstüberschätzern und Wannabe's klarzumachen, daß der Hype um Freeriding nicht bedeuten kann, sich selber gleich ins extreme Gelände zu stürzen, ohne daß sie dies erst durch eigene schmerzliche und womöglich letzte Erfahrung begreifen müssen. Mich haben die abschreckenden Bilder und Reportagen auf dieser Seite zumindest wieder gründlich wachgerüttelt.<br /><br />Das LVS führe ich wenn ich alleine fahre lediglich als Exhumierhilfe mit mir. Sicherheit und damit selbstbestimmte, eigenverantwortliche Entscheidungen, gibt mir dann gründliche Überlegung im Vorfeld - zu lange Verweildauer an exponierten Stellen ist hingegen kontraproduktiv, intensive Beobachtung, Erfahrung, realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeit und zuletzt die bedingungslose Entschlossenheit, einem vorher sorgfältig aufgestellten Handlungsplan nach der Entscheidung zur <br />Einfahrt in einen schweren und/oder kritischen Abschnitt zu folgen. Über einen ABS-Rucksach denke ich immer wieder nach, befürchte aber schlussendlich, daß er die Hemmschwelle herabsenkt und einen dazu verleitet in Hänge einzufahren, die man sonst gemieden hätte (irgendeinen Performance-Gewinn will man dann wohl mitnehmen). Wenn man sich 100% unter Kontrolle hat, d.h. bei der Entscheidungsfindung von seinem Vorhandensein total abstrahiert, ist er ein beträchtlicher Zugewinn an passiver Sicherheit.</p>
<p>Zuletzt muss ich noch anmerken, daß es sich bei oben genannten Ausführungen lediglich um ergänzende und spezielle Aspekte für die kritische Auseinandersetzung mit einer sehr sensiblen Thematik handelt und in keiner Weise die Wirksamkeit/Berechtigung der vorherschenden Methoden/Lehrmeinung in Zweifel gezogen werden soll. Die dargestellten Strategien zum Befahren gefährdeter Hänge sind lediglich für einige wenige Spezialisten mit erhöhter Risikobereitschaft von Relevanz - Grundsätzlich ist ein Befahren solcher Hänge tunlichst zu unterlassen oder wenn nicht zu vermeiden zumindestens in der Gruppe unter Vornahme aller gegebenen Vorsichtsmaßnahmen durchzuführen. Das unversehrte Befahren von Felsdurchsetzten Steilrinnen erfordert ein hohes Maß an Fahrkönnen/Athletik und Kondition. Die nötige Schutzausrüstung allein reicht nicht aus und der überwiegenden Mehrheit ist davon strikt abzuraten.</p>
Puderede
21.12.2008, 16:07
<p>hmmmm, also ich bin nicht so recht sicher, was du damit sagen willst. gas geben, ohne zu denken, sterben fürs freeriden…? willst du das? warum alleine fahren, hast du denn keine buddies?</p>
<p>da sind fraglos interessante aspekte drin, aber auch einiges befremdliches…</p>
<p>viel spass trotzdem!</p>
<p>ich bin mir auch nicht sicher, was der Autor uns/mir mit diesem epischen Monolog genau sagen will...???</p>
<p> </p>
<p>für mich ist überhaupt eine der wichtigsten Sicherheitsstrategien nicht alleine riden zu gehen. Mal abgesehen vom Schneebrett kann dir soviel anderer Mist passieren...</p>
<p> </p>
<p>wenn das da oben jetzt eine Rechtfertigung fürs alleine fahren sein soll, bitte schön... muss jeder selbst wissen und verantworten... muss man aber auch kein Bohee drum machen...</p>
<p> </p>
<p>just my 2 cents</p>
<p>Hallo Anthroposophus,</p>
<p><em>'…damit meine ich sehr gute, erfahrene und ambitionierte Off-Pistefahrer (Ski/Snowboard), die aufgrund von Altersgruppe, knapper und nicht flexibeler Freizeit oft allein im Backcountry unterwegs sind; meistens in mittleren Lagen an oder unterhalb der Waldgrenze in nicht so epischen und grandiosen Bedingungen wie die Pros (z.B. Spines in AK).' </em></p>
<p>Um mit dem Positiven anzufangen: Ich finde es immer gut, wenn die herrschenden Lehrmeinungen kritisch hinterfragt werden – und wenn sie sich dann als unbrauchbar erweisen, weg damit! Trotz vieler interessanter Gedanken irritiert mich dein TR und nicht alles verstehe ich wahrscheinlich richtig. Warum bist du so oft alleine unterwegs? Ich gehe nie alleine ins Backcountry, von äußerst seltenen Ausnahmen abgesehen. Und ich bin oft in epischen und grandiosen Bedingungen unterwegs, auch wenn es am Ende der Saison dann nur eine Hand voll Tage waren, die perfekt oder nahezu perfekt waren. </p>
<p>Zum Thema 3x3 (das meinst du doch, oder?): Die funktioniert immer, sie ist ja nichts anderes, als die klassisch-traditionelle Lawinenkunde nach dem Prinzip der Rasterfahndungsmethode umstrukturiert. Die Entscheidung nimmt sie dir ja nicht ab. Schon einschränkender sind da die Reduktionsmethode oder andere. Allerdings bieten sie im Tourengelände (= Backcountry) für mich ausreichend Spielraum. Und beim Freeriden kann man ja immer noch, so wie ich dich verstanden habe, durch kluge Linienwahl sein Risiko reduzieren. Aber dein Statement, die Entscheidung dann knallhart durchzuziehen… hmm, kommt mir arg fatalistisch bzw. ballistisch vor. Ich finde, dass spannende am Freeriden ist doch, dass man immer flexibel sein muss… und sein ideales Verhältnis zwischen Risiko, Abfahrtsspaß und Sicherheitsbedürfnis finden muss.</p>
<p>'I<em>ch wünsche mir mehr praktische Anleitung als strikte Verbote und generalisierende Warnungen, die oft doch nicht beachtet werden. Eine pauschale Warnung/Verbot kann schnell beiseitegewischt bzw. mögliche Folgen verdrängt werden; eine Anleitung wie ich es, wenn schon unbedingt, dann aber richtig machen kann, zeigt mir das effektive Restrisiko viel hautnaher an und in den meisten Fällen die persönliche Unfähigkeit es zu beherrschen oder auf ein verantwortbares Maß zu begrenzen. Denn 4x4 & Co. bedeutet in der Regel schnell: wenn der Hang sehr reizvoll ist, dann ist das Risiko auch zu hoch;</em></p>
<p><em>und ist bei aller Berechtigung und methodischer Perfektion für viele oft nicht anwendbar/praxisnah bzw. transparent genug. Außerdem wird es bei gewissen Zielgruppen alleine nie die nötige Akzeptanz finden.' </em></p>
<p><< hier muss ich dir zum Teil deutlich widersprechen. Richtig ist sicherlich, dass so wie du sagst, generalisierende Warnungen wenig bringen. Deinem Einwand, dass sehr reizvolle Hänge vom Risiko generell zu hoch seien, kann ich nicht zustimmen. Und transparent werden die Methoden, der sich mit ihnen beschäftigt (sie sind selbst für Statistik-Muffel wie mich nachvollziehbar). Reduktionsmethode, Stop-or-Go (das mir nicht gefällt) oder Snow-Card usw. sind alle fürs Tourengelände mit dementsprechend instabilerer Schneedecke gemacht. Fürs Freeride-Gelände kann man sie anwenden, gewinnt dadurch immens viel Sicherheit, verliert aber viel Terrain an die Schweden…</p>
<p>3x3 passt aber fürs Variantengelände perfekt, hilft, die besten und weniger riskanten Lines zu finden, und wenn dann ein Hang wirklich tricky ist, einfach mit der Reduktionsmethode überprüfen. Wie du die Größe möglicher Lawinen berechnen willst… puuuh, ich traue mir das nicht zu. Aber richtig ist: Speed is your best friend… hilft aber auch nicht immer.</p>
<p>Generell: Man muss doch nicht so furchtbar fatalistisch sein, von wegen LVS als Exhumierhilfe. 2-3 gute Kollegen, auf die man sich verlassen kann und der ABS erhöht die Chance, nicht verschüttet zu werden. Ein spielerischer Umgang mit dem Risiko, dabei aber im Kopf zu behalten, dass der Ernstfall eintreten kann, und dann eine Handlungsoption zu haben, finde ich besser, als sich mit 'bedingungsloser Entschlossenheit' irgendwelche Hänge runterzustürzen.</p>
<p>Wünsche dir, nicht nur zum Jahreswechsel, viele zufriedene Turns, Tobi </p>
Romarius
21.12.2008, 17:58
<p>@threadstarter: ich würde gerne zu deinen aussagen stellugn beziehen. ich habe aber ehrlich gesagt nicht verstanden was du uns sagen willst! war es, dass die gängigen methoden, insb. 3*3 für die große mehrheit untauglich sind?</p>
<p>sorry, aber deine vielen kommata, der lange text und der etwas wirre gedankengang haben mein im urlaub befindliches hirn doch etwas überfordert. ;)</p>
derlange
21.12.2008, 18:57
<p>Nur so als kleiner Gedankenanreiz zum Thema alleine Freeriden gehen!!!</p>
<p>obwohl beim beschriebenen Fall auch sonst wohl das Gehirn zu Haus geblieben sein dürfte!</p>
<p>http://www.lawinenwarndienst-bayern.de/lawinenunfaelle/unfall.php?ID=26</p>
<p> </p>
<p> </p>
<p>ich will hier niemanden angreifen, da ich der meinung bin, ein forum dient dazu, meinungen, auch wenn sie anders sind, zu artikulieren und fair zu diskutieren. nun ja, der lange TR macht die argumentative auseinandersetzung etwas kompliziert.</p>
<p>@ jan: habe hier mal text und foto vom erwähnten unfall reingesetzt. der bayerische llb meldet stufe vier…</p>
<p>
<hr />
</p>
<p>Vorläufige Informationen zum Lawinenunfall<br />Kanzelwand (1960m) Fellhorngebiet bei Oberstdorf<br />Sonntag, 21.12.2008, 11:05 Uhr</p>
<p><strong>Lawine:</strong><br />Schneebrettlawine</p>
<p><strong>Gelände:</strong><br />NO-Hang, NN 1900m, bis zu 40 Grad steil</p>
<p><strong>Beschreibung:</strong><br />Am Sonntag, 21.12.08, 11.05 Uhr ging an der Kanzelwand bei Oberstdorf eine große Lawine ab. Augrund von Zeugen, die den Lawinenabgang gesehen hatten, musste man annehmen, dass möglicherweise doch eine Person verschüttet wurde. Daraufhin wurde eine große Suchaktion gestartet an der ca. 80 Personen beteiligt waren. Gefunden wurde der Verschüttete im Rahmen einer Sondierung des Lawinenkegels. Die sofort eingeleiteten Reanimationsversuche waren erfolglos. Zur Örtlichkeit: Der Lawinenabgang ereignete sich an einem NO-Hang im freien Skigelände parallel der „Zweiländerbahn' im Fellhornskigebiet. Der Anriss erfolgte unterhalb der Felswände der Kanzelwand in ca. 1900 m Höhe. Die Anrisshöhe betrug bis zu 1,5 m bei maximal ca. 40 Grad Hangneigung. Die Gesamtlänge der Lawine beträgt ca. 600 m und war bis zu 150 m breit.</p> http://www.powderguide.com/media/up/450_forum_113_Unbenannt-1.jpg
<p>Irgendwann musste ja wieder etwas im Skigebiet Fellhorn/Kanzelwand passieren, so dumm wie es klingen mag. Wenn ich den selben Hang meine wie der LLB, ist das ein gutes Beispiel eines klassischen 'Freeride Hanges'. Sehr leicht von jeder Person aus dem Lift erreichbar und nach einer kleinen Querung öffnet sich eine größere Bowl. Ich nehme mal an, dass immer weiter in den Hang hinein gequert wurde, bis man hinten an der Felswand war und alles 'abgegrast' war. Irgendwann wurde eben der HotSpot erwischt. (Können jetzt auch Mutmaßungen sein, aber so läuft es dort für gewöhnlich ab). Und zur Warnstufe vier heute im Allgäu (Fellhorn/Kanzelwand). Nicht mal eine vier schreckt die Leute dort noch ab. Wenn man dort Konsequent sagen würde, ich bleibe unter 30° kann man gleich daheim bleiben. Sobald die Sonne dort aus ihrem Loch kommt, werden auch die Nordhänge am Kanzelwandgrat gefahren. Links runter zur Talabafahrt ist dann eigentlich schon schlimm genug, wenn man das im Nachhinein betrachtet, aber rechts...<img title='Foot in mouth' src='js/tiny_mce/plugins/emotions/img/smiley-foot-in-mouth.gif' border='0' alt='Foot in mouth' width='18' height='18' />. Ich möchte mich da übrigens nicht komplett ausschließen. Dort ist das eben genauso wie am Arlberg, Engelberg und Co.</p>
<p>Am Anfang des Hanges gehen von Oben auch 2-3 50m lange Rinnen in den Hang, die von der Bergstation aus von jedem in 2 Minuten erreichbar sind. Wenn es da viel Neuschnee mit Wind gab, sag ich schon immer zu meinem Bruder: Wie Verantwortungslos muss man sein um dort reinzufahren? Aber man sieht dort immer wieder Leute fahren....</p>
TomyLight
21.12.2008, 22:58
<p>laNeige wrote:</p>
<p>Irgendwann musste ja wieder etwas im Skigebiet Fellhorn/Kanzelwand passieren, so dumm wie es klingen mag. Wenn ich den selben Hang meine wie der LLB, ist das ein gutes Beispiel eines klassischen 'Freeride Hanges'. Sehr leicht von jeder Person aus dem Lift erreichbar und nach einer kleinen Querung öffnet sich eine größere Bowl. Ich nehme mal an, dass immer weiter in den Hang hinein gequert wurde, bis man hinten an der Felswand war und alles 'abgegrast' war. Irgendwann wurde eben der HotSpot erwischt. (Können jetzt auch Mutmaßungen sein, aber so läuft es dort für gewöhnlich ab). Und zur Warnstufe vier heute im Allgäu (Fellhorn/Kanzelwand). Nicht mal eine vier schreckt die Leute dort noch ab. Wenn man dort Konsequent sagen würde, ich bleibe unter 30° kann man gleich daheim bleiben. Sobald die Sonne dort aus ihrem Loch kommt, werden auch die Nordhänge am Kanzelwandgrat gefahren. Links runter zur Talabafahrt ist dann eigentlich schon schlimm genug, wenn man das im Nachhinein betrachtet, aber rechts...<img title='Foot in mouth' src='js/tiny_mce/plugins/emotions/img/smiley-foot-in-mouth.gif' border='0' alt='Foot in mouth' width='18' height='18' />. Ich möchte mich da übrigens nicht komplett ausschließen. Dort ist das eben genauso wie am Arlberg, Engelberg und Co.</p>
<p>Am Anfang des Hanges gehen von Oben auch 2-3 50m lange Rinnen in den Hang, die von der Bergstation aus von jedem in 2 Minuten erreichbar sind. Wenn es da viel Neuschnee mit Wind gab, sag ich schon immer zu meinem Bruder: Wie Verantwortungslos muss man sein um dort reinzufahren? Aber man sieht dort immer wieder Leute fahren....</p>
<p></p>
<p>Ich muss dir heftigst widdersrpechen!<br />War heute mit 2 Leuten am Fellhorn und es ist kein einizger(wir haben uns den Hang angeschaut und hatten die 4 des LLB noch im Kopf, der LLB war sehr eindeutig) in diesen besagten Hang gefahren. Keine einzige Spur war drinnen nichts, nada...<br />Bis dann eben, laut Radio, ein 49 Jahre alter Mann aus Neubrandenburg in den Hang gefahren ist und dies mit seinem Leben bezahlt hat.<br /><br />Desweiteren herrschte ein Wind der den kleinen Rücken(rechts vom Lift, von unten geschaut) so gut wie freigeblasen hat. Der eigentliche Hang, in dem die Lawine ausgelöst wurde, war voll von Triebschnee. Was die 1,5m hohe Anrisskante gut wiedergibt.<br />Gefunden müssen sie ihn ganz unten in einer Senke, Bachbett oder wie man sowas nennt, gefunden haben. Das war links vom 4er Sessellift.</p>
<p>Aber du hast schon recht, fährt einer in den Hang, kann man anschauen wie die ganzen Lämminge in den Hang fahren und immer weiter hinaus queren um immer mher Pow zu erwischen. Im Powderguide ist dazu ein 'tolles' Bild vorhanden.<br />100 Leute fahre den Hang und der 101. erwischt den Hitspot... Celavie, sag ich mir, mag hart klingen ist aber so.</p>
<p>Wollte nur meinen Senf zu dem Thema geben ;)</p>
<p>habe deinen post ebenfalls gelesen antro und mir scheint du hast vieles nicht verstanden.</p>
<p>warum? weil du dir selbst widersprichst.</p>
<p>3X3 ist alles andere als ein korsett welches dich zu einer entscheidung zwingt. es ist nichts anderes als eine auflistung von faktoren die du beachten solltest wenn du dich ins gelände begibst.</p>
<p>und auch die reduktionsmethode spuckt dir nur basierend auf statistischen methoden eine faktor aus der dir dein statistisches risiko verrät wenn du dich bei einer bestimmten lawinenwarnstufe in einen bestimmten hang begibst.</p>
<p>dabei gilt lediglich die empfehlung dich unterhalb des faktors 1 zu bewegen. ob du dies tust bleibt dir selbst überlassen - ich hingegen würde es dir aber ans herz legen, auch basierend auf persönlichen erfahrungen.</p>
<p>das gute an der RM im vergleich zu den anderen methoden ist deren transparenz. du kannst ziemlich genau ablesen welcher faktor dein statistisches risiko wie stark beeinflusst. gerade deshalb gibt sie dir einen ziemlich guten einblick in die zusammenhänge.</p>
<p>dabei gibt es viele möglichkeiten selber die methode zu vertiefen und für dich zu präsisieren. so kannst du beispielsweise die gefahrengrad selbstständig durch deine beobachtungen vor ort reduzieren oder erhöhen. und keiner schreibt dir vor, dass du bei einer lws 3 das gefahrenpotenzial 8 annehmen musst. entsprechend deinen beobachtungen kannst du durchaus auch eine 7 oder gar 6 wählen oder auf 12 erhöhen. wenn der im llb erwähnte neuschnee nicht eingetroffen ist, oder es nicht wie vorhergesagt zu verfrachtungen kam, kannst du auch eventuell die 2 des vortages annehmen.</p>
<p>auch frage 'was ist ein hang' und damit 'wie steil ist der hang' ist derart offen, dass du kaum persönliche erfahrung und persönliches wissen bei deiner ganz persönlichen interpretation der situation aussen vorlassen kannst. vielleicht entscheidest du ja, die topographie definiert den hang bei der schneelage auf einen bereich von 20 auf 20 meter und der 'hang' ist lediglich 30° steil oder du meinst die instabilitäten beeinflussen einen bereich von 100 auf 100 meter. und plötzlich hat dein 'hang' 45°.</p>
<p>die methode sagt dir nicht was du zu tun hast. sie sagt dir lediglich wo statistisch die gefahren liegen und wie sie gewichtet sind. was du mit dieser information anfängst bleibt dir überlassen.</p>
<p>uns skialpinisten stand noch nie ein so tiefgehender einblick in die zusammenhänge der lawinengefahr und damit verbundenen risiken zur verfügung. ich wüsste wirklich nicht warum ich darauf verzichten sollte.</p>
<p> </p>
<p>wenn du mehr erfahren willst über linienwahl, sicherheitszonen, navigieren im gelände und zum beispiel geländefallen im sinne von stauzonen im auslauf - dann geht das nur über erfahrung. die erwirbst du entweder selbst oder bezahlst sie sehr teuer bei speziellen freeride kursen. ich kann nur sagen, das spiel ist heikel und hat schon viele sehr erfahrene leben gekostet. ich denke jedoch es ist unmöglich diese erfahrungen methodisch in schriftlicher und theoretischer form zu vermitteln.</p>
<p>gerade der von dir angesprochene skicut ist extrem heikel und funktioniert ausschliesslich und ganz bestimmten lawinensituationen (sehr labile und sehr oberflächliche instabilitäten in frischem schnee mit geringer dichte) und sehr eingengten bzw durch die topographie klar definierten und abgegrenzten bereichen. generell würde ich den skicut lediglich als mittel für sluffmanagement als zuverlässig bezeichnen.</p>
<p>zusammenfassend kann ich eigentlich nur sagen, deine kritik ergibt nicht wirklich sinn und scheint darin begründet zu liegen, dass du die methoden welche du kritisierst nicht wirklich verstanden hast.</p>
<p> </p>
<p>ps: was mir noch einfällt, die meisten lawinenunfälle geschehen bei warnstufe 3. das hat damit zu tun, dass die instabilitäten meisst lokal begrenzt sind aber schon so gross, dass sie für den skifahrer tödlich sind. daraus ergibt sich häufig eine sehr unübersichtliche situation, weil der eine hang, der viel steiler ist gerade noch ging, aber der dadrüben, welcher eigentlich so harmlos ausschaut fatal war.</p>
<p>bei einer 4 hingegen, sind die gefahren meist grossräumig und die alarmzeichen klar erkennbar. daher passiert dort recht wenig. wenn du also auf eine gefahrenstufe verzichten möchtest, sollte es im zweifelsfall die 3 sein. ;-)</p>
El Totto
21.12.2008, 23:07
<p> </p>
<p>scheint in mode zu sein, alleine auf tour zu gehen bzw. sich wenige bis gar keine gedanken ueber lawinengefahr zu machen!</p>
<p> </p>
<p>artikel aus spiegel-online:</p>
<p>http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,597836,00.html</p>
<p> </p>
<h1>ÖSTERREICH</h1>
<h2>Drei Deutsche von Lawinen getötet</h2>
<p class='spIntrotext'><strong>Begraben unter den Schneemassen: Bei Lawinenabgängen sind drei Deutsche am Wochenende in Österreich ums Leben gekommen. Ein Snowboarder und ein Skifahrer starben in Vorarlberg, ein Tourengeher wurde in Osttirol tot geborgen.</strong></p>
<p>
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</p>
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Bregenz/Innsbruck - Sie verunglückten beim Wintersport: Bei den in Vorarlberg ums Leben gekommenen Deutschen handelt es sich der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge um einen 22-jährigen Snowboarder aus dem Raum Konstanz und einen etwa 40-jährigen Skifahrer aus dem Raum Kempten.</div>
<div class='spCommercial'><br /></div>
<div class='spCommercial'>Der Snowboarder war mit zwei Freunden in der Region Bregenzerwald in einen gesperrten Hang eingefahren, als sich ein Schneebrett löste und ihn unter sich begrub. Ein zweiter Snowboarder wurde von den Schneemassen teilweise verschüttet, konnte sich aber selbst befreien und <strong>fuhr in der Annahme weiter, sein Freund sei schon zur Talstation aufgebrochen</strong>. Erst dort wurden die Rettungskräfte alarmiert, wie APA berichtete. Eine Stunde dauernde Reanimationsversuche blieben erfolglos.</div>
<p>
<script type='text/javascript'><!--
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</p>
<p>Der Skifahrer war dem Bericht zufolge im Kleinwalsertal <strong>alleine</strong> unterwegs und löste ein Schneebrett aus. Wegen der großen Lawinengefahr mussten zunächst weitere Schneebretter auf dem Hang gesprengt werden, bevor sich die Retter auf die Suche nach dem Verschütteten machen konnten.</p>
<p>Außerdem wurde am Sonntag in Osttirol ein Tourengeher tot geborgen. Er war am Samstag am Großvenediger <strong>allein </strong>unterwegs gewesen und am Abend von seiner Lebensgefährtin als vermisst gemeldet worden. Der 49-Jährige war 1,20 Meter unter einer Lawine begraben und rund 40 Meter mitgerissen worden.</p>
<p>In der Schweiz wurden am Sonntag zwei 15-jährige Skifahrer von einer Lawine verschüttet. Einer von ihnen erlitt schwere Verletzungen, wie die Walliser Kantonspolizei bekanntgab. Sein Kamerad blieb unverletzt. Das Unglück ereignete sich kurz vor Mittag außerhalb der markierten Pisten in der Skiregion von Chandolin. Nach den massiven Schneefällen der vergangenen Woche habe sich die Lawinengefahr am Sonntag wegen der starken Erwärmung verschärft, sagte der Polizeisprecher.</p>
<p><em>tno/AP</em></p>
Puderede
22.12.2008, 18:32
<p>Hallo Risiko-Philosoph, alias Threadstarter, alias Prügelknabe… <img title='Innocent' src='js/tiny_mce/plugins/emotions/img/smiley-innocent.gif' border='0' alt='Innocent' /></p>
<p>Der Altmeister hats wieder allen gezeigt, und wäre das Buch nicht so teuer, würde ich dir ein Exemplar schicken. PowderGuide-buch tuts aber auch und ist billiger. Aber nach der Lektüre von 3x3 glaube ich, wärst du bekehrt…</p>
<p><a title='Buchvorstellung 3x3 Lawinen' href='magazin.php?ID_Sub=2801&display=371'>http://www.powderguide.com/magazin.php?ID_Sub=2801&display=371</a></p>
anthroposophos
22.12.2008, 22:28
<p>Vielen Dank für die zahlreichen und durchwegs zielführenden Statements von Euch allen.</p>
<p>Die Reaktionen waren weder emotional geprägt, noch ermangelten sie der nötigen Sachkenntnis, was mich sehr freut, da ich schon mit Absicht etwas provozieren wollte: letztendlich wohl auch um wieder zu sehen wie ernst und pragmatisch das Thema zu behandeln ist.</p>
<p>Obwohl ich bestimmt besser vorbereitet und informiert bin als Ihr denkt, und auch bevorzugt sehr sichere Verhältnisse aufsuche, muss ich in Zukunft regelmäßig, oder am besten ausschließlich, in der Gruppe am Berg unterwegs sein.</p>
<p>Momentan bin ich sehr frei in meiner Zeiteinteilung und würde mich freuen wenn jemand Lust auf und Zeit für gemeinsame Unternehmungen hat. Ich bin Mitpächter einer hochgelegenen Almhütte (1600m) am Lodron/Kelchsau, an dem generell sehr sichere Touren-Bedingungen vorherrschen, und gehe dort in der Haupturlaubszeit Ski- und Snowboardtouren. Ansonsten bin ich im Einzugsbereich der Allstarcard (Kitzbüheler Alpen) unterwegs.</p>
<p>Gruß an alle Freerider</p>
<p>Willy</p>